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Samstag, 6. Januar 2018

20*C+M+B+18 Sternsinger aus der Diözese Eichstätt im Schloss Bellevue

Die Sternsinger kamen in diesem Jahr aus der Diözese Eichstätt. Gegen elf klopften sie im Schloss Bellevue an. Ihnen wurde geöffnet und sie durften den Segensspruch 20*C+M+B+18 an die Tür schreiben.



Als ich kurz nach halb elf eintraf, war das Atrium des Präsidialamtes mit Kleinen und Großen gefüllt. Die Kleinen hatten stabile goldene Kronen auf den Köpfen und waren in lange bunte Umhänge gehüllt. Ich bahnte mir den Weg zum WC und machte dabei noch ein Gruppenfoto vor dem Weihnachtsbaum. Anschließend waren die gut 20 Presseleute verschwunden. Ich eilte ihnen nach und fand noch eine gute Bildposition vor dem Schloss.

20*C+M+B+18 Sternsinger Diözese Eichstätt Schloss Bellevue
20*C+M+B+18 Sternsinger der Diözese Eichstätt im Schloss Bellevue
20*C+M+B+18

Vor wenigen Tagen war mir eher zufällig aufgefallen, dass die Buchstaben des CMB-Segens im letzten Jahr falsch herum an die Schloss-Tür geschrieben worden waren: 20*C+B+M+17. Ein Pressekollege stellte den lateinischen Segen "Christus mansionem benedicat" um und bemerkte, dass der Sinn auch mit CBM gegeben wäre. Beim Winterurlaub am Fuß von Schloss Neuschwanstein hatten wir gesehen, dass auch in katholischen Regionen kaum jemand die korrekte Schreibweise des CMB beherrscht. Eine besondere Vielfalt war bei der Setzung von Stern und Kreuzen zu entdecken.

20*C+M+B+18 Sternsinger Diözese Eichstätt Schloss Bellevue
Eva schreibt 20*C+M+B+18 an die Eingangstür von Schloss Bellevue
Die korrekte Schreibweise zeigten uns heute die Kinder aus der Diözese Eichstätt. Eine Diözese ist ein kirchlicher Verwaltungsbezirk und wird auch Bistum genannt, da diesem Bezirk ein Bischof vorsteht. Im evangelischen Sprachgebrauch nennt man solch einen Bezirk auch Sprengel.

Klopft an und es wird euch aufgetan!

Zunächst liefen die Kinder um den großen Weihnachtsbaum vor dem Schloss, bogen dann auf den Weg ein, den die Staatsgäste befahren und nahmen schließlich auf der Treppe ihre Positionen ein. Die Kronen glänzten in der Wintersonne. Es war kühl, aber nicht windig. Sterne aus Holz wurden justiert. Eva, Elisabeth und Jonas machten sich bereit für den großen Auftritt. Kurzes Zögern - Klopfen!

20*C+M+B+18 Sternsinger Diözese Eichstätt Schloss Bellevue
Sternsinger betreten das Schloss Bellevue
Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender öffneten die Tür und wurden von den Kindern begrüßt. Nach einem Lied wurde die Tür ein weiteres Mal geöffnet und eine Leiter kam zum Vorschein. Eva durfte den Segensspruch an die Tür schreiben. Diesmal auf den linken Flügel. Zufall oder politische Korrektheit?

Es folgten zwei weitere Strophen von "Seht ihr unsern Stern dort stehen". Dann durften die kleinen Gäste mit den goldenen Kronen das Schloss betreten. Wir nahmen einen anderen Weg und trafen die Sternsinger im großen Saal wieder. Zur plüschigen Bundesfahne hatten sich zwei Königsgruppen gesellt. Die Kinder mit den Blasinstrumenten standen am Fenster zum Garten. Als auch die begleitenden Eltern und Prälaten im Saal waren, kamen der Präsident und seine Gattin.

Gottes Segen ist das Wichtigste!

Neben mehreren Liedern gab es eine kurze Rede des Präsidenten, in der er sagte, dass der Segen Gottes das Wichtigste ist. Segen gab es viel an diesem Vormittag. Draußen an der Tür und im großen Saal. Den Abschluss bildete ein Segenslied zum gestrigen 62. Geburtstag von Frank-Walter Steinmeier.

60 Jahre, Indien und Kakao

Die Sternsinger besuchen den jeweils amtierenden Bundespräsidenten seit 1983 - damals noch Karl Carstens in der Villa Hammerschmidt (Bonn). Das "Dreikönigssingen" ist fast so alt wie Herr Steinmeier und dient der Sammlung von Spenden für Not leidende Kinder.

20*C+M+B+18 Sternsinger Diözese Eichstätt Schloss Bellevue
Sternsinger nehmen die Spende des Bundespräsidenten und seiner Gattin entgegen
Heute bekamen die Sternsinger eine Spende für Minderjährige in Indien, die durch Bildung und alternative Erwerbsmöglichkeiten aus diskriminierenden Situationen herausgeholt werden können. Zur Untermalung stellten die kleinen Könige eine Szene aus dem indischen Arbeitsalltag dar. Als der gesundheitsschädliche Staub aus dem bunten Material geklopft wurde und das Präsidentenpaar umnebelte, klackerten die Kameras.

Kein Kinderbesuch ohne Kakao. Die Kleinen strömten in den Salon Luise und die Schlossdiener eilten ihnen mit den Kakao-Tabletts hinterher. Ich verließ den goldigen Schauplatz und machte noch ein Foto von der Schrift an der Tür.

Video:
Sternsinger aus der Diözese Eichstätt im Schloss Bellevue

Sonntag, 24. September 2017

Erlebt in Potsdam

Die junge Gemeinde im Südosten von Potsdam sollte man einmal erlebt haben. "erlebt - Kirche für Potsdam" ist wie "Brücke Berlin" ein Gründungsprojekt unter dem Dach des Baptismus. Heute nutzte ich die Nähe meiner Reha-Klinik in Teltow, um den Gottesdienst bei "erlebt" zu erleben.



258 PS gleiten über die herbstlichen Straßen von Teltow-Fläming. Buntes Laub am Straßenrand, Nieselregen benetzt die Frontscheibe. LIMIT verhindert das obligatorische Blitzerfoto im Land Brandenburg. Untermalt wird das Ganze durch Anbetungsmusik von Michael W. Smith. Schon fast zu entspannend für eine Strecke, die ich noch nie gefahren bin.

K2 im Kuckucksruf 9

Nach einer halben Stunde habe ich das K2 im Kuckucksruf 9 erreicht. Immer noch erstaunt, dass mein Navi solch eine abenteuerliche Straße in einem gut bewaldeten Neubaugebiet überhaupt kennt. Ich parke in einer Nebenstraße und gehe zum einladenden flachen Gebäudekomplex des K2. Draußen begrüßt mich ein alter Bekannter. Ein Ex-Mitglied meiner Ex-Gemeinde, der mit seiner Frau bei erlebt eine neue geistliche Heimat gefunden hat.

Vor dem Flachbau stehen Leute um die 30, reden miteinander, lassen sich vom Regen berieseln und begrüßen mich sehr freundlich. Ab und zu huscht ein Kind an uns vorbei. Im Vorraum gibt es Kaffee und Kuchen und weitere Herausforderungen an mein Namensgedächtnis: Felix, Christoph, Tobias, Manuel, Christiane sind Namen, die ich mir auf die Schnelle merken kann. Ich baue Eselsbrücken und trainiere das Gelernte.

Herzlich Willkommen!

Mir wird eine Tüte in die Hand gedrückt: "Herzlich Willkommen! Schön, dass du da bist!!! JETZT ÖFFNEN", steht darauf. In der Tüte finde ich eine Beschreibung von erlebt, die fast identisch mit der Webseite ist und eine Gebrauchsanweisung für den Gottesdienst. Willkommenskultur wird bei erlebt groß geschrieben.

Der Gottesdienst beginnt fast pünktlich um 11 und startet nach einer kurzen Einleitung mit einigen flotten Lobpreisliedern. In unbekannte Lieder findet sich der Besucher schnell hinein. Im angemieteten Saal zähle ich etwa 50 Erwachsene: Altersdurchschnitt 35. Die Kinder werden vor der Predigt mit einem Bilderrätsel verabschiedet. Dann wird der Predigttext gelesen.

3 Sonntage, 3 Predigten, 3 Pastoren

Schon den dritten Sonntag geht es um Lukas 4 - die Versuchung von Jesus. Der Personalschlüssel von erlebt ist bemerkenswert: ein echter Pastor und zwei Azubi-Pastoren wechseln sich beim Predigen ab. Heute ist der Dritte von ihnen mit der dritten Versuchung dran. Das heißt, er predigt darüber. Immer wieder werden Beispiele aus dem persönlichen Erleben eingeflochten, so dass der Alltagsbezug des zukünftigen Berufs-Christen gesichert scheint. Die Predigt ist komplett ausformuliert, wird aber relativ frei vorgetragen. Er zitiert auch seine Vorredner in einer Weise, dass der Gast nicht den thematischen Anschluss verliert.

Nach der Predigt folgen weitere Lieder und das Abendmahl. Endlich mal wieder Abendmahl! Das erlebe ich viel zu selten. Bei erlebt kann ich es heute wieder erleben und freue mich sehr. Parallel wird Gebet angeboten. Eine Geste des Gitarristen suggeriert mir das plötzliche Ende des Gottesdienstes. Meine Nachbarin deutet an, dass noch der übliche Abspann komme. Tatsächlich folgen die Ansagen. Verschüchtert wird eine liebevoll gestaltete Spendenbox von hinten nach vorne durch die Reihen geschoben. Es folgt der Segen.

Mit Puls 100 nach Teltow

Beim Blick auf die Handy-Uhr sehe ich "6 Nachrichten in 2 Chats". Meine Familie inklusive Omas will mich heute in der Reha-Klinik in Teltow besuchen. Es ist schon halb eins. Ich rede noch kurz mit dem echten Pastor, verabschiede mich von meinen Bekannten und hetze zum Auto.

Handy raus. Meine Frau ist nicht erreichbar. Puls steigt. Baustellen und nicht beschilderte Umleitungen treiben den Puls weiter hoch. Die Zeit läuft. Puls steigt. 13:29 Uhr stelle ich den Wagen vor der Klinik ab und stürze in den Essenssaal. Es wird gerade aufgeräumt. "Sauerbraten ist alle, aber wir haben noch Cordon bleu", sagt mir die Dame im weißen Kittel. OK, passt zwar nicht zum Diätplan, ist aber lecker. Auf dem Zimmer messe ich den Puls: 100.

Mittwoch, 19. Juli 2017

William und Kate besuchen das Kinderhaus Bolle in Marzahn

Während das Image von Marzahn zurzeit durch die Presse demontiert wird, war es heute Anlaufpunkt für die Sympathieträger der Monarchie: William und Kate. Sie besuchten das Kinderhaus Bolle.



Als wir über den Film "Spuk unterm Riesenrad" redeten, warfen unsere Freunde ein: "Wir hatten letztens mal wieder ein Video über Marzahn kurz nach der Wende gesehen". Überall brauner, roter, grauer Waschbeton, schlammige Straßen und Grün im Anfangsstadium.

Wandel und dessen Akzeptanz

Mit dem Wechsel ins neue Jahrtausend war ein deutlicher Wandel der Atmosphäre in Marzahn zu spüren. Die Häuser wurden bunter, die Freiflächen grüner, die Bäume höher, die Menschen entspannter. Es kamen verschiedene Missionsteams nach Marzahn, bei denen sich insbesondere die Frauen schwer taten mit dieser Wohngegend. Der familiäre Kompromiss war dann das Haus am Stadtrand oder die Wohnung in einer Neubau-Enklave hinter der mentalen Grenze zur Plattenbau-Siedlung, dem Blumberger Damm südlich der Landsberger Allee.

Die allseits beliebten Gärten der Welt liegen ebenfalls in diesem Planquadrat. Dort findet zurzeit die IGA 2017 statt. Dass die Besucherzahlen von einer Million bis zur Halbzeit nicht erreich wurden, liefert Futter für die tendenziöse Berichterstattung. Brauchst du einen Bericht über soziale Problemfälle? Geh nach Marzahn/Hellersdorf!

Dass selbst Stadtteile wie die Bronx in New York eine positive Wandlung erfahren können, durfte ich im letzten Jahr erleben. Etwa zehn Jahre hatte es gedauert, das Klima dort zu verändern. Viel Gebet, die Entstehung neuer Gemeinden und das damit verbundene Umdenken der bislang trostlosen Menschen.

William Kate Kinderhaus Bolle Marzahn
Kinder beim Fußball im Kinderhaus Bolle in Marzahn
Hidden Champion

Marzahn verfügt über eine sagenhafte Infrastruktur, hat eine gute Autobahnanbindung, ausgedehnte Grünflächen und bemerkenswerte Einfamilienhaus-Siedlungen. Viele Autos vor unserem Hochhaus sind schwarz und liegen im Neupreissegment oberhalb der 50.000 Euro. Im Umkreis von 800 Metern stehen hier fünf neue BMW 7er, S-Klassen und große Audis. Was die Presse nicht wahrhaben will, wissen Autodiebe schon lange.

Gefälle

Dennoch gibt es in Marzahn/Hellersdorf ein starkes Nord-Süd- und Ost-West-Gefälle. Anna aus Biesdorf distanziert sich von Chantal aus Marzahn/Nord oder von Igor aus Ahrensfelde. Wobei das sich anschließende Dorf Ahrensfelde wieder gut situiert ist. Ein Marzahner will auf gar keinen Fall als Hellersdorfer gelten. Solche Dinge kennt man auch aus dem Konflikt zwischen Berlin und Spandau.

Die Arche in Hellersdorf und das Kinderhaus Bolle haben also ihre Berechtigung. Beide Häuser sind voll mit Kindern, deren Eltern lieber andere Dinge tun oder kein Geld für eine warme Mahlzeit haben. Bolle-Chef Eckhard Baumann ist eine gewisse Zeit bei der Arche mitgelaufen und versteht sich auf die Regeln des Fund Raisings. Die Arche und Bolle sind originär christliche Einrichtungen. Versuche, die Kinder und Jugendlichen in Gemeinden zu integrieren, waren jedoch selten von Erfolg gekrönt. Dennoch kennen sie die Basics von Gottes Liebe, Jesus, Vergebung und anderen geistlichen Tatsachen. Das lernen sie spielerisch an den Nachmittagen oder auf den gemeinsamen Freizeiten.

William Kate Kinderhaus Bolle Marzahn
William und Kate besuchen das Kinderhaus Bolle in Marzahn
Eckhard Baumann mit Krawatte und Bundesverdienstkreuz

Beim Besuch des Prinzenpaares trug Eckhard Baumann Anzug, Krawatte und die Bandschnalle des Bundesverdienstkreuzes. Diese Optik ist seine Zielgruppe nicht gewohnt. Dennoch wurde er voll akzeptiert, als er mit dem Megaphone das Fußballspiel beendete und zum Gruppenfoto mit William und Kate aufrief.

Die Besucher von der Insel inklusive Botschafter und Bürgermeister Müller waren etwa 40 Minuten vor Ort. Auf der Hohensaatener Straße waren sogar Lieferwagen wegen des Parkverbotes umgesetzt worden. So konnten die Eltern und Schaulustigen aus Marzahn der Ankunft um 15:20 Uhr beiwohnen. Ich hatte schon über eine Stunde im Garten hinter dem Haus ausgeharrt.

15:36 bis 15:51 Uhr im Garten

15:36 Uhr traten sie aus dem Haus. Jubel, Fähnchen und dann das Bad in der Masse. Die Fotografen neben mir ließen die Kameras sinken. Kate war nicht mehr zu sehen. Nur Rücken und Kate-Doubles mit blauen Kleidern. Die Traube bewegte sich zum Stand der Robert-Enke-Stiftung. Kate war verdeckt. Niemand bemerkte, dass William noch an der Treppe stehen geblieben war und mit zwei Leuten redete: Völlig frei zum Fotografieren. Dann verschwand auch er in der Menschentraube am Robert-Enke-Zelt. Diesmal verdeckt durch die Rücken der britischen Presse. "Tolle Aufnahmen!", wie der Pressefotograf zu sagen pflegt. William und Kate hatten jedenfalls keine Berührungsängste mit den Kindern aus Marzahn.

Dann bekam Kate einen Rosenstrauß überreicht, den sie lächelnd annahm und kurz darauf einer Bediensteten weiterreichte. Dann das oben erwähnte Gruppenfoto und kurz darauf der Abgang. Die Viertelstunde hinter dem Haus war somit in folgende Abschnitte gegliedert: Menschentraube an der Treppe 5 Minuten, Menschentraube unter dem Robert-Enke-Zelt 7 Minuten, Blumenstrauß mit Gruppenfoto und Abgang 3 Minuten. Alles exakt geplant, zumindest was die insgesamt 15 Minuten im Garten von Bolle betrifft.

Zurück in die City

William und Kate mussten wieder zurück in die City. Ab 16:35 Uhr stand ein Gesprächstermin mit dem Bundespräsidenten auf dem Programm. Da ich dazu auch angemeldet war, raste ich hinterher. Als ich ohne Blaulicht dort eintraf, kamen die Kollegen mit ihren Kameras bereits wieder heraus. Zu spät.

Sonntag, 25. Juni 2017

Kreuzkirche Lankwitz

Die Kreuzkirche Lankwitz ist eine gesunde Gemeinde für alle Generationen mit einem guten Ruf über den Süden Berlins hinaus. Heute besuchten wir den Vormittags-Gottesdienst.



Ob bei Mavuno, den Nazarenern oder beim Kneipengottesdienst in Lankwitz - immer ist von der Kreuzkirche die Rede. Ein guter Ruf eilt ihr voraus. Aber Lankwitz? 10 Uhr? Einmal quer durch die Stadt mitten in der Nacht?

Ich hatte meine eigenen Vorstellungen von der Kreuzkirche: Großer roter Backsteinbau mit Kirchturm und überdimensioniertem Kirchenschiff. Als wir mit methodistischer Pünktlichkeit 15 Minuten vor Beginn in die sehr enge Zietenstraße einbogen, wurde ich eines Besseren belehrt. Die Kreuzkirche befindet sich auf dem Areal eines ehemaligen Dachdecker-Betriebes und nutzt einen flachen Gebäudekomplex, der in der Tat dunkelrot ist. Aber weder ein Kirchturm noch der erwartete Sakralbau.

Alleinstellungsmerkmal: Jugendgruppe

Wir wurden sehr freundlich begrüßt und betraten einen Raum, der etwa 400 Besucher fasst. Bühne und Taufbecken befanden sich an der Längsseite des Saales. Dadurch hatten die Besucher von allen Seiten einen guten Blick auf das Geschehen.

Uns fiel die breite Altersdurchmischung auf. Ein Alleinstellungsmerkmal der Kreuzkirche ist wohl, dass es hier eine Jugendgruppe gibt, offensichtlich sogar eine große. Dieser Altersbereich fehlt in vielen Gemeinden der Stadt oder ist so versippt, dass eine externe Erweiterung kaum möglich ist. Dann wurde ich Zeuge, wie unsere Kinder angesprochen und zum parallelen Jugend-Gottesdienst eingeladen wurden. Alles ohne Druck und sehr charmant. Sie wollten aber lieber bei uns bleiben.

Klassik und Moderne

Wir entdeckten erstaunlich viele Bekannte: Team.F, Internetmission, Leute aus unseren früheren Gemeinden. Die Atmosphäre, der Umgang der Besucher miteinander und das Altersspektrum vermittelten einen sehr gesunden Eindruck.

Der Gottesdienst enthielt traditionelle und moderne Elemente. Klassisches Orgelspiel und Lobpreis mit Schlagzeug wechselten sich ab. Wegen einer Konferenz bekamen wir gleich noch die neuesten Informationen aus dem Methodismus vermittelt. So wussten wir bisher nicht, dass die Pastoren wohl jedes Jahr wie Russisch Roulette verteilt werden und die Gemeinde regelmäßig aufatmet, wenn die zweieinhalb Pastoren noch ein Jahr bleiben dürfen. Das wäre mir zu aufregend.

Heute ist dieses Wort vor euren Ohren erfüllt.

Nach wenigen Liedern, der Kollekte und den Ansagen ging es relativ schnell zur Predigt über. Es ging um einen meiner Lieblingstexte aus Lukas 4: Jesus liest in der Synagoge von Nazareth aus Jesaja vor, setzt sich, alle gucken und "Heute ist dieses Wort vor euren Ohren erfüllt". Ein genialer Text mit erheblicher Tiefe. Pastor Frank Drutkowski stellte drei Fragen, die er in etwa vierzig Minuten entfaltete. Wir waren zu sechst erschienen. Bei der anschließenden Reflexion stellten wir erfreut fest, dass die Aufmerksamkeit bei jedem von uns an einer anderen Stelle ausgesetzt hatte. Dadurch konnten wir das Gesagte gemeinsam vervollständigen. Mich hatte insbesondere der Teil mit "Das ist doch Josefs Sohn?!" und der Entwicklung von Jesus als Kind zu Jesus als dem Gesalbten Gottes angesprochen.

Lobpreis, Kaffee und Kontakte

Nach der Predigt gab es noch ein Sahnehäubchen: Lobpreis mit bekannten Liedern und zwei Sängern in Personalunion mit Keyboarder und Drummer. Mal wieder eine der wenigen Lobpreiszeiten, in denen sich Gänsehaut über meine Arme breitete. Ich war fasziniert, wie nur zwei Musiker mit nur zwei Instrumenten solch eine Klangfülle in den Saal gießen konnten.

Nach Vaterunser und Segen versorgten wir uns mit Kaffee und tauchten in die Konversation mit den oben erwähnten Bekannten ein. Mehrfach wurde uns berichtet, dass es bei der Kreuzkirche sehr kompetente Seelsorge gäbe. Insgesamt alles sehr herzlich, hell und freundlich. Auch die Kaffee-Logistik funktionierte wie ein Schweizer Uhrwerk. Letztlich mussten wir uns von der Gemeinde losreißen und fühlten uns dabei ein wenig wie Paulus in Apostelgeschichte 20.

Auf dem Rückweg kamen wir an der EFG (Baptisten) und ICF Tempelhof vorbei. Dann ging es auf die Stadtautobahn. Die vielen Baustellen in der City wollten wir uns nicht antun. Zum Mittag gab es Eierkuchen und einen regen Austausch über die äußerst positiven Erfahrungen in der Kreuzkirche Lankwitz.

Sonntag, 23. April 2017

Saddleback Berlin mit Taufe und Live-Predigt

Heute war ein besonderer Sonntag bei "Saddleback". Mit baptistischen Wurzeln sind regelmäßige Taufen schon fast ein Muss. Ergänzend dazu wurde heute auch noch live gepredigt. Buddy Owens, der Mentor von Pastor Dave Schnitter, war aus Kalifornien angereist, so dass auf die übliche Video-Predigt verzichtet wurde.



Bereits gegen 8:30 Uhr hatte "a couple of guys" das Taufbecken im Hof der Kalkscheune aufgebaut. Eine Gartenplansche von 2,6 x 1,6 x 0,65 Metern und einem Fassungsvermögen von 2.700 Litern Wasser. Egal, Hauptsache ein Wasserstand, der ein komplettes Untertauchen als Symbolhandlung gemäß Kolosser 2, 12 und Römer 6, 3-4 ermöglicht. Der zeitgenössische Baptismus kann sogar den gesamten Akt der Taufe per Video festhalten. Dazu reicht eine der beliebten Action-Kameras oder ein wasserdichtes Smartphone.

Gottesdienst in der Kalkscheune

Als wir gegen zehn bei Saddleback eintrafen, plätscherte das Wasser ins Taufbecken. Wenige Stunden zuvor war meine Frau mit ihren Freundinnen an dieser Stelle noch von einem Dance Floor zum nächsten geschwebt. Dave Schnitter begutachtete das Wasser und eilte dann in den zweiten Stock, um die Gottesdienstbesucher zu begrüßen.

Als der Countdown endete und die ersten Gitarrenklänge von der Bühne schallten, war es noch sehr leer im Saal. Nirgends konnte ich Buddy Owens entdecken und fragte mich, ob heute flexibel umdisponiert werde. Aber der Raum füllte sich und füllte sich und zum Ende der Lobpreiszeit erspähte ich den heutigen Redner ganz hinten in der Ecke. Er beobachtete von dort aus den europäischen Ableger der amerikanischen Muttergemeinde, die mit 20.000 Gottesdienstbesuchern als "Mega Church" bezeichnet wird. Die Bezeichnung "Groß-Mutter" könnte hingegen zu Verwechslungen führen.

Buddy und Matthäus

Buddy Owens justierte sein kleines Mikrophon am Hemdskragen und legte los. Er redete über "die skandalöse Liebe Gottes" und hangelte sich dabei an diversen Bibelstellen entlang. Den Zuhörern stand wie üblich ein Begleitzettel für Notizen zur Verfügung. Es ging um Matthäus, der das Matthäus-Evangelium geschrieben hatte. Als Zollbeamter wurde er von den Leuten seines eigenen Volkes gemieden und die Römer mochten ihn nicht, da er kein Römer war. Matthäus saß also zwischen den Stühlen und hatte lediglich sein Geld und Freunde mit ähnlichen gesellschaftlichen Kennziffern. Den Juden galt er als "unrein" und hatte damit keinen offiziellen Zugang mehr zu Gott.

Jesus ist für sein unkonventionelles Vorgehen bekannt. In Matthäus 9 Vers 9 kommt er am Zollhaus vorbei, schickt einen seiner Schüler los und lässt dem Beamten ausrichten: "Wenn du alles richtig machst und dich ordentlich anstrengst, können wir mal über eine Begegnung reden". Nein, so war das nicht. Der Text beschreibt das folgendermaßen: "Und Jesus sah einen Mann im Zollhaus sitzen, der Matthäus hieß, und sagte zu ihm: Laufe hinter mir her". Solch eine Ansprache war völlig unerwartet und neu für Matthäus.

Blickwinkel

Neu für mich war die Interpretation von Matthäus 13, wo es um die kostbare Perle und den Schatz im Acker geht. Seit meiner Kindergottesdienstzeit hatte ich verinnerlicht, dass der Kaufmann ein Mensch ist, der endlich zu Jesus, also der kostbaren Perle findet und dann alles andere dafür aufgibt, um diese Perle zu bekommen. Buddy Owens wechselte die Blickrichtung und setzte Jesus an die Stelle des Kaufmanns. Jesus, der mit seinem Leben dafür bezahlte, dass er mich gewinnen kann. Sagenhaft. Eine Sicht, die auch auf den Schatz im Acker adaptierbar ist und viel logischer klingt als die bisherige Interpretation.

Kaffee am Pool

Nach dem Gottesdienst sollten wir uns alle noch Kaffee holen und in den Hof gehen. Dave Schnitter hatte Shorts und ein dunkelblaues Tauf-Shirt, ein T-Shirt sozusagen, angezogen. Auch Buddy Owens war so gekleidet, trug aber keine Schuhe. Er zitterte, trug die Unterkühlung jedoch mit Fassung. Es wurde noch einmal heißes Wasser in den Pool gegossen und dann konnte es losgehen. Der Hof der Kalkscheune war jetzt mit Menschen sämtlicher Nationalitäten und Altersgruppen gefüllt, die mit Smartphones und Kaffeebechern dem Geschehen beiwohnten. Spontan entschied sich noch eine weitere Frau zur Taufe, so dass es insgesamt sieben Unterwasseraufnahmen mit der GoPro geben konnte.

Sieben Taufen

Dave erklärte kurz den Sinn der Taufe anhand der oben zitierten Bibelstellen. "It's a symbol", sagte er und wie auf Knopfdruck ging ein Platzregen auf die Sonnensegel im Innenhof nieder. Dieser wurde immer stärker und endete in einem Hagel. Die Sonnensegel schützten jedoch die Gemeinde, so dass nach einer kurzen aber würdigen Beachtung des Zeichens vom Himmel die Zeremonie fortgesetzt werden konnte. Buddy und Dave stiegen ins Planschbecken und tauchten alle sieben Personen nacheinander komplett unter. 2,6 x 1,6 Meter waren ein durchaus geeignetes Maß dafür. Mit Applaus und Ausrufen der Begeisterung begrüßte die Gemeinde die "auferstandenen" Familienmitglieder.

Dreieinhalb Grad

Während sich die Getauften abtrockneten, traten wir den Heimweg an. Da es immer noch regnete und sich große Pfützen am Straßenrand gesammelt hatten, führte ich meiner Familie das sogenannte "Drive By Baptism" vor. Es fanden sich allerdings keine Interessenten. Kurz vor der Haustür merkte ich beim Bremsen ein gewisses Aquaplaning. "Ja, meine Sommerräder rutschen auch öfter mal bei den aktuellen Temperaturen", sagte meine Frau. Ich schaute aufs Thermometer: 3,5 °C.

Sonntag, 12. März 2017

Equippers Berlin

Die "Equippers" möchten laut ihrer Webseite "Menschen durch den Glauben an Jesus Christus für das Leben ausrüsten". Heute besuchten wir die "Ausrüster", neudeutsch "Equippers", in der Blissestraße.



Equipment ist immer gut. Bands beschäftigen Rowdies zum Verlagern ihres Equipmets. Seminarleiter haben Equipment in Form von Laserpointern dabei. Überlebenstrainer führen als Equipment ein Zelt mit. Designer klappen frutarische Notebooks als kompetenzstärkendes Equipment auf. Handelsvertreter nach HGB §84 haben Kugelschreiber als Equipment im Sakko. Pastoren legen Bibeln als berufstypisches Equipment auf dem Bühnenequipment ab.

City-Gemeinde im Geschäftshaus

Das erste Equipment, das uns auf die Ausrüster in der Blissestraße hinwies, war eine rote Strandflagge, im Katalog "Beachflag" genannt, mit der Aufschrift "Equippers". Diese war auch mit Gleitsichtbrille besser als die Hausnummer 2 zu erkennen. Direkt hinter dem Eingang war das Haus mit einem Elevator, zu deutsch Fahrstuhl, equippt, so dass der Aufstieg in die vierte Etage des Geschäftshauses für Besucher jeden Alters erleichtert wurde.

Vor dem Fahrstuhl stand ein mit rotem Badge ausgerüsteter Mitarbeiter und lotste die Gäste zum Gottesdienst. Die Willkommenskultur war beispielhaft. Von mehreren Leuten wurden wir proaktiv begrüßt und gefragt, ob wir das erste Mal zu Gast seien. Man empfahl uns die Ausrüstung mit einem Kaffee und wünschte uns eine gute Zeit im Dachgeschoss gegenüber des ehemaligen Domizils der Philippinischen Botschaft.

Echte Band

Wenn eine Lobpreisband die Bezeichnung Band verdient, dann die Band der Equippers. Unmittelbar nach pünktlichem Ablauf des Countdowns rockten sie los. Neben zwei Sängerinnen und einem Sänger waren vier weitere Musiker aktiv, die die Equipments E-Gitarre, Bass-Gitarre, Konzertgitarre, Keyboard und Schlagzeug bedienten. Es wurde weitestgehend deutsch gesungen, wobei ich keines der Lieder kannte.

Pastor Jürgen Eisen begrüßte die Gemeinde und übergab den Predigtteil an zwei Mittzwanziger, die gerade in der Pastorenausbildung stehen. Für Daniel und Elisa wurde zunächst eine große Leiter auf der Bühne platziert. Ein spannendes Equipment, mit dem man auch den Beamer oder die Spots an der Decke hätte reparieren können.

Leiterschaft mit Daniel, Elisa und Ruth

Mit Daniel und Elisa waren nicht zwei meiner Lieblingspropheten aus dem Alten Testamentes gemeint, sondern zwei frische Theologiestudenten. Sie predigten über das Buch Ruth mit dem besonderen Fokus auf Entscheidungen. Entscheidungen, die gravierende Konsequenzen haben können und aus Logik oder aus dem Herzen heraus getroffen werden. Von Ruth wissen wir, dass ihre Entscheidung als richtig reüssiert hatte. Ihre Schwägerin hatte sich für die logische und bodenständige Variante entschieden und war damit aus der biblischen Berichterstattung verschwunden.

Trotz ihres zarten Alters schöpften die beiden Referenten aus ihrem persönlichen Erleben in Bezug auf Entscheidungen und brachten das Thema anhand mehrerer Verse des Ruth-Buches didaktisch gut auf den Punkt. Während Daniel mutig die Stufen der Aluleiter erklomm, ersparte sich Elisa diesen sportlichen Akt. Sie hat als Frau schon genug Herausforderungen in ihrem Seminar, das traditionell eher von Männern frequentiert wird.

Gebet und Entscheidung

Zum Ausklang der Predigt ging es ans Eingemachte. Ein Aufruf zum Gebet und die Frage in die Runde, wer denn aktuell vor wichtigen Entscheidungen stehe. Man wolle konkret für die Person und das Anliegen beten. Die Karten mit der Aufschrift "GEBET" waren mir schon am Infotisch aufgefallen. Dass Gebet groß geschrieben ist, merkten wir an vielen Stellen des Gottesdienstes. Praktische Ausrüstung für den Alltag als Christ.

Am Ende sprach uns Jürgen Eisen an und ließ uns vom Equipment zur Nostalgie umschwenken. Mit Jürgen Eisen hatte ich vor knapp dreißig Jahren im Rahmen der Jugendleitung zu tun. Letzte Woche waren wir im Süden Berlins unterwegs und kamen dabei an seiner alten Heimat vorbei. Witzig, dass wir ihn ausgerechnet wenige Tage später als Pastor einer City-Gemeinde treffen. Hintergrund der Equippers ist der BFP Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden, dem auch die ChristusKirche in Mitte angehört.

Gemeinde sucht Raum

Etwa 150 Gottesdienstbesucher hatten wir gezählt. Der Raum war randvoll und bot keine wirklichen Erweiterungsmöglichkeiten. Wie wir erfuhren, gehören der Gemeinde jedoch knapp doppelt so viele Menschen an, die sich in Gesamtheit gelegentlich Open Air oder in einem eigens dafür angemieteten Kinosaal treffen. Den Altersdurchschnitt schätzen wir auf Mitte dreißig. Jürgen Eisen sagte uns, dass die Gemeinde aktiv nach größeren Räumen suche.

Bei Verlassen der Location wässerte ein Familienmitglied noch das Equipment eines Mitarbeiters mit dem Tee meiner Tochter. Angebissener Apfel und Feuchtigkeit konnten durch den exzessiven Einsatz von Papier bereinigt werden. Auch in dieser Hinsicht war die Gemeinde gut ausgerüstet.

Nostalgie

Anschließend kehrten wir zu sechst bei einem Vietnamesen in der Berliner Straße ein und tauschten uns über den Gottesdienst aus. Neben Jürgen Eisen gab es weitere nostalgische Punkte. Bei Stempel-Kaiser in der Brandenburgischen Straße hatte meine Frau als Schülerin ihr Taschengeld aufgebessert und in der benachbarten Auenkirche hatten wir vor zweiundzwanzig Jahren unsere Hochzeit gefeiert.

Sonntag, 26. Februar 2017

mittendrin Potsdam

Die neue und stetig wachsende Gemeinde "mittendrin" liegt tatsächlich mittendrin, nämlich mitten im Zentrum von Potsdam. Wegen einer Empfehlung besuchten wir heute den Gottesdienst inmitten der brandenburgischen Landeshauptstadt.



Während mein Großonkel viele Gemälde mit Potsdam-Motiven geschaffen hat und mein Vater unzählige Potsdam-Bucher hinterlassen hat, kann ich die Affinität zu dieser Stadt bisher nicht nachvollziehen. Auch Heerscharen chinesischer Touristen frequentieren den Ort und erfreuen sich an den Parks und Schlössern. Potsdam dient ferner als Domizil für Promis und Politiker an der verkehrstechnisch gut angebundenen Peripherie der Bundeshauptstadt.

Mittendrin

Im Zentrum der Stadt trifft sich "mittendrin" zum Gottesdienst. Um die Schwelle für Gäste möglichst niedrig zu halten, wurde das Kabarett Obelisk als Location gewählt.

Parkplätze stehen in der Charlottenstraße reichlich zur Verfügung und spielen der Stadtkasse ambitionierte Stundensätze von zwei Euro ein. Das betrifft auch den weiteren Umkreis, so dass man gleich vor der Tür parken und drei Euro für die neunzig Minuten der Kernzeit des Gottesdienstes bereit halten kann.

Gelebte Willkommenskultur

Bereits am Eingang wurden wir mehrfach freundlich begrüßt und auf den Kaffeestand hingewiesen. Meine Kinder entdeckten sofort das Tablett mit den Keksen. Die sehr natürliche Willkommenskultur war angenehm und scheint zum Charakter dieser noch sehr jungen Gemeinde mit FEG-Hintergrund zu gehören. Uns wurden zwölfseitige Heftchen mit Ablauf, Predigttext, Liedtexten und weiteren Informationen in die Hand gedrückt.

Freundlich grüßend begaben wir uns in eine der hinteren Sitzreihen. Die Stühle ähnelten den Klappsesseln von Filmschaffenden und waren auf den Rückseiten mit den Namen ihrer Sponsoren beschriftet. Das verwaschene Gelb der Stühle passte sehr gut zum sonstigen Blau des Raumes. Der Saal war so beleuchtet, dass der Blick automatisch zur kleinen Bühne wanderte. Es herrschte eine gemütliche Atmosphäre.

Punkt elf mit Kontrabass

Punkt elf Uhr begann der Gottesdienst mit einer Begrüßung und der Anbetungszeit. Nur noch wenige der 150 Plätze waren frei, so dass einige Nachzügler am Rand stehen blieben. Der Altersdurchschnitt muss bei Mitte dreißig gelegen haben. Auch bei der Moderation wurde sehr darauf geachtet, Erstbesucher gedanklich mitzunehmen. Das war uns in dieser Form bei den bisher besuchten Gemeinden, inzwischen über siebzig in zwanzig Monaten, selten aufgefallen.

Es gab weitere Alleinstellungsmerkmale wie das Singen aus dem Heftchen statt über Leinwand, obwohl das bei dem gedimmten Licht schon hart an der Grenze des Machbaren war. Ich justierte unentwegt meine Gleitsichtbrille. Direkt neben mir hing zwar ein roter Schalter von der Decke, aber ich traute mich nicht, diese akzentuierende Lesehilfe der Spots einzuschalten.

Die Lobpreisband beeindruckte insbesondere die Kinder. Cajón, zwei Konzertgitarren, ein Kontrabass, ein Klavier und zwei Sängerinnen animierten zum Singen neuer und älterer Lieder. Ein besonderer Genuss war die zeitgemäße Interpretation von "Schönster Herr Jesu".

Sportliche Predigt

In der Predigt von Steffen Weil ging es um zwei Texte aus dem zweiten Korinther-Brief. Der Text war in den Heftchen abgedruckt und bot auf der Nachbarseite Platz für Notizen. Das erinnerte uns an Saddleback. Steffen Weil berichtete von seinen Trainingserfahrungen. Training tut weh, Heilungsprozesse können weh tun, Änderung kann weh tun, aber das Ziel sei doch, dass dadurch Heilung, Optimierung oder positive Weiterentwicklung erreicht wird.

Die Predigt zeigte uns, dass der Pastor eine authentische Persönlichkeit ist, die voll im Leben steht und die Bedürfnisse seiner Gemeindeleute nachempfinden kann. Entsprechend nah am Alltag waren die Beispiele und konkreten Bezüge zum eigenen Glaubensleben. Einen Kollegen ohne christliche Vorprägung kann man hier wohl bedenkenlos mitbringen.

Auch bei "mittendrin" gibt es Predigtreihen. Die aktuelle Serie beschäftigt sich mit der "verändernden Kraft des Evangeliums". Auf der Bühne stand ein Flipchart mit einer Grafik, wie man sie aus dem GPK von CFC, also dem "Gott persönlich kennenlernen" von Campus für Christus, kennt. Darauf nahm der Referent zwar heute Bezug, malte daran aber nicht weiter.

Abendmahl mit Duftnote

Von einem Plakat aus verfolgte Friedrich II den Gottesdienst. Er war teilweise von einem Glas Bier verdeckt. Nach der Predigt wurde er von vielen der Anwesenden verdeckt, da sie sich zum Abendmahl anstellten. Es gab Ciabatta und roten Traubensaft, kein REX PILS.

Am Eingang hatten wir Kaffeebohnen bekommen, die wir im Rahmen des Abendmahls zum Einsatz bringen sollten. Im Predigttext aus 2. Kor. 2,14-16 ging es unter anderem um einen guten Geruch. Die fast 150 verteilten Kaffeebohnen hatten einen gewissen Einfluss auf das Raumklima. Nun sollten sie in einem Terrarium mit 172.000 Erbsen vermengt werden und dort ihre Wirkung entfalten. Mit 172.000 Einwohnern liegt Potsdam bei zwei Dritteln des Berliner Bezirkes Marzahn/Hellersdorf. Die Kinder fragten anschließend, wer die Erbsen denn mit welcher Methode gezählt habe. Meine pragmatische Frau hätte 100 Erbsen gewogen und daraus die Gesamtmenge ermittelt. Ich konnte den Kindern vermitteln, dass es dafür den Beruf des Erbsenzählers gebe.

Zum Abschied wechselten wir noch einige Worte mit Besuchern, fütterten über einen blau-grauen Automaten die Stadtkasse und begaben uns in die nördliche Parallelstraße, die nach dem von hier aus regierten Bundesland benannt ist. Bei paniertem Sushi und Cola ließen wir den Vormittag in Potsdam ausklingen und tauschten uns über den Gottesdienst aus.

Mitten in der Historie

Vor dem Gottesdienst hatten wir noch in der südlichen Parallelstraße zur "mittendrin"-Location angehalten, der Yorkstraße 4/5. Vier mutmaßliche "mittendrin"-Mitglieder waren dabei an uns vorbeigeradelt.

Mittendrin war nämlich auch mein Vater, als sich am 14. April 1945 gegen 22:40 Uhr die Ladeklappen britischer Bomber über dem Zentrum Potsdams öffneten. Sein Opa war Pastor der Baptistengemeinde in der Yorkstraße 4/5. Fluchtbedingt war ein großer Teil der Familie nach Potsdam gekommen und wohnte im Gemeindehaus.

Innerhalb einer halben Stunde wurde das Leben meines Vaters und seines damals vierjährigen Cousins nachhaltig geprägt. Bilder und Gerüche, die bis ins hohe Alter präsent waren. Sein Cousin setzt sich als stadtbekannter Maler für den Wiederaufbau der Garnisonskirche ein, deren Turm in jener Nacht wie eine Fackel abgebrannt war.

Heute erinnert nichts mehr an die damalige Nacht von Samstag auf Sonntag, lediglich einige neuere Häuser, die sich mit einem gewissen Stilbruch in die historischen Fassaden einreihen. Der Gemeinde "mittendrin" ist zu wünschen, dass von ihr ebenfalls eine Wirkung ausgeht, die nachhaltig prägt, und zwar in positiver Hinsicht auf einen gemeinsamen Lebensweg mit Jesus.

Sonntag, 5. Februar 2017

#BICC Berlin International Community Church

Großes Kino im CinemaxX am Potsdamer Platz. Heute hatten wir einen Gottesdienst der BICC Berlin International Community Church besucht. Gäste werden als VIPs über den roten Teppich geleitet.



Der Parkraumbewirtschaftungshinweis "Mo-Sa" rauschte an uns vorbei, als wir der Grünphase zum Potsdamer Platz entgegenrollten. Noch war unklar, ob wir die Tiefgarage nutzen oder eine geeignete Stelle an der Straße finden. Das hatte sich jedoch recht schnell geklärt, da der Potsdamer Platz im Rahmen der Berlinale bereits weiträumig abgesperrt war. So stellten wir das Auto kostenfrei vor dem Dali-Museum am benachbarten Leipziger Platz ab.

Red Carpet

Vor dem Eingang des CinemaxX empfingen uns drei Mitglieder des Welcome-Teams und zeigten uns eine Klapptafel am Fuß einer Treppe. Dort standen zwei weitere Welcome-Mitarbeiter. Auf dem Weg zu unseren Plätzen in Reihe 3 passierten wir etwa sieben Welcome-Stationen. Mit den Worten "First Time" wurden wir übergeben und mit "Welcome" und "How are You" zur nächsten Etappe begleitet. Warum nur dachte ich die ganze Zeit an die Times Square Church in New York? Gäste werden hier als VIPs angesehen, so dass das Welcome-Team heute auch offiziell in Red Carpet Team umbenannt wurde.

Es gab keinen Countdown und kein akademisches Viertel. Dafür begann der Gottesdienst Punkt elf mit einem cineastisch ausgereiften Glaubensbekenntnis von der Leinwand. Professionell ging es weiter mit einer recht großen Lobpreisband und einer Sängerin, die das Publikum zum Mittanzen animierte. Es war nur zu wenig Platz in den Sitzreihen. Wir kannten keines der auf Deutsch und Englisch vorgetragenen Lieder, konnten aber rhythmisch ganz gut mithalten.

Self Supported

Es folgte ein Intro, welches mein Sohn mit "Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau" kommentierte. Statt der Tagesschau trat BICC-Pastor Steve Mack auf, der für ein freudiges Geben der Kollekte warb. Es wurden große dunkle Eimer durch die Reihen gegeben und mit Umschlägen und Scheinen befüllt. Wie wir erfuhren, ist die Gemeinde stolz auf die finanzielle Eigenständigkeit.

Eigenständig ist ein guter Begriff für die Berlin International Community Church. Wir hatten beiläufig von der Existenz einer "Börlin Internäschenell Soundso" gehört, diese aber bisher so gar nicht auf dem Radar, obwohl dieses Paralleluniversum in unmittelbarer Nähe zu Saddleback, Berlinprojekt und Berlin Connect agiert. Google ergänzte dann die Freitextsuche und versorgte uns mit den weiteren Kontaktinformationen. Laut Worship Pastor Andrew Mack, dem Sohn des über vierzig Jahre verheirateten Pastoren-Ehepaares Steve und Karen Mack, treffe sich die Gemeinde an einer "A Location" inmitten von "Five Star Locations" wie dem Grand Hyatt Berlin. Auf Gemeinde Jesu wurde das mit unserem großartigen Gott adaptiert, der der Chef einer großartigen Gemeinde sei. Auf diese gedankliche Verbindung mit der "Five Star Church" an einer "A Location" gab es ein "A-Men" aus dem Publikum.

Wachstum mit Qualitätsanspruch

Auch wenn die Herkunft und konfessionelle Anbindung des ehemaligen Missionsprojektes bisher nicht erschlossen werden konnte, liegt doch ein klar erkennbarer Fokus auf Etablierung und Wachstum. Die Gemeinde unterhält professionelle und personell beachtliche "Children's Ministries". Es wird viel in die Zukunft und das Training von Mitarbeitern und Leitern investiert. Über Kurse werden Christen im Glauben gestärkt und Suchende in eine Beziehung zu Jesus geführt.

Kino 7 ist wohl der größte Raum des CinemaxX am Potsdamer Platz. Heute waren etwa 250 Plätze besetzt. Solch eine Auslastung sehen Kinos normalerweise nur zur Berlinale oder bei Premieren von Star Wars oder James Bond. Die heutigen Besucher waren ethnisch und demografisch stark diversifiziert. Die Hauptsprache des Gottesdienstes war Englisch. Für eine Simultanübersetzung standen Kopfhörer zur Verfügung.

Vision Sunday

Statt einer Predigt erlebten wir eine Podiumsdiskussion der drei oben genannten Pastoren aus der Familie Mack sowie zwei Eingeborenen aus Deutschland, die seit vielen Jahren Teil der Gemeinde sind. Andrew Mack moderierte, die beiden Deutschen erzählten ihre Lebensgeschichte mit einem besonderen Augenmerk auf ihre Entscheidung für Jesus und die Gemeinde. Karen Mack sprach über die Passage der Lichtverbreitung aus der Bergpredigt (Mt 5,14-16) und Steve Mack über "Acceleration". Acceleration kann mit Beschleunigung übersetzt werden. Eine Sache läuft an, aber ist noch nicht in voller Fahrt. Irgendwann jedoch geht es richtig los. Ich musste an die Wildwasserfahrt im Heidepark Soltau denken, wo der Einbaum zunächst gemächlich für das obligatorische Foto durch eine Almhütte gleitet und anschließend ungebremst in das finale Wasserbecken stürzt. An der Leinwand lasen wir: "Vision Sunday". Das erklärte, warum so viel über die eigene "Five Star Church" an der "A Location" geredet wurde.

Texanischer Ausklang

Das Ende des Gottesdienstes erinnerte mich ans Rodeo in Texas. Die Deutsche aus der Diskussionsrunde stand auf und verabschiedete die Gottesdienstbesucher. Kein Gebet, kein Segen, kein Lied, einfach Schluss. Etwas irritiert verließen wir das Kino. Am Ausgang wurden wir vom Welcome Team verabschiedet.

Auf dem Weg zum Parkplatz tauschten wir unsere Eindrücke aus. Frau und Tochter hatten die ergänzenden Informationen zur Wahrnehmung der männlichen Familienmitglieder. Während mein Sohn und ich per Tunnelblick auf die Teilnehmer der Diskussionsrunde geachtet hatten, konnten die Frauen gleichzeitig die Texte auf der Leinwand verfolgen. "Stand doch da", lachten sie die ganze Rückfahrt über unsere Unwissenheit.

Meine Frau war besonders von der Acceleration angesprochen. Gerne hätte ich die Familie simultan in das Gefühl von Acceleration hineingenommen, hatte aber leider nicht die Pole Position an der roten Ampel. Ich holte das in den Kurven nach. Auch beim Chinesen diskutierten wir bei Ente kross und Mangosauce weiter über die Berlin International Community Church.

Freitag, 6. Januar 2017

20*C+M+B+17

20*C+M+B+17 ist in unserer protestantischen Region recht selten zu sehen. In Gegenden mit katholischer Prägung kennt diese Kreideaufschriften wohl jeder.



Als mein Sohn eines Tages vom Religionsunterricht nach Hause kam, klebte er ein Schild mit der Aufschrift "20*C+M+B+13" an die Eingangstür. Stolz erklärte er: "Das heißt Christus mansionem benedicat". Das klang gut und wird normalerweise mit "Christus segne dieses Haus" übersetzt.

Dabei bedeutet "mansio" eher Herberge oder Aufenthaltsort, zumal "manere" (bleiben) im Wortstamm steckt. Das gerne als Segnen übersetzte "benedicere" heißt eigentlich "Gutes reden".

Christus mansionem benedicat

Das Schild sensibilisierte mich für diesen mit Kreide an die Türen oder den Zugangsbereich geschriebenen Text. Er fiel mir vorwiegend in C-geleiteten Ministerien, dem Kanzleramt, dem Konrad-Adenauer-Haus oder dem Schloss Bellevue auf. Auch die Landesvertretung Sachsen war mit diesem Schriftzug versehen. Das erweckte ein gewisses Maß an Sympathie.

Sternsinger

Im letzten Jahr sah ich dann auch erstmalig Fotos von den knuffigen Sternsingern, die nach Berlin gereist waren und die Eingangsbereiche verschiedener Gebäude der Bundesregierung beschriftet hatten. Die Sternsinger verkleiden sich dazu wie die Weisen aus dem Morgenland und tragen mindestens einen goldenen Stern am Holzstab vor sich her. Sie singen Lieder und sammeln Spenden.


20*C+M+B+17 Schloss Bellevue
20*C+M+B+17 an der Eingangstür zum Schloss Bellevue
 
Besucher aus dem Orient

Am sechsten Januar, dem Erscheinungstag des Herrn oder auch Epiphanie genannt, wird der Weisen aus dem Morgenland gedacht. Im Urtext wird sogar von Magiern (griechisch "magoi", lateinisch "magi") geredet, was allerdings nicht so gut ins traditionelle Konzept passt. Die Hebräer sprechen von "Chachamim", was so viel wie "die Weisen" bedeutet. Daraus wurden dann drei Könige mit den Namen Caspar, Melchior und Balthasar gemacht.

In Matthäus 2 werden jedoch weder die Anzahl noch die Namen erwähnt. Lediglich die Geschenke "Gold, Weihrauch und Myrrhen" werden in Mt 2,11 genannt. Diese stellen einen Bezug zur Zahl Drei und den Namen der Besucher aus dem Orient her:

Ceseph ist das hebräische Wort für Geld, Melech das hebräische Wort für König und Beelaschatzar (siehe Daniel 7,1 oder Daniel 8,1) ist ein akkadischer Name, der "Herr, schütze mein Leben" bedeuten soll.

Das C+M+B in der Mitte der Beschriftung könnte also einmal auf die Anfangsbuchstaben der Orientalen und alternativ auf den oben zitierten Segen bezogen werden. Wobei letztere Bedeutung die offizielle ist.

Warum aber stehen der Stern und die Kreuze zwischen den Buchstaben?

Der Stern hinter der Hunderterstelle des Jahres steht für den Stern, dem die Weisen gefolgt waren. In Vers 10 des zweiten Matthäus-Kapitels lesen wir, dass sie den Stern sahen und hoch erfreut wurden. Im Lateinischen wird von "gaudio magno valde" geredet. Dieser Vers begeistert mich jedes Mal aufs Neue.

Die drei Kreuze hinter jedem der drei Buchstaben steht für den Segen "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Ich hätte hier noch die nahe liegende Assoziation zu den drei Kreuzen auf Golgatha gehabt.

20*C+M+B+17

Insgesamt eine schöne Tradition. Ich werde mal mit meinem Sohn reden, ob er uns wieder solch ein Schild bastelt.

Sonntag, 4. Dezember 2016

FEG Chemnitz

Wegen eines runden Geburtstages waren wir an diesem Wochenende im Großraum Chemnitz unterwegs. Auf Empfehlung besuchten wir die wenige Kilometer südlich der City gelegene FEG Chemnitz.



Die Suche nach einem passenden Gottesdienst in Chemnitz begann damit, dass wir uns bei der Heilsarmee, dem Kirchenportal Kirche-Chemnitz.de und weiteren Webseiten umschauten. So wirklich aussagekräftig waren die Webseiten und Informationen jedoch nicht, so dass wir etwas ratlos waren. Erschwerend kamen weitere Parameter hinzu, nämlich dass das Altersspektrum der Besucher zwischen dreizehn und neunundsechzig lag und die Geschmäcker von anglophiler Trendgemeinde bis traditioneller Kirche gingen. Die Heilsarmee wurde mehrheitlich abgelehnt, da der dortige Gottesdienst erst um 16:00 Uhr beginnt. Sogar der Vormittag stand auf der Kippe, da der Besuch einer Tante eingeschoben werden sollte. Schon war ein Fernsehgottesdienst mit Direktübertragung aus Herrnhut im Gespräch.

Mein Halbschwager feierte am Samstag seinen Fünfzigsten. Verlässliche Prognosen über den Restalkoholpegel der am Gottesdienst Interessierten waren dadurch auch nicht möglich. Die angereiste Verwandtschaft wohnte in einer Pension in Rabenstein. Rabenstein liegt westlich von Chemnitz, verfügt über eine Burg und ein Schloss sowie eine imposante Fußgängerbrücke. Wir waren bereits am Freitag angereist und konnten beim samstäglichen Freikratzen der Autoscheiben den Morgennebel, die tief stehende Sonne und den weihnachtlichen Duft des Kaffeehauses unterhalb der rostigen Stahlträgerbrücke genießen. Dann fuhren wir in die Radon-Therme Schlema.

Lutherkirche oder FEG Chemnitz?

Nachdem wir genügend Radon getankt hatten, klingelte das Handy und Frank Heinrich MdB begrüßte uns in seinem Wahlkreis. Er freute sich, dass wir ausgerechnet im heimatlichen Rabenstein übernachten und feiern. Dann gab er uns zwei Gottesdienst-Empfehlungen unter Berücksichtigung der oben geschilderten personellen Herausforderungen: Lutherkirche Chemnitz und FEG Chemnitz.

Der Gottesdienst in der Lutherkirche startet um 9:30 Uhr und der Gottesdienst in der FEG um 10:30 Uhr. Meine Schwiegermutter plädierte für die Lutherkirche, so dass wir die Geburtstagsfeier schon kurz vor elf verließen und ein frühes Aufstehen anpeilten. Erwartungsgemäß zog sich das Frühstück jedoch so lange hin, dass wir flexibel auf FEG Chemnitz umdisponieren mussten.

Wir trafen eine halbe Stunde vor Beginn bei der FEG ein. Das Kirchengebäude ohne Glockenturm steht separat inmitten eines Wohngebietes mit niedrigen sanierten Plattenbauten. Ein großes schlichtes Kreuz markiert das helle Gemeindehaus. Die Klapptafel mit der Gottesdiensteinladung hatten wir übersehen, da wir nicht aus Richtung City gekommen waren.

Schwiegermutter setzt Akzente

Im Gemeindesaal wurden Lobpreislieder geübt und Tüten für eine weihnachtliche Verteilaktion sortiert. Es war noch sehr leer. Meine Schwiegermutter strebte die zweite Reihe an. Solche Momente stärken die Beziehung zwischen angeheirateter Mutter und Schwiegersohn. "Warum sitzen wir so weit vorne? Hier sehen wir doch nicht, wann wir aufstehen müssen", protestierte die Familie. "Ich höre sonst nichts", war das unschlagbare Argument meiner Schwiegermutter. Ich saß schützend neben ihr und unterstützte sie bei der Verteidigung ihrer Position. Allerdings hoffte ich, dass wir keine Stammplätze besetzt hatten.

Pastor Bernard Millard und einige Verantwortliche kamen an uns vorbei und grüßten sehr freundlich. Besonders unterhaltsam war der nicht erwartete Countdown. Jede der fünf Minuten blinkte eine Zahl auf. Dazwischen wurden Informationen zu den WCs, den parallelen Kindergruppen und dem Gemeinschaftsteil eingeblendet. Die verantwortlichen Mitarbeiter wurden wahlweise aus Sicht der Kinder, der Jugendlichen oder des Geschirrspülers dargestellt.

Gottesdienst

Mit der letzten Filmsequenz schritt ein Mitarbeiter an die Kanzel und begrüßte die Gemeinde. Der Raum hatte sich in der letzten halben Stunde gut gefüllt, so dass es um die achtzig Besucher gewesen sein müssen. Die Altersstruktur war sehr gut durchmischt. Es gab viele Kinder und Jugendliche, aber auch Senioren. Das sah gesund und auf Wachstum angelegt aus.

Es folgten Weihnachtslieder und Jugendlieder aus den 1990ern, die wir weitestgehend ohne Blick auf den Text mitsingen konnten. Meine Tochter fand es "cool", dass immer schon der Text der nächsten Strophe eingeblendet war. Das hilft, falls der Techniker einmal abgelenkt ist. Bei der FEG Chemnitz klappte es jedenfalls perfekt.

Beziehung statt Betriebsamkeit

Die Predigt startete mit einem Rückblick auf den vergangenen Sonntag, wo es um Psalm 24 gegangen sei. "Wer ist der König der Ehren?" und "Öffnet die Tore!" ist dort zu lesen. Bernard Millard leitete zu Off 3,20 über: "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an". Es war also immer noch der rote Faden vorhanden. Jesus solle in alle unsere Lebensbereiche eingelassen werden. Um das zu unterstreichen, sprang er zu Off 2,4, wo es um das Schreiben an die Gemeinde in Ephesus geht, die die erste Liebe mit gemeindlicher Betriebsamkeit vertauscht hatte. Ergänzend hätte noch Off 3,1 zitiert werden können, worin zur Gemeinde Sardis gesagt wird: "Ich kenne deine Werke. Du hast den Ruf, lebendig zu sein, aber du bist tot". Statt dessen leitete er zu Joh 21 über, wo es ebenfalls um die Liebe bzw. die Beziehung zu Jesus geht.

Dank einer Bibel-App konnte ich recht schnell die sämtlichen Stellen aufrufen und nachlesen. Zusammengefasst ging es darum, die persönliche Beziehung zu Jesus zu intensivieren und sich nicht durch andere Dinge inklusive innergemeindlicher Betriebsamkeit ablenken zu lassen. Die Predigt stieß auf familiäres Wohlwollen.

Ich wunderte mich nur, warum die dunkelbraune Holzkanzel so sehr in die Ecke des Altarbereiches gestellt war. Sollte das eine besondere Art der Demut demonstrieren, oder war das ein ungeplanter Nebeneffekt der jüngsten Reinigungsaktion? Redner mit ausladenden Armbewegungen wären regelmäßig mit der Wand kollidiert.

Aufstehen zum Segen

Weitere Lobpreislieder, eine Kollekte und ein sehr umfangreicher Programmpunkt mit Ansagen rundeten den Gottesdienst ab. Die Befürchtungen meiner Frau, dass man nicht wisse, wann Aufstehen und Hinsetzen gewünscht sei, wurden nicht bestätigt. Ein Alleinstellungsmerkmal der FEG Chemnitz ist wohl, dass lediglich zum abschließenden Segen aufgestanden wird. Gebete, Ansagen, Kollekte und Lobpreis fanden komplett im Sitzen statt.

Gemeindemitglieder bedankten sich beim Pastor für die Predigt. Wir wechselten einige Worte mit ihm, ließen unseren Blick über das muntere Treiben im Gemeindesaal schweifen und verließen kurz darauf die FEG.

Es standen noch der Chemnitzer Weihnachtsmarkt und ein gemeinsames Essen am Schlossteich auf dem Programm. Bei letzterer Gelegenheit trafen wir auch die übernächtigten Geburtstagsgäste wieder und ließen mit einem gestellten Gruppenfoto per Selbstauslöser unseren Besuch in Chemnitz ausklingen.

Montag, 31. Oktober 2016

EFG Zoar Cantianstraße - Familiengottesdienst mit Rasseln und vier Gitarren

Während meiner Abwesenheit besuchte die Familie gestern die EFG Zoar in der Cantianstraße. In dieser Gemeinde war ich durch den Kindergottesdienst und den biblischen Unterricht gegangen und später mit meinen Eltern in die Wohnnähe nach Oberschöneweide gewechselt. Es könnten hier sicher einige mehr oder weniger lustige Kindheitserinnerungen zum besten gegeben werden, aber ich überlasse den Bericht meiner Tochter:



Nach einer dreiviertel stündigen Fahrt per S-Bahn erreichten wir die EFG Zoar in der Cantianstraße, deren Gemeindehaus perfekt in die Häuserfront eingegliedert war, denn schon seit über hundert Jahren gehört der Gemeinde dieses Grundstück.

Der gestrige Gottesdienst startete um 10 Uhr, was ohne Zeitumstellung wahrscheinlich ganz schön krass gewesen wäre. Aber wir (hauptsächlich ich) hatten Glück.

Wir wurden freundlich von verschiedenen Gemeindemitgliedern und dem Pastor begrüßt, der passend zum Thema eine niedliche Krawatte mit Schafen  trug. Es ging nämlich um das verlorene Schaf aus Lukas 15,4-7.

Der Gottesdienst wurde musikalisch von einem Gitarrenquartett begleitet. Da die Zielgruppe offensichtlich die Kleineren waren, wurden viele Kinderlieder gesungen, bei denen die Kinder zum Teil mit Rasseln einstimmen durften.

Die Predigt war kurz gehalten. Dafür gab es tolle Aktionen für die kleinen Gäste, wie zum Beispiel das Schaf im Saal zu suchen, welches übrigens - falls es jemanden interessiert - im Taufbecken versteckt war. Und das bei Baptisten…

Der Gottesdienst dauerte genau eine Stunde. Danach gab es die Möglichkeit, noch ein wenig im Gemeindecafé bei Kaffee, Tee und Keksen zu reden.

Ach so, fast hätte ich es vergessen: das Alter war überraschend gut durchmischt. Etwa die Hälfte war im Rentenalter und es gab jede Menge Familien mit vielen kleinen Kindern. Außerdem entdeckte ich sechs oder sieben Jugendliche.

Autorin: Tochter des Church Checkers

Sonntag, 9. Oktober 2016

Projekt:Kirche in Friedrichshain

Projekt:Kirche ist ein frisches Gemeindeprojekt in Friedrichshain, welches schon durch seine Webseite einen äußerst positiven Eindruck vermittelt. Der Name deutet bereits an, dass es sich um einen Ableger des Berlinprojektes handelt. Projekt:Kirche punktet durch einen zeitgemäßen Gottesdienst und eine gute Willkommenskultur.



Das Projekt:Kirche trifft sich normalerweise um 18:00 Uhr im Hoffmann-Saal des Plus Hostels in der Nähe der Oberbaumbrücke. Der Friedrichshainer zeichnet sich nicht nur durch ein eigenes Zeitmaß aus, sondern auch durch Kreativität, Flexibilität und Spontanität. Deshalb war der heutige Gottesdienst mit Kindersegnung auf 11:00 Uhr verlegt worden. Auch die Location hatte man geändert: Studiobühne in der Alten Feuerwache. Die Webseite hatte bereits eine sehr positive Ausstrahlung, die wir gerne mit der Praxis verifizieren wollten.

Wir trafen eine Viertelstunde vor Beginn ein und fanden direkt vor dem Eingang einen Parkplatz. Dieser für Friedrichshain absolut untypische Sachverhalt steigerte unsere Vorfreude. Neben dem Eingang zur Alten Feuerwache ging es zum Bezirksamt Friedrichshain. Unter dem Schild mit dem Berliner Bären war ein weiteres Hinweisschild angebracht: "Hier wird die Welt erschaffen". Dieser Anspruch erschien uns sehr sportlich. Sportlich war auch der Aufstieg in die zweite Etage zur Studiobühne. Für Kinderwagen gab es einen Fahrstuhl, der in jeder Etage von zwei Holztüren mit Mann- und Frau-Symbolen flankiert war.

Vor der Studiobühne wurden wir sehr freundlich von Sabrina begrüßt, die ich bereits von der Webseite kannte. Eine andere junge Frau drückte uns A5-Schreibunterlagen mit eingeklemmtem Gottesdienstablauf in die Hand. Sehr kreativ. Das erinnerte mich an die Speisekarten in einigen der Friedrichshainer Szene-Restaurants. Das fanden wir sehr clever, da keine Heftchen gefaltet werden müssen, sondern die Blätter einfach ausgedruckt und - klack - festgeklemmt werden.

Auf Nachfrage erfuhren wir, dass es auch hier eine Art akademisches Viertel gebe, welches jedoch auf zehn Minuten reduziert sei. Deshalb sei man noch mit dem Aufbau und den Proben beschäftigt und wir sollten uns ruhig einen Kaffee holen. Julia begrüßte uns an der "KaffeeBar" und erzählte uns einiges zur Gemeinde. In diesem Gespräch spielte meine Frau ihren Trumpf aus: "Das ist die Gemeinde mit den "Poetry Slams". "Aha", die Stimmung wurde immer besser. Wir fühlten uns hier richtig wohl. Weitere junge Leute kamen, stellten sich vor und wechselten einige Worte mit uns. Auf Druck der Familie mussten wir wieder in der letzten Reihe sitzen.

Als etwa fünfzig Besucher anwesend und die akademischen zehn Minuten verstrichen waren, begann der Gottesdienst. Er wurde umrahmt von einigen Vortragsstücken und dem Lobpreis eines dreiköpfigen Teams. Die Kindersegnung fand ganz am Anfang statt und wurde sehr ausführlich von Sabrina erklärt. Die Gemeinde segnete eines der kleinen Mädchen, deren Doppelname Lichtstrahl und Mutterschaf bedeutet. Überhaupt scheint Projekt:Kirche nur aus Singles und Paaren zwischen dreißig und vierzig sowie einigen Kleinstkindern zu bestehen. Wieder einmal fragten wir uns, in welcher Gemeinde die Erwachsenen und Teenager in unserem Altersbereich zu finden seien. Egal, wir fühlten uns hier sehr wohl und verfolgten das weitere Gottesdienst-Geschehen.

In der Predigt ging es um einen Text, den wir gerade im CVJM-Gebetskreis bewegen: 1. Joh 1,5 bis 1. Joh 2,2. Besonders intensiv hatten wir uns mit Vers 7 aus Kapitel 1 beschäftigt, der uns dazu auffordert im Licht zu leben, so wie Gott im Licht ist. Fabi, der kurzfristig eingesprungene Referent, bettete die Predigt in eine Episode aus seiner Schulzeit ein, wo er seinen Eltern gegenüber den guten Schüler mit Vorbildwirkung gespielt hatte, während die Realität ganz anders aussah. Dann kam der Elternsprechtag. Im Angesicht dieses Szenarios brachte er seine Defizite ans Licht und bekam mit viel Peinlichkeit letztlich doch noch die Kurve.

Es folgten einige Lobpreislieder, die Fürbitte und der Segen. Es gab keine Kollekte. Wer die Gemeinde unterstützen wolle, könne die Kontonummer im Begleitblatt nutzen oder etwas in die Kiste an der KaffeeBar legen. Unsere Freunde aus Marzahn kannten mal wieder mehrere Leute aus der Gemeinde. Wir sind immer wieder erstaunt, wie breit vernetzt sie doch sind.

Beim Hinausgehen schlug meine Frau das Il Ritrovo in der Wühlischstraße vor. Bei Pizza Tonno, Afri Cola, Espresso Americano und Pferdefleisch-Pizza unterhielten wir uns über Projekt:Kirche, den gestrigen Männertag in Oberkrämer und die jüngsten Entwicklungen in Marzahn. Wegen des nächsten Sonntages konnten wir uns nicht so recht entscheiden, da noch so viele interessante Gemeinden auf der Agenda stehen.

Sonntag, 2. Oktober 2016

Mavuno - EFG Lichterfelde

Mavuno ist Swaheli und bedeutet "Ernte". Da uns regelmäßig Leute aus der umbenannten EFG Lichterfelde begegnen, wollten wir uns dort einmal den Gottesdienst ansehen. Der Name lässt auf eine Gemeinde mit starker afrikanischer Prägung schließen. Dem ist nicht so, wie wir beim heutigen Besuch feststellen konnten.



So oft wie wir Gemeinden und Veranstaltungen in Steglitz, Lichterfelde, Lankwitz oder Lichtenrade besuchen, könnte man ja schon fast von einem BBB Berlin Bible Belt reden. Zumal noch weitere Gemeinden in dieser Region auf der Agenda stehen.

Wenigstens war der Gottesdienstbeginn bei Mavuno auf 11:00 Uhr terminiert, so dass die Anfahrt quer durch die Stadt zu einer familienfreundlichen Zeit gestartet werden konnte. Die Fahrt mit ihren unzähligen Ampeln erinnerte an das jüngste Wahlergebnis: Rot-Rot-Grün. Nach einer dreiviertel Stunde erreichten wir das ehemalige amerikanische Militärgelände mit der Kirche im Südstaaten-Stil.

Vor der Tür war ein blauer Tisch aufgebaut, an dem mehrere junge Leute standen und in freudiger Erwartung zu den eintreffenden Fahrzeugen blickten. Am Tisch wurden wir herzlich begrüßt und konnten uns einige Flyer aussuchen. "Ja, Blau ist unsere Farbe", bemerkte die junge Dame als ich sie auf die markante Farbe des Stehtisches ansprach. Die Kapelle selbst war eher in Weiß gehalten und erinnerte auf den ersten Blick an die FCJG Lüdenscheid, die in Platzaufteilung, Art der Stühle und den typischen Kirchenfenstern eine gewisse Ähnlichkeit aufwies.

Wir liefen über den flauschigen blauen Teppichboden und trafen zunächst unsere Bekannten aus Marzahn. Sie waren bereits in ein Gespräch vertieft. Willkommenskultur wird bei Mavuno groß geschrieben. Als unbekannter Gast fühlt man sich sofort mitten drin. Da ich vor dem Losfahren noch einen ganzen Liter Wasser getrunken hatte, war mein erstes Ziel das WC. Dort fiel mir fast die Kinnlade herunter, denn das war ein so auffällig sauberes und helles WC mit Haargel und Eau de Toilette auf der Ablage. Auch die Sprüche am Spiegel regten meine Denkprozesse an: "Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe".

Die Familie nahm in der dritten Reihe links außen Platz. Über die Leinwand flimmerten die letzten Sekunden des Countdowns. Dann begann die Band zu spielen. Diese bestand aus einem Gitarristen und einem E-Schlagzeuger. "Großer Gott, wir loben Dich" in einer gut abgemischten Fassung mit zwei harmonierenden Instrumenten.

Als Pastor Daniel Flechsig seine Einleitung zum heutigen Entedankfest machte, war mir sofort wieder die Bedeutung von Mavuno präsent: Ernte. Wenn der Bauer die Ernte einfahre, verzehre er nicht alles, sondern hebe einen gewissen Teil für die nächste Saat auf. Das sei das klassische Re-Investieren. Darauf folgte die Kollekte und nicht die Predigt zum Thema Mavuno, pardon Ernte.

Da mir einige Gesichter bekannt vorkamen, fragte ich meinen Sohn: "Kennst du hier welche vom SOLA"? Er nickte. Um "sola" ging es heute auch in der Predigt. Mavuno hat das Lutherjahr 2017 schon etwas vorverlegt und behandelt aktuell das Thema "Ich glaube".

sola gratia (allein aus Gnade)
sola fide (allein aus Vertrauen)
sola scriptura (allein die Schrift)
solus Christus (allein Christus)

Ergänzend dazu gibt es noch "Soli Deo Gloria" (allein Gott die Ehre), wobei heute die Gnade, also sola gratia, auf dem Plan stand. Die Predigt begann mit einem Text aus Matthäus 20, 1-16, wo es um die Arbeiter im Weinberg geht, die egal zu welcher Uhrzeit sie angefangen hatten, alle jeweils einen Denar bekamen. Daniel Flechsig stellte die Frage in den Raum, ob solch eine Entlohnung nicht ungerecht sei. Da ich die Auflösung des Textes kannte, erschütterte mich diese Frage nicht weiter. Egal in welchem Alter jemand die Beziehung zu Jesus aufbaut, am Ende bekommt er das ewige Leben. Hauptsache, er hat vor dem Feierabend noch eine Anstellung bekommen. Ist doch gut so!

Der zweite Teil der Predigt war in dreizehn Unterthemen gegliedert, die laut des Predigers alle für sich ganz wichtig seien. Beim achten Punkt waren bereits deutliche Aufmerksamkeitsdefizite bei den heimischen Gottesdienstbesuchern festzustellen. Auf so viel Lehre war auch ich nicht vorbereitet und versuchte mit progressiver Muskelentspannung nach Jacobson die Konzentrationsfähigkeit zu reaktivieren. Einige Frauen schrieben eifrig die genannten Bibelstellen mit. Eine Dame bemerkte anschließend, dass sie noch nie so eine gute Zusammenstellung der Grundlagen und Facetten von Gnade gehört habe. Der Predigt folgten ein Lied mit der Band, der Segen und eine kurze Ansage.

Dann begann der zweite Gemeinschaftsteil mit Kaffee und Gesprächen. Kaffee hatte es auch vorher schon gegeben. Jetzt waren zur besonderen Freude der Kinder auch Kekse dabei. Der Pastor erzählte uns von der jüngeren Geschichte der Gemeinde, dem Namenswechsel, dem Start bei fast Null und der Relevanz für den Kiez. Mit 150 Personen seien die räumlichen Kapazitätsgrenzen erreicht. Am Gottesdienst hatten heute etwa sechzig Besucher teilgenommen. Die Altersstruktur war sehr gut durchmischt. Das Durchschnittsalter muss so bei vierzig liegen.

Da wir noch einen Anschlusstermin in Teltow hatten, verabschiedeten wir uns und fuhren weiter gen Süden.

Montag, 19. September 2016

CVJM Marzahn im Jugendhaus Trinity

Das CJVM-Haus Trinity ist ein ungewöhnlicher Flachbau inmitten der Hochhäuser von Marzahn. Es liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des historischen Ortskerns Alt-Marzahn und verfügt über eine großzügige Außenfläche für Sommerfeste und Grillevents. Von Montag bis Freitag bietet der CVJM hier verschiedene Themenformate für Kinder und Jugendliche an. Die Räume inklusive der Freifläche lassen sich aber auch für eigene Veranstaltungen mieten.



Der CVJM Marzahn war bis zur Jahrtausendwende in einer Plattenbau-Kita untergebracht. Diese war so baufällig, dass nur noch wenige Räume genutzt werden durften und ein Umzug zwingend notwendig wurde. 2002 wurde das knallrote CVJM-Haus Trinity in Betrieb genommen und stellte sofort einen Magneten für die Kinder und Jugendlichen der Umgebung dar.

Unser damaliges Gemeindegründungsprojekt "Jugendkirche Marzahn" suchte Räume und fand diese im Trinity. Sonntags veranstalteten wir dort Jugendgottesdienste mit Band, Sketchen und Predigt. Einem dieser Sketche fiel eine Holztür des Trinity zum Opfer. Somit konnten wir erstmalig die Leistungsfähigkeit unserer Haftpflichtversicherung testen.

Neben den Gottesdiensten hatten wir hier auch anspruchsvolle Partys wie Night of the Oscars oder Schwarz-Weiß gefeiert.

Inzwischen haben die damaligen Jugendlichen schon die Zwanzig oder Dreißig überschritten und kümmern sich um die eigenen Kinder. Würden sie noch im Kiez wohnen, könnten sie ihre Kinder bald ins Trinity schicken. Dort werden sie von zwei engagierten jungen Frauen zu Jugendabenden, Andachten, Boys Only, Girls Only oder Koch-Nachmittagen willkommen geheißen.

Der große Raum bietet mit seinen Glasfenstern einen klaren Ost-West-Durchblick. Haus und Freifläche eignen sich zudem gut für Familienfeiern oder ähnliche Anlässe, an denen bis zu fünfzig Personen teilnehmen können. Die Mietkosten sind moderat und neben der Küche stehen auch ein überdachter Grillplatz und ein lauschiger Innenhof zur Verfügung. Auch Basketball oder Fußball können im Garten gespielt werden.

Da der Fokus auf Kinder und Jugendliche aus dem Kiez gerichtet ist, gibt es zwischen den CVJM-Häusern der Stadt bisweilen nur sehr oberflächliche Beziehungen. Eine Situation, die uns schon öfter in Berlin aufgefallen ist. Christliche Parallelwelten auf engstem Raum.

Sonntag, 4. September 2016

Springborn Projekt - Mennoniten in Johannisthal

Das Springborn Projekt der Mennonitischen Brüdergemeinde in Johannisthal gibt es seit knapp sechzehn Jahren. Etwa dreißig Prozent der Besucher sind in ähnlichem Alter. Am Südwestende des Sterndamms treffen sie sich sonntags um 10:30 Uhr zum Gottesdienst.



Die Parallelwelten der christlichen Szene ziehen sich quer durch die Stadt. So bedurfte es des diesjährigen SOLA, um die Mennoniten in Johannisthal überhaupt auf den Radar zu bekommen. Der Gottesdienst beginnt zeitgleich zum Brunch der JKB Treptow, die wir vor einer Woche im benachbarten Kino Astra besucht hatten.

Bahnhof Schöneweide, Filmpalast Astra, unsere damalige Wohnung am Sterndamm, dann einmal rechts und zweimal links. Wir fuhren auf den Parkplatz hinter dem renovierten Mehrzweckbau. Jemand verschwand durch eine geöffnete Tür im Untergeschoss. "Du kannst doch nicht durch die kalte Küche gehen", hörte ich meine Frau noch rufen und schon stand ich im Gemeindesaal des Ground Zero. Offensichtlich trafen sich dort Christen mit russischer Zuwanderungsgeschichte. Sie zeigten uns eine Treppe, die zu den Räumen der Mennoniten führte.

Auf dem Weg kamen wir an einer Fotostrecke zum Umbau des Mehrzweckhauses vorbei. Sehr viel Eigenleistung mit einem bemerkenswerten Ergebnis. Das Haus erinnerte an die EFG Wiedenest und gefiel mir sehr gut. Vorbei an der "warmen Küche" traten wir in den hellen Vorraum. An der Wand lasen wir Jesaja 43, 19.

Pünktliches Erscheinen hat gelegentlich seine Vorteile. Nach einer freundlichen Begrüßung wurde uns nämlich gleich das Haus gezeigt und diverse Informationslücken geschlossen. So erfuhren wir, dass das Springborn Projekt neben einer russischen Gemeinde auch eine Location der Arche (Kinderprojekt) beherberge. Im Saal traf unser Sohn einige SOLA-Leute und unsere Tochter gab die Sitzposition vor. Super, vorletzte Reihe aber immerhin mit direktem Blick zur Plexiglaskanzel. Die Atmosphäre war sehr herzlich.

Während einer ausgiebigen Gemeinschaftszeit wurden Bibeltexte verlesen, die Kollekte eingesammelt und die Aktivitäten der nächsten Woche vorgestellt. Als die Kinder und Jugendlichen nach vorne gebeten wurden, um zum Schulanfang gesegnet zu werden, begaben sich etwa dreißig Prozent der Gottesdienstbesucher auf die Bühne. Es seien noch viele Leute im Urlaub gewesen, wodurch der Saal mit seinen 120 Plätzen wohl normalerweise an der Kapazitätsgrenze rangiert.

In der Predigt ging es darum, wie Gott und das Leid zusammen passen. Es wurden verschiedene Situationen geschildert und immer wieder gefragt, wie das mit dem Glauben in Einklang zu bringen sei. Pastor Andre Pritzkau baute einen "Sandwich" aus Johannes 14, 27 und Johannes 16, 33 auf und legte das Leid dazwischen. Die Texte sagen aus, dass wir zwar "Druck" haben werden, Jesus aber die Welt besiegt hat und uns seinen Frieden gibt. Ja, es gibt ungeplantes und schweres Leid, aber es gibt auch den Frieden Gottes, der dem Leid einen Sinn gemäß 2. Korinther 1, 3-4 geben kann.

Der umrahmende Lobpreis mit Gitarre, Klavier und Schlagzeug hatte solch ein Tempo, dass wir während des Singens über den Text nachdenken konnten. Es wurde sogar ein Kanon gesungen.

Nach dem Gottesdienst gab es Kaffee, Kuchen und Chili con Carne. Dabei war Gelegenheit zu weiterem Networking. Einige Gemeindemitglieder kannten wir aus früheren Zeiten oder wir hatten mit deren Arbeitgebern oder Verwandten zu tun. Im Springborn Projekt treffen sich Jugendliche mehrerer Gemeinden. Singles und Familien aus Britz, Rudow und Johannisthal haben in dieser Kiezgemeinde ihre geistliche Heimat gefunden. Aber wie kommt es, dass eine Mennonitische Brüdergemeinde einen Pastor hat?

Menno, was sind eigentlich Mennoniten?

Die Geschichte der Mennoniten ist noch älter als die der Baptisten. Sie entstanden schon zur Zeit Luthers, favorisierten die Trennung von Kirche und Staat sowie eine Taufe nach bewusster Entscheidung für Jesus. Der Name leitet sich vom friesischen Reformator Menno Simons ab.

Der Baptismus entstand erst einhundert Jahre später in England und hatte vergleichbare Ansichten. Die Erscheinungsformen der Mennoniten sind heute so unterschiedlich wie die der modernen Brüder- oder Baptistengemeinden. Die Grundprinzipien von Glaubenstaufe und politischer Enthaltsamkeit bestehen jedoch weiterhin.

Mittwoch, 24. August 2016

SOLA Camp David

Seit vielen Jahren findet im Umland Berlins das SOLA Sommerlager statt. Thematisch rankt es sich um Indianer, Rapper, Cowboys, biblische Personen und weitere mit der freien Natur zu verbindende Geschichten. Highlight ist die zweitägige Wanderung durch die brandenburgische Wildnis.



Trotz vorschriftsmäßiger Fahrweise waren wir überpünktlich auf dem Gelände des SOLA (Sommerlager) in Wünsdorf eingetroffen. Mir war schon mehrfach unterstellt worden, dass ich immer zu knapp losfahre. Recht hat sie ja, die Familie. Deshalb planten wir diesmal neunzig Minuten für die Anfahrt ein.

Nach dem Quick-Check-in beim Nafta-Lila-Team (wichtig: kräftiges Milka-Lila, kein Zartlila wie bei Perwoll) warteten wir auf den Start. Auch der verkleidete Saul, dessen Gemahlin und einige Bedienstete warteten und warteten und warteten, während gebratene Heuschrecken zum Verzehr angeboten und Büchsen per Schleuder umgeworfen wurden. Es gab Kaffee und Kuchen und wir trafen erstaunlich viele alte Bekannte, die zum ersten Mal ihre Kinder zum SOLA brachten.

Kurz vor halb fünf klingelte mein Handy und ein Autohaus wollte sich über die Kundenzufriedenheit informieren. Als wir fertig waren, war auch die Einstiegsgeschichte zu Ende. Klasse! Ich hatte verpasst, wie David nach der Erledigung von Goliath zu Saul gekommen war, dessen Tochter nicht heiraten durfte und zum Abschluss Saul auf den Fuß spuckte. An diesem historischen Punkt begann das diesjährige SOLA "Camp David". Unser Sohn hatte sich bereits in seine Milka-Gruppe integriert und wir traten den Heimweg an.

Eine Woche später:

Unser Kind trafen wir an der Wasserstelle. Braungebrannt und zerschrammt erklärte er mit heiserer Stimme: "Hier guckt mal, ich bin beim Fußball gegen einen Balken gerannt". Nach einem Tag seien Verband und Pflaster schon wieder ab gewesen und die Verletzungen konnten stolz zur Schau gestellt werden. Dann entschwand er auch schon wieder unseren Blicken. Am benachbarten Kuchenstand beschwerte sich ein Mädchen beim Küchenpersonal über ihren peinlichen Vater. Der wollte nach der Ankunft sofort Fotos machen. Wie uncool! Ich drückte einen Kaffee aus der Thermoskanne.

Wieder einmal waren wir viel zu früh eingetroffen. Fundbüro gesichtet, Gepäck gefunden, KV-Karte und Impfausweis abgeholt, Sohn gefunden, Sohn begrüßt und immer noch vierzig Minuten bis zum Start. Ab und zu hörte man den Urschrei einer der farblich gekennzeichneten Gruppen. Beim dritten Becher Kaffee kamen endlich ein paar Bekannte. Wir entschieden uns für Talk vor dem Zelt, da wir die Saunawirkung während des Programms schon aus den Vorjahren kannten.

Im Zelt wurde der letzte Teil der David-Geschichte gespielt: Volkszählung, Strafe, Findung des Bauplatzes für den ersten Tempel auf dem Berg Moria. Die Gelegenheit mal wieder eine Bibelstelle (1. Chronik 21, 26) zu zitieren: "Und als er den Herrn anrief, antwortete er mit Feuer vom Himmel". Die Predigt nach der gespielten Geschichte griff diesen Ort Moria auf, erzählte davon, dass Jakob dort seinen Sohn Isaak opfern sollte und dass Jesus dort gekreuzigt wurde. Letzteres hatten wir schon mehrfach in ICF-Predigten gehört. Eltern und Kinder von ICF, Baptisten, Brüdergemeinden und dem Mülheimer Verband hörten diese wichtigen Zusammenhänge nun gemeinsam.

Auf dem Rückweg erfuhren wir, dass das Zeitempfinden auf dem SOLA völlig verloren gegangen sei. Es gab die obligatorische Kanufahrt, riesige Käfer im Zelt und Schlafen unter freiem Himmel. Aber wann genau war das? Es hatte geregnet. Die Freiluftübernachtung fand diesmal an einer bisher unbekannten Stelle statt, schließlich sei man ja "vor Saul auf der Flucht" gewesen. Auch hatten "die Philister" eines Morgens das Frühstück geraubt.

Besonders erfreut waren wir, dass auch Freundschaften mit Leuten aus Gemeinden mit größeren Jugendgruppen geschlossen wurden. Diese werden wir uns in den nächsten Wochen einmal ansehen.

Sonntag, 7. August 2016

ICF Berlin am Gasometer Schöneberg

ICF Tempelhof ist inzwischen zum Gasometer Schöneberg umgezogen. Der für Gäste ohne christlichen Hintergrund gut geeignete Gottesdienst ist jedoch ebenso professionell und ansprechend wie vorher.



Nach der Rückkehr aus dem Urlaub fiel die Entscheidung für ICF Tempelhof alias ICF Berlin sehr kurzfristig. Strahlender Sonnenschein, coole Location und ausreichend Parkplätze auf dem Gasometer-Gelände Schöneberg waren eine gute Einstimmung auf den um halb elf beginnenden Gottesdienst. Flankiert wurde das durch einen Kaffee, eine freundliche Begrüßung im Vorraum und das Countdown-Video.

Die offizielle Begrüßung widmete sich insbesondere den im Sommer hereinschnuppernden Gästen. Die Ansprechpartner für Wissenswertes und Kleingruppen wurden vorgestellt. Es folgte ein kurzer musikalischer Teil mit Kollekte und dann begann auch schon die Predigt.

"Ultraleicht" war das Thema, das Stefan Hänsch heute vortrug. Schwer bepackt mit einer braunen Umhängetasche trat er auf die Bühne und las die altbekannte Stelle aus Matthäus 11, 28-30: "Kommt her zu mir alle...". Anhand von zwei gut geschnittenen Gleitflugvideos, wie man sie von McFit kennt, zeigte er die Stationen von Anstrengung, Last, Gegenwind und Auftrieb. Loslassen und Neues wagen, sich mit Jesus in ein Joch einspannen, um sich von ihm führen zu lassen, wurde aus dem Text herausgeholt. "Yes! But how", hatte Saddleback-Gründer Rick Warren einmal in den Raum gestellt. Deshalb ergänzte Stefan Hänsch die Predigt mit Galater 6 und zeigt drei Punkte zur Entlastung auf:

  • Entwickle deine Persönlichkeit
  • Lebe wertvolle Beziehungen
  • Verbringe regelmäßig Zeit mit Gott (Bibel, Gebet)

Zu jedem der Punkte holte er ein Gewicht aus der braunen Tasche. Die Beziehung zu Gott hatte mit fünf Kilo das größte symbolische Gewicht.

Anschließend wurde die Lobpreiszeit eingeleitet. Parallel erlebten wir ein liturgisches Novum: Abendmahl per Selbstbedienung. Anhand der finalen Ansagen erfuhren wir, dass noch Auf- und Abbauhelfer gesucht werden und ICF weiterhin nach einer größeren Location Ausschau halte, wo der Bedarf an Roadies möglichst entfalle.

Nach dem Gottesdienst gab es diverse Wiedersehen und Gespräche bei Kaffee und Brezeln. Alte und neue SOLA-Connections wurden gepflegt und die virale Reichweite dieses Blogs erfreut zur Kenntnis genommen.

Schöneberg animierte uns zur Suche des obligatorischen Inders. OK, es gab dort indische, nepalesische und tibetische Speisen, was geschmacklich nicht wirklich den Unterschied machte. Unterschiedlich waren jedoch die Berichte der sieben Leute am Tisch über die letzten Wochen urlaubsbedingter Alleingänge. Das reichte von Jerusalem über süddeutsche Pietisten bis hin zu unseren Erlebnissen im rheinischen Bibelbelt.

Sonntag, 24. Juli 2016

EFG Wiedenest

Wiedenest liegt in der Nähe von Köln und ist bekannt für gute christliche Musik und seine Bibelschule. Auch in den Ferien ist der Gottesdienst der EFG Wiedenest gut besucht.



"Hier ist ja nichtig was los", raunte mir mein Sohn zu, als die umfangreichen Ansagen für die nächste Ferienwoche vorgetragen wurden. Es waren so viele Dinge, dass selbst die Kollekte während dieser Zeit eingesammelt wurde.

Wiedenest ist, wie der Name erahnen lässt, ein kleiner Ort im romantischen Ebbegebirge und liegt 60 km südlich von Dortmund und etwa 30 km östlich von Köln nahe des Kreuzes Olpe/Süd, wo sich A4 und A45 begegnen. Die Anfahrt ist wegen der vielen Kurven insbesondere für Motorradfahrer reizvoll. Parkplätze für Motorräder und Autos stehen reichlich zur Verfügung.

Das helle und freundliche Haus der EFG Wiedenest ist in den Räumen, Treppenhäusern und Fluren mit Piktogrammen dekoriert, zu denen man sich den passenden Bibelvers eingeprägen kann. Die Piktogramme sind teilweise so witzig, dass das VerseIernen einfach Spaß macht.

EFG Wiedenest Baptisten Forum Wiedenest
Bibelverse in der EFG Wiedenest
Beim Betreten des Saales wurden wir freundlich begrüßt. Wir stellten uns gegenseitig vor und erhielten ein Begleitblatt zum Gottesdienst. Der Saal bot Platz für etwa 250 Besucher. Trotz der Ferienzeit waren über zweihundert Leute gekommen. Die aus vier jungen Musikern bestehende Lobpreisband war gut abgemischt. Gut gemischt war auch die Altersstruktur der Gemeinde.

Der Gottesdienst begann mit einer Schweigeminute und Gebet für die Opfer des Amoklaufs in München. Dann folgten gemeinsame Lieder und die eingangs erwähnten Ansagen. Beim Kinderlied kam ich ins Schunkeln. Mein Sohn stieß mich an. Die ältere Dame neben ihm lächelte.

Die EFG Wiedenest beschäftigt sich in der Ferienzeit mit der Themenreihe "Beispiels-Weise" und berichtet über Menschen der Bibel, die im Laufe ihres Lebens deutlich an Weisheit zugenommen hatten. Dem gelben Begleitzettel war zu entnehmen, dass die sechs Themen von sechs verschiedenen Referenten vorgetragen werden.

Die heutige Predigt hielt Bernd Brockhaus. Mit seiner bemerkenswerten Radiostimme rezitierte er zwei Texte aus den Samuelbüchern, deren Zusammenhang wohl selten in einer Predigt behandelt wird. David bekommt darin die Ankündigung der Konsequenzen für seine Bathseba-Entgleisung und erlebt diese schließlich im zweiten Text im Rahmen der Machtergreifung seines Sohnes Absalom. Bernd Brockhaus entfaltete Davids menschliches Machtpotenzial, die persönliche Beziehung zu Gott, die Übernahme der Verantwortung für sein Handeln, die unkonventionelle Hilfe Gottes in dieser Situation und den damit verbundenen Weisheitsgewinn Davids. Die bekannten Regale mit Brockhaus-Lexika lassen auf die Länge der Predigt schließen. Trotz des interessanten Inhaltes übten sich einige Wiedenester in der Stabilisierung ihrer Konzentrationskraft.

Nach dem Segen verteilten sich die Gottesdienstbesucher im Gebäude. Wir schlenderten durch das Untergeschoss, erfreuten uns an den Piktogrammen, schauten in die vielen einladenden Kinderräume und mischten uns unter die Wiedernester, die bei Kaffee, Tee und Wasser ins Gespräch kamen. Dann verließen wir das Haus und freuten uns, dass das Auto nicht zugeparkt war. Die Rückfahrt durch das malerische Ebbegebirge konnte beginnen.

Sonntag, 5. Juni 2016

FELG "Haus Gottes" auf der Verkehrsinsel

Die FELG "Haus Gottes" ist eine lutherisch geprägte Gemeinde, die einen besonderen Fokus auf Sünde, Vergebung und Optimierung des Lebensstils legt. Die Mitglieder verfügen weitestgehend über eine Zuwanderungsgeschichte aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion. Gelehrt und gesungen wird auf Deutsch und Russisch. Die Gemeinde ist altersmäßig sehr gut durchmischt und zeichnet sich durch viele junge Familien aus. Es gibt Angebote für den Kiez und Gäste werden sehr freundlich und umsichtig aufgenommen.



Nach SELK, EFG, ICF, CVJM, JKB, LKG und FEG war heute FELG angesagt. FELG steht für Freie Evangelisch-Lutherische Gemeinde. Die FELG "Haus Gottes" e.V. trifft sich in der Alten Pfarrkirche Lichtenberg. Die Kirche ist auf einer Verkehrsinsel in der Möllendorffstraße 33 erbaut. Im Mittelalter hätte an diesem strategischen Punkt Wegzoll erhoben werden können. Hier kreuzen sich die Tangenten von Ostkreuz nach Weißensee und von Friedrichshain nach Marzahn. Am Eingang der Kirche weist ein Schild auf den Denkmalschutz und das Baujahr 1250 hin. Also doch Mittelalter und noch 250 Jahre vor Martin Luther. Um 1230 wurden im Landkreis Barnim viele neue Ortschaften gegründet, die es auch heute noch gibt, so wie das 1300 erstmalig durch den Markgrafen Albrecht III urkundlich erwähnte Marzahn.

Apropos 1300: den Gottesdienst der FELG hatten wir nach der Uhrzeit ausgesucht. Er beginnt um 13:00 Uhr und kommt damit den Wochenendbedürfnissen junger Familien sehr entgegen.

FELG "Haus Gottes" Möllendorffstr. 33
 FELG "Haus Gottes" - Alte Pfarrkirche Lichtenberg
Als wir gegen 12:45 Uhr die Pforte aus dem Jahre 1250 durchschritten, war ich so überrascht, dass mir jegliche Worte für einen Smalltalk fehlten. Zu gravierend war der Unterschied zwischen altem Gebäude und jungen Erwachsenen mit Kindern im Innenraum. Der Saal begann bereits an der Eingangstür. Mit breitem Lächeln wurden wir von mehreren jüngeren und älteren Gemeindemitgliedern begrüßt. Gesangsbücher benötigten wir nicht, da die Texte per Beamer an eine Leinwand projiziert wurden.

Wir setzten uns in eine Bankreihe und beobachteten das Geschehen. Der Saal füllte sich mit etwa einhundert Personen. Darunter waren vierzehn Kinder, die zu Beginn des Gottesdienstes in ihr Programm verabschiedet wurden. Die Altersstruktur war bemerkenswert gut durchmischt. Vom Kleinkind bis zum Rentner war alles vertreten und auch die Jugendgruppe soll um die zwanzig Teilnehmer zählen. Frauen aller Altersgruppen hatten für den Gottesdienst ihre Kopftücher dabei. Darauf waren wir nicht vorbereitet. Neunzig Prozent der Besucher hatten eine offensichtliche Zuwanderungsgeschichte aus Ländern, wo auch heute noch Russisch gesprochen wird.

Bereits vor dem Gottesdienst wurden Lieder gesungen. Teilweise waren diese neu für uns. Als Hintergrund für die sehr präzise eingeblendeten Liedertexte war eine graugrünliche Fläche mit einer Waage gewählt worden. Die gewählte Wort-Bild-Kombination drängte dem Besucher einige Fragen auf: "Wirst du auf der Waage emporschnellen? Werden deine Blätter verbrennen? Wo wirst du sein, wenn dein Leben zu Ende ist?". Sünde, Buße und das Mahnen um Persönlichkeitsoptimierung waren wichtige Elemente der Liturgie, wenn man überhaupt von Liturgie reden konnte. Thematisch und von der Durchführung erinnerte der Gottesdienst an eine Mischung aus SELK und Brüdergemeinde.

Letzterer Eindruck manifestierte sich darin, dass insgesamt drei Laien auf die Kanzel stiegen. Der erste Prediger redete über das Hochzeitsmahl aus Lukas 14, 15-24 und arbeitete insbesondere den Aspekt der Entschuldigungen heraus. Es erging die Mahnung, sich mehr Zeit für Gott zu nehmen. Flankierend setzte er das Gleichnis des Ackers (Weg, Felsen, Dornen, guter Boden) ein. Darauf folgte jemand, der auf Russisch über Epheser 2 predigte, wo es um die Einheit von Juden und Christen aus den Heiden geht. Uns wurden Kopfhörer gereicht, über die eine Simultanübersetzung erfolgte. Ein dritter Prediger trat auf die Kanzel und versuchte die beiden Texte auf Deutsch in Einklang zu bringen. Er redete sehr lebhaft und setzte sich authentisch mit seinen Bemühungen um die Umsetzung dessen auseinander, was er beim Lesen der Bibel entdeckt hatte. Dabei brachte er noch Offenbarung 3 Vers 15 ins Spiel, um die Gemeinde vor Lauheit zu warnen.

Nach eineinhalb Stunden trat ein Chor auf, der ohne Mikrofone mit gewaltigen Stimmen den Kirchensaal füllte. Danach gab es noch eine kurze Gebetsgemeinschaft, das Vaterunser und den Segen. Den nachgelagerten Ansagen war zu entnehmen, dass am 18. Juni ein Kinderfest um die Kirche herum stattfinden wird, und am 19.06.2016 um 13:00 Uhr ein Familiengottesdienst.

Unsere Begleiter ließen sich anschließend durch die benachbarten Gemeinderäume führen und genossen die herzliche Atmosphäre. Wir waren bereits unterwegs in unseren 1300 durch Albrecht III erwähnten Stadtteil, wo es für die Kinder Döner und türkische Pizza geben sollte.