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Samstag, 3. Februar 2018

Beit Schomer Israel in Steglitz

Die Gemeinde "Beit Schomer Israel" versteht sich als jüdisch-messianische Gemeinde. Vielen ist sie als "Beit Sar Shalom" bekannt. Die Anfänge lassen sich auf das Jahr 1995 datieren. Heute besuchten wir die Gemeinde an ihrem Standort in Steglitz.



"Shabbat Shalom", wurden wir bereits auf dem Hof des Gardeschützenwegs 96A begrüßt. Ein Mann mit weißem Hemd und Kippa stand auf dem Parkplatz. Kinder turnten um ihn herum. Eine Mutter räumte ihren Kleinbus leer. Herzliches Willkommen und Smalltalk auf dem Weg zum Eingang. Große hebräische Buchstaben wiesen auf Beit Sar Shalom und Beit Schomer Israel hin. Ersteres ist ein übergeordnetes Missionswerk und Letzteres der eigentliche Name der Gemeinde.

Shabbat Shalom

Durch eine Glastür betraten wir die Räume. Sie waren von Licht durchflutet und die wenigen Anwesenden kamen mit herzlichen Shabbat-Shalom-Grüßen auf uns zu. Eine bemerkenswert gute Willkommenskultur. Ich hatte die Kippa vergessen und bekam eine angeboten. Sie war leider nicht kompatibel mit meiner Frisur. Deshalb setzte ich sie wieder ab.

Ein A5-Blatt mit dem Programm verriet uns, dass von elf bis zwölf Liturgie und Thora-Lesung stattfinden werden und bis halb zwei der Gottesdienst mit Lobpreis und Predigt folgen sollen. "Wie lange willst du bleiben?", fragte mein Begleiter. Ich zeigte auf 13:30 Uhr. Für danach waren noch eine Gebetszeit und ein Nachmittagsseminar zur Kindererziehung avisiert.

Bedenke, vor wem du stehst!

Bis elf Uhr hatte sich der Raum tatsächlich gefüllt. Etwa 100 Besucher schauten Richtung Südost auf einen schlichten Thora-Schrank. Darüber auf Hebräisch der Spruch: "Bedenke, vor wem du stehst!"

Das Lobpreis-Team flankierte den Altarbereich auf der Südwest-Seite. Sie stimmten die Lieder auf Hebräisch, Deutsch und Russisch an. Die Folien wurden präzise gewechselt. Teilweise waren fünf Sprachen abgebildet: Hebräisch im Original, Hebräisch in lateinischer Umschrift, Deutsch, Russisch, Englisch. Es gab auch Folien, auf denen das Hebräische in Kyrillisch umgeschrieben war. Auf alle Fälle konnte jeder mitsingen. Ich entschied mich für die hebräischen Buchstaben. Endlich mal Praxis in der Urtext-Sprache.

Auch Aufstehen und Hinsetzen wurden gut geleitet. Unbedarfte Besucher konnten allen Elementen folgen. Die Liturgie-Abschnitte wurden zudem per Beamer in sämtlichen Sprachen an die Wand neben dem Thora-Schrank projiziert.

Anziehungskraft der Thora

Einige Männer mit Gebetsmänteln nahmen die Rolle aus dem Schrank, trugen sie durch den Saal, legten sie nach einem bestimmten Ritual auf den Tisch, rollten sie auf, lasen etwas vor, verpackten sie wieder und stellten sie in den Schrank zurück. Das Herumtragen der Thora löste eine emotionale Reaktion bei den Besuchern aus. Mit Armen, Handys und Bibeln wurde die samtige Hülle der Schriftrolle berührt und anschließend das Handy geküsst: Ehrfurcht vor der Bibel und die Erwartung eines besonderen Segens.

Im ersten Teil, dem sogenannten Shacharith, gab es einen kurzen Kommentar zum Text der Lesung. Dabei wurde Jithro als Respektsperson im Leben Moses vorgestellt. Jithro sei kein Name, sondern ein Titel: Vornehmer, Exzellenz. J-T-R bildet den Wortstamm für jater und bedeutet soviel wie überschüssig, mehr, groß, viel, übermäßig. Der Kommentator zitierte auch den wichtigen Vers "Lo-tov Hadavar asher atha osse" - "Nicht gut die Sache, die du tust" aus Schmot - pardon Exodus 18 Vers 17. Damit wies Jithro seinen Schwiegersohn Mose darauf hin, dass er seine Aufgaben verteilen solle. Ein Prinzip, mit dem sich auch heutige Pastoren noch schwer tun. Gegen Vers 18 ist Vers 17 sogar noch moderat formuliert.

Wer ist die Zielgruppe?

Zwischen traditioneller Liturgie und Gottesdienst gab es eine kurze Pause und einige personelle Veränderungen. Es strömten erstaunlich viele Menschen herein, die offensichtlich früher in Russland gelebt hatten. Die russische Fraktion machte gefühlt 60% der Anwesenden aus. Nur wenige hätte man auf der Straße als Menschen mit jüdischer Abstammung erkannt. Die weiteren Besucher überdeckten ihre deutsche Herkunft mit Gebetsmänteln, Kippas und auffälligen Chai-Ketten (Chai = Leben).

Es war auf den ersten Blick nicht festzustellen, wer eigentlich die Zielgruppe von Beit Shomer Israel wäre. Zunächst vermutete ich, dass die Gemeinde ein Sammelbecken für Spätaussiedler und christliche Israelfreunde aus den Gojim (Heidenvölker) sei. Auf Nachfrage wurde uns erklärt, dass sogar 40% der Gemeinde aus messianischen Juden bestehe. Israelfreunde seien zwar gerne gesehen, die Zielgruppe seien jedoch ganz klar Juden mit einer Beziehung zu Jeshua Hamashiach (Jesus dem Christus). Letzteres ist übrigens auch der definierte Fokus der weltweit aktiven Organisation Beit Sar Shalom.

Abba und der Rabbi

In der Predigt von Rabbi Wladimir Pikman ging es um Abba: Gott als Papa und seine damit verbundenen Eigenschaften. Wladimir Pikman sprach Russisch und wurde sehr professionell ins Deutsche übersetzt. Er bezog auch das Publikum ein, indem er immer wieder Fragen stellte. Zum Abschluss des Gottesdienstes wurde die Kollekte eingesammelt und ein hebräischer Segen gesprochen.

Gelebte Gastfreundschaft

Vor dem Altar wurde ein Tisch mit zwei Broten aufgestellt. Die beiden Brote sollten die doppelte Ration Manna am Vortag des Shabbats symbolisieren. Viele der Anwesenden bedienten sich daran. Wir wurden zum Mittagessen eingeladen. Allerdings waren wir nach zweieinhalb Stunden Liturgie und Gottesdienst etwas unter Zeitdruck geraten. Wir bedankten uns und verließen das gastliche Haus.

Auf dem Heimweg tauschten wir unsere Eindrücke aus und schafften es gerade noch rechtzeitig zum Kaffee mit den Omas. Apropos Heimweg:

Rabbi Wladimir Pikman war 1995 - so wie wir damals - zwecks Gemeindegründung nach Marzahn gekommen. Während wir unseren Fokus auf Einheimische legten, konzentrierten sich Wladimir und Inna Pikman im Ortsteil Ahrensfelde auf Aussiedler mit jüdischen Wurzeln. Durch eine gute Vernetzung innerhalb Berlins, konnten sie für die schnell wachsende messianische Gemeinde Räume der EFG Bethel und der LKG Eben Ezer nutzen. Die Standorte Steglitz und Lichterfelde sind allerdings knapp 30 Kilometer quer durch die Stadt vom ursprünglichen Wirkungsort Ahrensfelde entfernt.

Sonntag, 29. Oktober 2017

ICF Tempelhof und die konstante Selbstoptimierung

Vor einem halben Jahr hatten wir ICF Berlin in der aktuellen Location in Tempelhof besucht. Seitdem hat sich einiges getan. Damals glänzten die Räume noch im Beton-Charme. In gleicher Weise die Willkommenskultur. Deshalb war mir ein erneuter Besuch wichtig.



Die Umstellung auf Winterzeit schenkte uns heute Morgen eine Stunde. So konnte ich mir in aller Ruhe noch das Galileo-Video zum Besuch bei einer Freichristlichen Gemeinde anschauen. ICF spielt darin eine zentrale Rolle. Gutes journalistisches Handwerk schließt eine Recherche zur Bestätigung einer Meinung aus. So war auch der Film eher neutral und informativ gehalten. Der Zuschauer konnte seine eigene Meinung bilden. Ebenso nüchtern wollte auch ich diesen zweiten Besuch in der Ringbahnstraße angehen.

Schön, dass Du da bist!

Kurz vor elf traf ich ein. Die ganze Straße war zugeparkt. Große Bäume am Straßenrand bewegten sich im Wind und avisierten einen Versicherungsfall. Deshalb fuhr ich auf den Hof und stellte das Auto etwas unkonventionell auf die letzte mögliche Freifläche. Den Weg zum Treppenhaus kannte ich noch. Stimmen und Lachen hallten mir entgegen. Mit einem großen Schild freute sich ICF darüber, "dass Du da bist". Eine Frau mit ICF-Badge trat durch die Tür und begrüßte mich sehr freundlich.

Im Vorraum, der nun weiß gestrichen ist, standen jede Menge Leute und tauschten sich angeregt aus. Ich kaufte einen Kaffee. Dieser wird neuerdings in echten Tassen gereicht. Sehr freundliche und schnelle Bedienung. Da die Zeit etwas knapp war - wie ich dachte - betrat ich den abgedunkelten Saal. Der ICF-Mitarbeiter an der Tür lächelte und grüßte.

Damit hatte sich der lange geplante Evaluationsbesuch gelohnt! Alle Punkte, die uns im April so massiv gestört hatten, waren bemerkenswert gut nachjustiert worden.

Rechts, links und Nebel

Das Mittelfeld vor der Bühne war schon voll besetzt. So steuerte ich den rechten Block an. Wobei ich mich seit dem letzten Gottesdienst mit dem Bundestag frage, wo in einer Kirche rechts und links ist. Beim Auto und in der S-Bahn ist das einfach. Rechts und links wird nach der Fahrtrichtung bestimmt. In einer kontemporären Gemeinde ist das wahrscheinlich auch so.

Von der Bühne her dampfte der Party-Nebel und sorgte für eine abwechslungsreiche Lichtwirkung. Über die drei Leinwände flimmerten kurze Videos und ein Countdown. Bei ICF geht es fünf nach elf los. Medial alles sehr professionell und ansprechend. Interessant wäre, in welchem Turnus die coolen Videos wiederholt und neu erstellt werden. Der Nebel machte meinen Hals trocken. Ich leerte die Kaffeetasse.

Lobpreis auf Englisch

Die große Handtasche auf dem Nachbarstuhl hatte ich gar nicht bewusst wahrgenommen. Plötzlich setze sich eine Frau zu mir und stellte sich kurz vor. "Dann lass uns einen schönen Gottesdienst haben", sagte sie nach dem Smalltalk und das Lobpreisteam startete mit dem ersten Lied. Fast Alles wurde auf englisch gesungen. Eine Übersetzung gab es unter den Texten an der Leinwand. Ich kannte nicht eines der Lieder, konnte aber relativ schnell mitsingen.

Predigtreihe über Johannes 15

Neben mir setzte sich ein Matthias - Sammelbegriff in meinem Alterssegment - und stieß meine Kaffeetasse um. Egal, die war ja schon leer. ICF-Pastor Stefan Hänsch schloss heute eine Predigtreihe ab: "Die Kraft des Gleichen". Heute sollte es um nachhaltigen Erfolg gehen. Dass ICF keine Trendwende zum Wohlstands- und Wohlfühl-Evangelium macht, war eine der ersten Aussagen der Predigt.

Durch das Referat zog sich die mathematische Formel 5x+1. In dieser Formel ist die Eins konstant. Und jeder Christ dürfte wissen, dass diese konstante Eins gleichbedeutend mit Jesus ist. Der nachhaltige Erfolg stelle sich also ein, wenn man sich auf die einzige Konstante, nämlich Jesus, konzentriert und ihn als Basis und Quelle sieht.

Gestützt war die Predigtreihe auf Johannes 15. Dort geht es um den wahren Weinstock, die Reben, die Frucht und den Weingärtner. Die Gemeinde war herausgefordert, mehrere Wochen lang, genau diesen Text täglich zu lesen und darüber nachzudenken.

Stefan Hänsch sprach aber nicht von der Herausforderung, sondern von der Challenge. Die Bedeutung dieses Wortes kannte wohl jeder im Saal. Überhaupt verwendete er viele Anglizismen und war dialektisch nicht ein einziges Mal als gebürtiger Sachse zu erkennen. Deshalb war ich beeindruckt, als er diese Herkunft in die Predigt einfließen ließ.

Postludium

Nach der Predigt gab es eine weitere bewegende Zeit mit Sologesängen unter anderem von Thirzah. Ich überlegte, welcher Bibelstelle dieser Name zuzuordnen sei und verortete sie zunächst bei Mose. Das war fast richtig. 4. Mose 27, 1 berichtet uns, dass Thirzah eine der fünf Töchter Zelophehads war, ihre Schwester Milka hieß und es keine männlichen Erben in dieser Familie gab. Das löste damals einen rechtlichen Sonderfall aus.

Von der Bühne aus wurde noch einmal kurz die Bedeutung der Beziehung zu Jesus erklärt und ein gemeinsames Gebet zur Auffrischung dieser Beziehung gesprochen. Dann folgte eine Art Segen und die offizielle Verabschiedung. Das war für fast alle ICF-Besucher ein Signal zum schnellen Verlassen des Saales.

Namensvetter und andere Bekannte

Mein Nachbar und Namensvetter fragte mich, wie lange ich schon bei ICF sei. Ich sagte ihm, dass ich nur Gast sei und gleich zu Saddleback fahre, um dort meine Familie abzuholen. Der unaufhörlich in den Saal strömende Party-Qualm ließ meine Stimme versagen. Matthias schien bereits daran gewöhnt zu sein. Jedenfalls stellten wir fest, dass wir so einige gemeinsame Bekannte hatten und dass auch ein Ex-Mitglied meiner Ex-Gemeinde aktiv bei ICF eingestiegen sei. Das freute mich.

Wir unterhielten uns eine ganze Weile. Anschließend grabbelte ich die Tasse unter dem Stuhl hervor und ging in den lichten Vorraum. Dort tobte das Leben. Der Pastor diskutierte an einem Stehtisch. Ich drängte mich durch die Besucher. Mitglieder gibt es bei ICF übrigens nicht. Wer kommt, ist da und wer nicht mehr kommt, muss nicht extra austreten.

Am Tresen stellte ich die Tasse in eine Geschirr-Kiste und verließ den Ort des Geschehens. Mit einer Zwei-Punkt-Wendung setzte ich den Wagen frei und rollte über die nassen Straßen in Richtung City.

Samstag, 7. Oktober 2017

Kirche für Jedermann in Teltow

Die "Kirche für Jedermann" in Teltow ist eine freundliche und gemütliche Gemeinde, die sich jeden Samstag für zwei Stunden zum Gottesdienst trifft. Heute war ich dort zu Gast.


Hätte ich gewusst, dass die Hausnummer 18 am gefühlten Stadtrand von Potsdam liegt, wäre ich wohl mit Auto zur Kirche für Jedermann gefahren. So stellte ich beim Erblicken des ersten Straßenschildes "Potsdamer Straße" fest, dass ich noch über 70 Haunummern ablaufen müsse. Die Potsdamer Straße fiel durch zwei Dinge auf: Tod und Autohäuser. Zwei Bestatter, ein Denkmal mit mahnenden Toten und unzählige Gebrauchtwagen-Händler. Wenigstens regnete es nicht.

Willkommen!

Zehn nach zehn war ich endlich an der Eingangstür des großflächig bemalten Flachbaus angelangt. Die Begrüßung war sehr herzlich. Kaum hatte ich mich gesetzt, bekam ich als Gast einen Gutschein für den Buchertisch. Ich schnaufte noch etwas die 70 Hausnummern weg und hatte mich zum ersten Klang der Anbetungszeit wieder gefangen.

Anbetung

Die Anbetungszeit verdiente hier tatsächlich diese Bezeichnung, da die sehr bekannten Lieder aus den 1990ern klar auf die Ehre Gottes ausgerichtet waren und nicht auf unser Wohlbefinden. Wenn es um uns in den Liedern ging, dann mit der Bitte um ein neues Herz und die Symbiose mit Jesus. Der unterlegte Klangteppich aus Gitarren, Cajon und Keyboard hatte einen Drive, der mich die ganze Zeit über gefesselt hielt. Fasziniert war ich auch über die Harmonie der Stimmen.

Erlebt

Es schloss sich eine Zeit des Erzählens an. Endlich mal wieder eine Gemeinde, in der die Leute von ihren alltäglichen Erfahrungen mit Jesus berichten konnten. Die Leute von der Kirche für Jedermann hatten viel mitzuteilen und freuten sich gegenseitig an den Erfahrungen. Im Saal saßen etwa 50 Personen. In diesem Bereich bewegte sich auch das Durchschnittsalter mit leicht nach unten orientierter Tendenz. Hier entscheiden sich regelmäßig Menschen für Jesus. Heute sollte es sogar eine Taufe für einen Rollstuhlfahrer geben.

Die Gottesdienste finden samstags statt, weil die Wurzeln der Gemeinde auf die Adventisten zurück gehen. Hier ist aber Jedermann willkommen, so dass sich eine sehr heterogene Gruppe gebildet hat, die sich gegenseitig inspiriert.

Erziehung

Etwa zur Halbzeit wurde ein Bügelbrett mit Laken auf die Bühne getragen: das obligatorische Puppenspiel. Das Puppenspiel führte - wie auch diverse andere Elemente - zur Predigt hin. Es ging um Erziehung. Ein knuffiger Plüsch-Prinz wollte ein Praktikum als Erzieher machen und musste sich einem Test unterziehen. Er fiel durch.

Die Predigt wird bei der Kirche für Jedermann von Laien gehalten. Dadurch ist ein brauchbarer Alltagsbezug gewährleistet. Mit Hebräer 12, 6 wurden wir in die herausfordernden Facetten der Erziehung hineingenommen. Erziehung der eigenen Persönlichkeit durch schmerzliche Erfahrungen. Der heutige Prediger konnte das mit sehr vielen Beispielen plastisch erläutern und suchte auch immer wieder den Dialog mit den Zuhörern.

Segen

Zum Abschluss stellte sich die gesamte Gemeinde im Kreis auf, fasste sich an die Hände und sang ein Segenslied. Sehr familiär. Überhaupt hatte ich mich sehr heimisch gefühlt. Das Licht, die kneipenähnliche aber gemütliche Einrichtung und die natürliche Freundlichkeit der Anwesenden waren ein gelungener Mix, einen Schnupper-Gast zum Mitglied werden zu lassen.

Ich hätte mir noch ein Buch aussuchen können. Auch hätte ich noch zu Mittag essen können. Allerdings hatte ich heute noch weitere Termine und wollte das Diät-Essen in der Klinik nicht verpassen. So wechselte ich noch einige Worte und eilte hinaus. Auch der Rückweg über eine Parallelstraße dauerte 25 Minuten. Damit waren neben Laufband, Ergometer und Muskelaufbau noch zwei Einheiten Ausdauer-Training dazu gekommen. Eine ungeplante Sporteinlage von knapp sechs Kilometern schnell gelaufener Wegstrecke.

Sonntag, 24. September 2017

Erlebt in Potsdam

Die junge Gemeinde im Südosten von Potsdam sollte man einmal erlebt haben. "erlebt - Kirche für Potsdam" ist wie "Brücke Berlin" ein Gründungsprojekt unter dem Dach des Baptismus. Heute nutzte ich die Nähe meiner Reha-Klinik in Teltow, um den Gottesdienst bei "erlebt" zu erleben.



258 PS gleiten über die herbstlichen Straßen von Teltow-Fläming. Buntes Laub am Straßenrand, Nieselregen benetzt die Frontscheibe. LIMIT verhindert das obligatorische Blitzerfoto im Land Brandenburg. Untermalt wird das Ganze durch Anbetungsmusik von Michael W. Smith. Schon fast zu entspannend für eine Strecke, die ich noch nie gefahren bin.

K2 im Kuckucksruf 9

Nach einer halben Stunde habe ich das K2 im Kuckucksruf 9 erreicht. Immer noch erstaunt, dass mein Navi solch eine abenteuerliche Straße in einem gut bewaldeten Neubaugebiet überhaupt kennt. Ich parke in einer Nebenstraße und gehe zum einladenden flachen Gebäudekomplex des K2. Draußen begrüßt mich ein alter Bekannter. Ein Ex-Mitglied meiner Ex-Gemeinde, der mit seiner Frau bei erlebt eine neue geistliche Heimat gefunden hat.

Vor dem Flachbau stehen Leute um die 30, reden miteinander, lassen sich vom Regen berieseln und begrüßen mich sehr freundlich. Ab und zu huscht ein Kind an uns vorbei. Im Vorraum gibt es Kaffee und Kuchen und weitere Herausforderungen an mein Namensgedächtnis: Felix, Christoph, Tobias, Manuel, Christiane sind Namen, die ich mir auf die Schnelle merken kann. Ich baue Eselsbrücken und trainiere das Gelernte.

Herzlich Willkommen!

Mir wird eine Tüte in die Hand gedrückt: "Herzlich Willkommen! Schön, dass du da bist!!! JETZT ÖFFNEN", steht darauf. In der Tüte finde ich eine Beschreibung von erlebt, die fast identisch mit der Webseite ist und eine Gebrauchsanweisung für den Gottesdienst. Willkommenskultur wird bei erlebt groß geschrieben.

Der Gottesdienst beginnt fast pünktlich um 11 und startet nach einer kurzen Einleitung mit einigen flotten Lobpreisliedern. In unbekannte Lieder findet sich der Besucher schnell hinein. Im angemieteten Saal zähle ich etwa 50 Erwachsene: Altersdurchschnitt 35. Die Kinder werden vor der Predigt mit einem Bilderrätsel verabschiedet. Dann wird der Predigttext gelesen.

3 Sonntage, 3 Predigten, 3 Pastoren

Schon den dritten Sonntag geht es um Lukas 4 - die Versuchung von Jesus. Der Personalschlüssel von erlebt ist bemerkenswert: ein echter Pastor und zwei Azubi-Pastoren wechseln sich beim Predigen ab. Heute ist der Dritte von ihnen mit der dritten Versuchung dran. Das heißt, er predigt darüber. Immer wieder werden Beispiele aus dem persönlichen Erleben eingeflochten, so dass der Alltagsbezug des zukünftigen Berufs-Christen gesichert scheint. Die Predigt ist komplett ausformuliert, wird aber relativ frei vorgetragen. Er zitiert auch seine Vorredner in einer Weise, dass der Gast nicht den thematischen Anschluss verliert.

Nach der Predigt folgen weitere Lieder und das Abendmahl. Endlich mal wieder Abendmahl! Das erlebe ich viel zu selten. Bei erlebt kann ich es heute wieder erleben und freue mich sehr. Parallel wird Gebet angeboten. Eine Geste des Gitarristen suggeriert mir das plötzliche Ende des Gottesdienstes. Meine Nachbarin deutet an, dass noch der übliche Abspann komme. Tatsächlich folgen die Ansagen. Verschüchtert wird eine liebevoll gestaltete Spendenbox von hinten nach vorne durch die Reihen geschoben. Es folgt der Segen.

Mit Puls 100 nach Teltow

Beim Blick auf die Handy-Uhr sehe ich "6 Nachrichten in 2 Chats". Meine Familie inklusive Omas will mich heute in der Reha-Klinik in Teltow besuchen. Es ist schon halb eins. Ich rede noch kurz mit dem echten Pastor, verabschiede mich von meinen Bekannten und hetze zum Auto.

Handy raus. Meine Frau ist nicht erreichbar. Puls steigt. Baustellen und nicht beschilderte Umleitungen treiben den Puls weiter hoch. Die Zeit läuft. Puls steigt. 13:29 Uhr stelle ich den Wagen vor der Klinik ab und stürze in den Essenssaal. Es wird gerade aufgeräumt. "Sauerbraten ist alle, aber wir haben noch Cordon bleu", sagt mir die Dame im weißen Kittel. OK, passt zwar nicht zum Diätplan, ist aber lecker. Auf dem Zimmer messe ich den Puls: 100.

Sonntag, 3. September 2017

Brücke Berlin schließt Lücke in Charlottenburg

Brücke Berlin ist eine moderne Gemeinde und bedient seit einem Jahr eine Versorgungslücke in Charlottenburg. Zu siebent besuchten wir heute den Gottesdienst.



Es waren wohl vier Brücken, die wir auf der Fahrt zu Brücke Berlin in Charlottenburg überquert hatten. Was mit der Bahn etwa 80 Minuten dauerte, ging mit dem Auto auch in 35 Minuten vom Stadtrand aus. Vor der Hausnummer 94 stand bereits ein Mann mit blauem T-Shirt. "Brücke Berlin?", fragte er und streckte seinen Arm in Richtung Eingang aus. Wir schlenderten an einer orangen Fassadenfärbung entlang in den Hinterhof. Dort stand ein Mann mit Anzug. Dieser outete sich später als Fotograf. Er zeigte auf eine schmale Tür mit grauer Treppe.

Treppe ins Dachgeschoss

Als ich die Tür und die Treppe sah, versuchte ich tief durchzuatmen. Meine Familie hatte bereits eine halbe Etage erklommen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich eine Lungenembolie hatte. Ein Mann ignoriert starkes Seitenstechen. Geht ja auch irgendwann wieder weg. Brücke Berlin hat neue Räume im Dachgeschoss mit Oberlicht. Oben angekommen, kroch ich in den Flur und versuchte die vielen Bekannten halbwegs im Stehen zu begrüßen und hechelte erst einmal am Tresen aus. Die Kinder schauten mich besorgt an. Man reichte mir einen Becher mit Wasser.

Lobpreis und Gründer-Mentalität

Sitzen war gut! Wir okkupierten zwei Reihen. Der Saal füllte sich, so dass letztlich um die vierzig Erwachsene und einige Kleinkinder anwesend waren. Ein Schwarzer mit Krawatte trat ans Keyboard und wurde von einer voluminösen schwarzen Frau mit Gesang begleitet. Die Frau hätte mit ihrer Performance einen kompletten Gospelchor ersetzen können. Wir gingen mit. Knie wippten. Oberkörper bewegten sich im Rhythmus.

Zur Einleitung des Gottesdienstes war Torsten Hebel eingeladen worden. Torsten Hebel ist Moderator, Comedian und Gründer. Brücke Berlin schaut sich zurzeit die verschiedenen Gründertypen der Bibel an, so dass Gründer Hebel sehr gut passte. Mit viel Humor brachte er uns das Thema nahe und erzählte auch von seinen tiefen Krisen und Herausforderungen beim Gründen. Seinen Leitgedanken zum Gründen könnte man wie folgt zusammenfassen:

Hier ist ein Problem. Keiner löst es. Ich habe eine Idee. Also mache ich!

Zwischendurch wurden immer wieder Lieder von der kernigen Sängerin vorgetragen. Das verleitete mich zu der Annahme, dass Torsten Hebel auch die Predigt gehalten hatte. Die Predigt kam aber anschließend. Es ging um die Gründertypen Aquila und Priscila. Dass Priscila im Neuen Testament immer zuerst genannt wird, fand ich auf Nachforschung nicht bestätigt. Die Aufzählung wechselt immer ab. Egal, es muss sich jedenfalls um ein Dream-Team gehandelt haben, das zudem ehelich verbandelt war. Sie werden immer zusammen genannt und an ihren Wirkungsstätten hatten sie wohl immer richtig was bewegt. Ein vergleichbares Ehepaar saß übrigens heute mit uns im Gottesdienst.

1 Jahr Brücke Berlin

Nach Kollekte, Ansagen, Segen und einigen Liedern wurde das Buffet freigegeben. Brücke Berlin feierte heute sein einjähriges Bestehen und den Umzug in die Location im Dachgeschoss. Wirklich schöne Räume mit Blick auf den Himmel über Charlottenburg. Ich hatte keinen Hunger und hielt mich an einem Becher Kaffee fest. Wir wurden mehrfach angesprochen und hatten längere gute Unterhaltungen. Die Willkommenskultur war ausgesprochen gut.

Hier kannst du deinen Chef mitbringen.

Erklärtes Ziel der Brücke Berlin ist es, eine Gemeinde zu sein, in die auch der Chef mitgebracht werden kann, ohne dass man danach die Firma wechseln muss. Verständliche Predigt, moderne Elemente wie Lobpreis und Kabarett können wir nach dem Besuch bestätigen. Während sich die "coolen" Gemeinden in Mitte, Prenzlberg und Friedrichshain auf die Füße treten, ist Charlottenburg noch unerschlossenes Land. Brücke Berlin ist ein erster Schritt zur Bedienung dieser Lücke westlich der City.

Brücke Berlin läuft unter dem Dach des Bundes der Baptisten. Auch dort ist der Bedarf an Gemeinden für die unterschiedlichen Zielgruppen der Stadt angekommen und wird nun konsequent bedient. Würde Gemeindegründung meiner aktuellen Berufung entsprechen, hätte ich dort sicher den richtigen Partner gefunden.

Rückweg über drei Brücken

Vorsichtig stieg ich die Treppe herunter. "Merkst du, wie langsam du läufst", schaute mich meine Frau an. Die Familie drängte mich nach nur drei Brücken zum Stopp am Krankenhaus Friedrichshain: Notaufnahme, 10 Minuten warten und dreieinhalb Stunden CT, Infusionen, Spritzen, Röntgen, Ultraschall und letztlich die Diagnose: Lungenembolie. "Ich muss Sie hier behalten", sagte die Ärztin und schob mich mit Tropf, Kabeln, Beatmung und Monitoren in die Beobachtungsstation.

Sonntag, 25. Juni 2017

Kreuzkirche Lankwitz

Die Kreuzkirche Lankwitz ist eine gesunde Gemeinde für alle Generationen mit einem guten Ruf über den Süden Berlins hinaus. Heute besuchten wir den Vormittags-Gottesdienst.



Ob bei Mavuno, den Nazarenern oder beim Kneipengottesdienst in Lankwitz - immer ist von der Kreuzkirche die Rede. Ein guter Ruf eilt ihr voraus. Aber Lankwitz? 10 Uhr? Einmal quer durch die Stadt mitten in der Nacht?

Ich hatte meine eigenen Vorstellungen von der Kreuzkirche: Großer roter Backsteinbau mit Kirchturm und überdimensioniertem Kirchenschiff. Als wir mit methodistischer Pünktlichkeit 15 Minuten vor Beginn in die sehr enge Zietenstraße einbogen, wurde ich eines Besseren belehrt. Die Kreuzkirche befindet sich auf dem Areal eines ehemaligen Dachdecker-Betriebes und nutzt einen flachen Gebäudekomplex, der in der Tat dunkelrot ist. Aber weder ein Kirchturm noch der erwartete Sakralbau.

Alleinstellungsmerkmal: Jugendgruppe

Wir wurden sehr freundlich begrüßt und betraten einen Raum, der etwa 400 Besucher fasst. Bühne und Taufbecken befanden sich an der Längsseite des Saales. Dadurch hatten die Besucher von allen Seiten einen guten Blick auf das Geschehen.

Uns fiel die breite Altersdurchmischung auf. Ein Alleinstellungsmerkmal der Kreuzkirche ist wohl, dass es hier eine Jugendgruppe gibt, offensichtlich sogar eine große. Dieser Altersbereich fehlt in vielen Gemeinden der Stadt oder ist so versippt, dass eine externe Erweiterung kaum möglich ist. Dann wurde ich Zeuge, wie unsere Kinder angesprochen und zum parallelen Jugend-Gottesdienst eingeladen wurden. Alles ohne Druck und sehr charmant. Sie wollten aber lieber bei uns bleiben.

Klassik und Moderne

Wir entdeckten erstaunlich viele Bekannte: Team.F, Internetmission, Leute aus unseren früheren Gemeinden. Die Atmosphäre, der Umgang der Besucher miteinander und das Altersspektrum vermittelten einen sehr gesunden Eindruck.

Der Gottesdienst enthielt traditionelle und moderne Elemente. Klassisches Orgelspiel und Lobpreis mit Schlagzeug wechselten sich ab. Wegen einer Konferenz bekamen wir gleich noch die neuesten Informationen aus dem Methodismus vermittelt. So wussten wir bisher nicht, dass die Pastoren wohl jedes Jahr wie Russisch Roulette verteilt werden und die Gemeinde regelmäßig aufatmet, wenn die zweieinhalb Pastoren noch ein Jahr bleiben dürfen. Das wäre mir zu aufregend.

Heute ist dieses Wort vor euren Ohren erfüllt.

Nach wenigen Liedern, der Kollekte und den Ansagen ging es relativ schnell zur Predigt über. Es ging um einen meiner Lieblingstexte aus Lukas 4: Jesus liest in der Synagoge von Nazareth aus Jesaja vor, setzt sich, alle gucken und "Heute ist dieses Wort vor euren Ohren erfüllt". Ein genialer Text mit erheblicher Tiefe. Pastor Frank Drutkowski stellte drei Fragen, die er in etwa vierzig Minuten entfaltete. Wir waren zu sechst erschienen. Bei der anschließenden Reflexion stellten wir erfreut fest, dass die Aufmerksamkeit bei jedem von uns an einer anderen Stelle ausgesetzt hatte. Dadurch konnten wir das Gesagte gemeinsam vervollständigen. Mich hatte insbesondere der Teil mit "Das ist doch Josefs Sohn?!" und der Entwicklung von Jesus als Kind zu Jesus als dem Gesalbten Gottes angesprochen.

Lobpreis, Kaffee und Kontakte

Nach der Predigt gab es noch ein Sahnehäubchen: Lobpreis mit bekannten Liedern und zwei Sängern in Personalunion mit Keyboarder und Drummer. Mal wieder eine der wenigen Lobpreiszeiten, in denen sich Gänsehaut über meine Arme breitete. Ich war fasziniert, wie nur zwei Musiker mit nur zwei Instrumenten solch eine Klangfülle in den Saal gießen konnten.

Nach Vaterunser und Segen versorgten wir uns mit Kaffee und tauchten in die Konversation mit den oben erwähnten Bekannten ein. Mehrfach wurde uns berichtet, dass es bei der Kreuzkirche sehr kompetente Seelsorge gäbe. Insgesamt alles sehr herzlich, hell und freundlich. Auch die Kaffee-Logistik funktionierte wie ein Schweizer Uhrwerk. Letztlich mussten wir uns von der Gemeinde losreißen und fühlten uns dabei ein wenig wie Paulus in Apostelgeschichte 20.

Auf dem Rückweg kamen wir an der EFG (Baptisten) und ICF Tempelhof vorbei. Dann ging es auf die Stadtautobahn. Die vielen Baustellen in der City wollten wir uns nicht antun. Zum Mittag gab es Eierkuchen und einen regen Austausch über die äußerst positiven Erfahrungen in der Kreuzkirche Lankwitz.

Sonntag, 30. April 2017

Berlin Connect - Hillsong Family in der Kulturbrauerei

Berlin Connect gehört zur Hillsong Family und spricht Young Professionals und Studenten auf Englisch an. Die Willkommenskultur ist beispielhaft. Heute besuchten wir Berlin Connect in der Kulturwerkstatt.



Berlin Connect feiert seine Gottesdienste inzwischen im Hotel Maritim proArte stattfinden. So hatte ich es zumindest der Webseite entnommen. Wir entschlossen uns für eine Anreise mit der S-Bahn. Kurz vor elf traten wir in die Lobby und fragten nach dem Gottesdienst. "Sie meinen diese Kirche", fragte die Dame an der Rezeption. Ihre Kollegin bot noch das "Gebet für Berlin" an. Aber beides fand heute nicht statt. Da hatte ich mich wohl verguckt.

Flexibler Ortswechsel

Smartphone, Webseite, Aha: Kino in der Kulturbrauerei, 11:00 Uhr. Wir entschieden uns, mit der Straßenbahn zur Kulturbrauerei nach Prenzlauer Berg zu fahren. Die M12 kam kurz nach elf und zuckelte eine Viertelstunde von der Friedrichstraße in den Trendbezirk.

Im Blogbeitrag aus 2015 wurde nichts von einem akademischen Viertel erwähnt. Deshalb gingen wir davon aus, dass wir mitten in den Gottesdienst hineinplatzen. Auf dem Weg malten wir uns aus, wie wir neben der Bühne die Tür zum Saal öffnen und alle Augen auf uns gerichtet sind. Schnell deklarierten wir die Peinlichkeit in eine geeignete PR-Aktion um und gingen zielstrebig auf den gelben Backsteinkomplex zu.

Welcome Home

Der Weg zum Gottesdienst war gut ausgeschildert. An der Treppe wurden wir sehr freundlich begrüßt und jegliche Bedenken wegen des Zuspätkommens zerstreut. An der Tür empfing uns eine Mitreisende des #MDGC16-Teams und organisierte für meine Frau ein Kopfhörer-Set. Der heutige Gastredner solle sehr schnell sprechen. Inzwischen sind wir jedoch verschiedene Referenten mit markantem "American English" gewohnt. Deshalb verzichtete der Rest der Familie auf eine Simultan-Übersetzung.

Im Kinosaal nahm uns ein weiterer Mitarbeiter mit Welcome-Home-Shirt in Empfang und zeigte uns eine freie Sitzreihe. Die Lobpreiszeit war noch in vollem Gange. Auf der Bühne spielte eine Band und wurde von vier Sängerinnen unterstützt. Die Gemeinde konnte den jeweiligen Text an der riesigen Kinoleinwand ablesen.

Wir hatten also noch nicht so viel verpasst. Es folgten die Ansagen per Videobotschaft und die Kollekte mit großen Plastiktöpfen. Diese werden wohl originär für Grünpflanzen verwendet. Es konnten neben Geld auch die im Responsive Design gestalteten Kontaktkarten eingeworfen werden.

Dein Wert bei Gott

Dann trat Sy Rogers auf. Ein Mann mit einer sehr bewegten Historie und einer entsprechenden Kompetenz bei der Seelsorge in sexuellen Fragen. Letzteres passte sehr gut zur aktuellen Seminarreihe "God, Sex & Culture", die noch an drei Abenden im Mai fortgesetzt wird.

Auch wenn Sy Rogers nur wenige Bibelstellen zitierte, hatte er doch eine klare Kernbotschaft: Jeder Mensch hat einen Wert vor Gott. Im Deutschen wird immer von "Liebe" geredet, während andere Sprachen wie Griechisch, Latein oder Englisch nach Mitgefühl, Erotik, Freundesliebe oder Wertschätzung differenzieren. Das hilft bei der Auslegung und Umsetzung der Bibelstellen deutlich mehr als der frei interpretierbare Begriff "Liebe".

Die Performance von Sy Rogers war so brillant, dass die in der Tat sehr schnelle Aussprache und die Länge der Predigt kaum ins Gewicht fielen. Meine Familie konnte gut folgen und lachte an den richtigen Stellen, was auf ein problemloses Verstehen des englischen O-Tons hindeutete. Spontane Amen-Zurufe und nonverbale Gesten aus dem Publikum zeigten eine breite Übereinstimmung mit dem so lebhaft auf der Bühne vorgetragenen Thema.

Während der Predigt scannte ich gedanklich mehrere Personen aus dem Bekanntenkreis und überlegte, ob ich sie ihrem Wert vor Gott entsprechend behandle und wo konkreter Optimierungsbedarf bestehe.

Segen und Integration

Zum Abschluss wurde ein Start in die Beziehung zu Jesus inklusive Übergabegebet angeboten. Dann folgte eine weitere Kollekte, diesmal für Sy Rogers. Nach den Segenswünschen für die kommende Woche verließen die Besucher den Kinosaal.

Es waren nur noch wenige Minuten bis zum 13-Uhr-Gottesdienst. Dennoch widmeten sich die Welcome-Home-Mitarbeiter entspannt den Gästen und Dauerbesuchern. Selbst unsere Kinder wurden von etwa sechs Gemeindeleuten angesprochen. Eine integrative Atmosphäre, in die man gerne öfter eintauchen möchte. "Bis nächsten Sonntag", wurden wir verabschiedet und mussten uns regelrecht losreißen.

Beim benachbarten "Pane e Vino" reflektierten wir bei Pizza für 3,90 Euro den Gottesdienst und entschieden uns für den Besuch eines der Seminare im Mai.

Sonntag, 23. April 2017

Saddleback Berlin mit Taufe und Live-Predigt

Heute war ein besonderer Sonntag bei "Saddleback". Mit baptistischen Wurzeln sind regelmäßige Taufen schon fast ein Muss. Ergänzend dazu wurde heute auch noch live gepredigt. Buddy Owens, der Mentor von Pastor Dave Schnitter, war aus Kalifornien angereist, so dass auf die übliche Video-Predigt verzichtet wurde.



Bereits gegen 8:30 Uhr hatte "a couple of guys" das Taufbecken im Hof der Kalkscheune aufgebaut. Eine Gartenplansche von 2,6 x 1,6 x 0,65 Metern und einem Fassungsvermögen von 2.700 Litern Wasser. Egal, Hauptsache ein Wasserstand, der ein komplettes Untertauchen als Symbolhandlung gemäß Kolosser 2, 12 und Römer 6, 3-4 ermöglicht. Der zeitgenössische Baptismus kann sogar den gesamten Akt der Taufe per Video festhalten. Dazu reicht eine der beliebten Action-Kameras oder ein wasserdichtes Smartphone.

Gottesdienst in der Kalkscheune

Als wir gegen zehn bei Saddleback eintrafen, plätscherte das Wasser ins Taufbecken. Wenige Stunden zuvor war meine Frau mit ihren Freundinnen an dieser Stelle noch von einem Dance Floor zum nächsten geschwebt. Dave Schnitter begutachtete das Wasser und eilte dann in den zweiten Stock, um die Gottesdienstbesucher zu begrüßen.

Als der Countdown endete und die ersten Gitarrenklänge von der Bühne schallten, war es noch sehr leer im Saal. Nirgends konnte ich Buddy Owens entdecken und fragte mich, ob heute flexibel umdisponiert werde. Aber der Raum füllte sich und füllte sich und zum Ende der Lobpreiszeit erspähte ich den heutigen Redner ganz hinten in der Ecke. Er beobachtete von dort aus den europäischen Ableger der amerikanischen Muttergemeinde, die mit 20.000 Gottesdienstbesuchern als "Mega Church" bezeichnet wird. Die Bezeichnung "Groß-Mutter" könnte hingegen zu Verwechslungen führen.

Buddy und Matthäus

Buddy Owens justierte sein kleines Mikrophon am Hemdskragen und legte los. Er redete über "die skandalöse Liebe Gottes" und hangelte sich dabei an diversen Bibelstellen entlang. Den Zuhörern stand wie üblich ein Begleitzettel für Notizen zur Verfügung. Es ging um Matthäus, der das Matthäus-Evangelium geschrieben hatte. Als Zollbeamter wurde er von den Leuten seines eigenen Volkes gemieden und die Römer mochten ihn nicht, da er kein Römer war. Matthäus saß also zwischen den Stühlen und hatte lediglich sein Geld und Freunde mit ähnlichen gesellschaftlichen Kennziffern. Den Juden galt er als "unrein" und hatte damit keinen offiziellen Zugang mehr zu Gott.

Jesus ist für sein unkonventionelles Vorgehen bekannt. In Matthäus 9 Vers 9 kommt er am Zollhaus vorbei, schickt einen seiner Schüler los und lässt dem Beamten ausrichten: "Wenn du alles richtig machst und dich ordentlich anstrengst, können wir mal über eine Begegnung reden". Nein, so war das nicht. Der Text beschreibt das folgendermaßen: "Und Jesus sah einen Mann im Zollhaus sitzen, der Matthäus hieß, und sagte zu ihm: Laufe hinter mir her". Solch eine Ansprache war völlig unerwartet und neu für Matthäus.

Blickwinkel

Neu für mich war die Interpretation von Matthäus 13, wo es um die kostbare Perle und den Schatz im Acker geht. Seit meiner Kindergottesdienstzeit hatte ich verinnerlicht, dass der Kaufmann ein Mensch ist, der endlich zu Jesus, also der kostbaren Perle findet und dann alles andere dafür aufgibt, um diese Perle zu bekommen. Buddy Owens wechselte die Blickrichtung und setzte Jesus an die Stelle des Kaufmanns. Jesus, der mit seinem Leben dafür bezahlte, dass er mich gewinnen kann. Sagenhaft. Eine Sicht, die auch auf den Schatz im Acker adaptierbar ist und viel logischer klingt als die bisherige Interpretation.

Kaffee am Pool

Nach dem Gottesdienst sollten wir uns alle noch Kaffee holen und in den Hof gehen. Dave Schnitter hatte Shorts und ein dunkelblaues Tauf-Shirt, ein T-Shirt sozusagen, angezogen. Auch Buddy Owens war so gekleidet, trug aber keine Schuhe. Er zitterte, trug die Unterkühlung jedoch mit Fassung. Es wurde noch einmal heißes Wasser in den Pool gegossen und dann konnte es losgehen. Der Hof der Kalkscheune war jetzt mit Menschen sämtlicher Nationalitäten und Altersgruppen gefüllt, die mit Smartphones und Kaffeebechern dem Geschehen beiwohnten. Spontan entschied sich noch eine weitere Frau zur Taufe, so dass es insgesamt sieben Unterwasseraufnahmen mit der GoPro geben konnte.

Sieben Taufen

Dave erklärte kurz den Sinn der Taufe anhand der oben zitierten Bibelstellen. "It's a symbol", sagte er und wie auf Knopfdruck ging ein Platzregen auf die Sonnensegel im Innenhof nieder. Dieser wurde immer stärker und endete in einem Hagel. Die Sonnensegel schützten jedoch die Gemeinde, so dass nach einer kurzen aber würdigen Beachtung des Zeichens vom Himmel die Zeremonie fortgesetzt werden konnte. Buddy und Dave stiegen ins Planschbecken und tauchten alle sieben Personen nacheinander komplett unter. 2,6 x 1,6 Meter waren ein durchaus geeignetes Maß dafür. Mit Applaus und Ausrufen der Begeisterung begrüßte die Gemeinde die "auferstandenen" Familienmitglieder.

Dreieinhalb Grad

Während sich die Getauften abtrockneten, traten wir den Heimweg an. Da es immer noch regnete und sich große Pfützen am Straßenrand gesammelt hatten, führte ich meiner Familie das sogenannte "Drive By Baptism" vor. Es fanden sich allerdings keine Interessenten. Kurz vor der Haustür merkte ich beim Bremsen ein gewisses Aquaplaning. "Ja, meine Sommerräder rutschen auch öfter mal bei den aktuellen Temperaturen", sagte meine Frau. Ich schaute aufs Thermometer: 3,5 °C.

Samstag, 22. April 2017

Every Nation Berlin - samstags im Prenzlauer Berg

Der Name "Every Nation Berlin" lässt bereits vermuten, dass es sich um eine jugendliche Gemeinde mit internationalem Touch handelt. Der entscheidende Unterschied zu vergleichbaren Gemeinden besteht darin, dass die beiden Gottesdienste am Samstag stattfinden.



Diese Gemeinde wollte ich schon länger einmal besuchen, hatte mir aber nur etwas wie "internäschnell" und "Tschörtsch" gemerkt und war Dank Google bei der BICC im CinemaxX gelandet. Eine interessante Erfahrung, aber eben nicht die gesuchte Zielgemeinde. Inzwischen konnte ich noch einmal nachfragen und mir tatsächlich "Every Nation" merken.

Die Parkplatzsituation in der Heinrich-Roller-Straße war unerwartet entspannt. Punkt 19:30 Uhr trat ich durch die Tür der Nummer 13. Im Erdgeschoss hat die Gemeinde mehrere Räume ausgebaut.

Gemütlich

Ich fand mich in einer regelrechten Club-Atmosphäre wieder. Überall wuselten einheimische und internationale Mittzwanziger herum. Einige hatten es sich bereits auf den Ledersofas und Kneipenstühlen im Hauptsaal gemütlich gemacht und lauschten der mit Musik untermalten Begrüßung. Kein akademisches Viertel und kein Countdown.

An einer Säule lehnte ein Bekannter vom CVJM. "Ich höre mir noch die ersten drei Lobpreislieder an und gehe dann", sagte er und erklärte mir, dass er bereits beim Siebzehn-Uhr-Gottesdienst dabei gewesen war. Zudem solle ich mich nicht wundern, dass es hier sehr charismatisch zugehe. Das klang spannend.

Intensive Anbetungszeit

Ich setzte mich vor das Mischpult und ließ mich vom Drive der Lobpreisband mitreißen. Die Lieder waren teilweise bekannt oder so sparsam mit Text versehen, dass der Erstbesucher schnell auf Deutsch oder Englisch mitsingen konnte. Eine derart intensive Anbetungszeit hatte ich schon lange nicht mehr erlebt und ertappte mich im gedanklichen Abschweifen und dem simultanen Lobpreisgebet. Nach dem geistigen Exkurs klang immer noch dasselbe Lied durch den Raum, was jedoch in diesem Kontext weder störend noch langweilig wirkte.

Kollekte und der Altersdurchschnitt

Die Kollekte zur Halbzeit erzeugte eine gewisse Aufbruch-Stimmung. Ist jetzt schon Schluss? Ein Teil der etwa hundert Leute blieb sitzen und befüllte die mit Geschenkpapier beklebten Sammelboxen.

Das Durchschnittsalter von "Every Nation Berlin" muss bei Mitte zwanzig liegen. Einige Ältere hatten sich zwar im Saal verteilt, aber ansonsten zeigte sich eine recht homogene Altersstruktur. Ansagen, Berichte und Predigt wurden auf Deutsch und Englisch vorgetragen, so dass immer mindestens zwei Personen auf der Bühne standen.

Every Nation ist eine Gemeindebewegung, die in etwa fünfzig Ländern vertreten ist. Heute Abend wurde ein starker südafrikanischer Einfluss deutlich.

Heilung und Prophetie

Ein wenig fühlte ich mich in die frühen Jahre der Gemeinde auf dem Weg versetzt, als diese noch liebevoll als "Phila" (Philadelphia Gemeinde) bezeichnet wurde und sich in Schöneberg zum Gottesdienst traf. Warum kam ich mir nur plötzlich so alt vor?

Krankenheilung, Handauflegung, Sprachengebet und Prophetie sind selbstverständliche Elemente des Glaubenslebens bei Every Nation. Zudem zog sich durch den gesamten Gottesdienst der Hinweis auf den stellvertretenden Tod von Jesus, der damit die Trennung in der Beziehung zu Gott beseitigt hatte. Auf der Bühne stand ein Kreuz mit der Aufschrift "Gnade".

Sonne, steh still!

Heute ging die Predigtreihe "Auf in den Kampf" zu Ende. Es ging um die Schlacht bei Gibeon aus Josua 10. Nach einer sehr guten Erklärung der Gründe für die Kriegshandlungen im damaligen Kanaan ging der Referent auf die erhebliche Leistung der israelischen Soldaten ein, die eine ganze Nacht marschiert waren und dann gleich einen Tag lang kämpften. Gott unterstützte den Kampf mit Hagel. Und damit nicht genug: Josua sprach dann zur Sonne und zum Mond, dass sie still stehen bleiben sollten und sie taten das. Somit konnten die Soldaten einen weiteren Tag kämpfen und die fünf Armeen der Amoriter inklusive der fünf Könige vernichtend schlagen.

Daraus ließen sich viele interessante Gedanken für unsere Alltagssituationen ableiten. Rede mit Gott und rede zu den Herausforderungen, zu den im Weg stehenden Bergen. Der spannende Bibeltext und der Mix mit persönlichen Erlebnissen machten die Predigt lebendig und etablierten eine Aufmerksamkeit, die bis zum Schluss andauerte. Flankiert wurde das durch Themenfotos auf der Leinwand.

Flyer und Gebet

Am Ende konnten die jeweiligen Sitznachbarn füreinander beten. Dabei sollte auch die Frage nach einer konkreten Entscheidung für Jesus gestellt werden. Die Frage nach der Entscheidung und das Angebot der entsprechenden Begleitung fand sich auch auf den Flyern wieder, die auf den Plätzen lagen oder an Erstbesucher ausgeteilt wurden. Als ich die Nummer 13 verließ, regnete es. Ich stopfte die Flyer in meine Jacke und begab mich zum Parkplatz.

Wichtige Info per November 2018:
Die Gemeinde ist umgezogen und hat neue Gottesdienstzeiten. Every Nation Berlin trifft sich ab sofort jeden Samstag um 17 Uhr in der Anklamer Str. 31, 10115 Berlin.

Freitag, 14. April 2017

Karfreitag in der Gemeinde auf dem Weg

Die "Gemeinde auf dem Weg" liegt an der Peripherie Berlins. Am heuten Karfreitag machten wir uns auf den Weg nach Tegel zu einem "Konzert für Gott".



Es sind immer exakt 110 Kilometer, die ich nach einer Fahrt nach Tegel in mein Fahrtenbuch eintrage. Von Marzahn aus auf die Autobahn, den Nordring entlang und am Kreuz Oranienburg wieder in Richtung City. Am Karfreitag oder am Sonntag geht das in einer halben Stunde. Wegen der genialen Autobahnanbindung ist die Gemeinde auf dem Weg (GadW) aber auch aus anderen zentralen oder peripheren Teilen Berlins und des Speckgürtels gut zu erreichen.

Gesunder Mix

Bereits im letzten Jahr hatten wir das Lobpreis-Konzert in Tegel besucht und dabei viele alte Bekannte getroffen. Heute hatten wir uns mit niemandem verabredet. Als wir zehn vor acht in die Lobby traten, hatten sich schon einige Menschentrauben gebildet. Demografisch und ethnisch waren die Anwesenden stark diversifiziert und stellten damit einen gesunden Mix für den nachhaltigen Bestand dieser Gemeinde dar. Am Eingang beteten zwei Besucher füreinander.

Nachdem wir einige Zeit das Treiben beobachtet hatten, wurden die Türen zum Saal geöffnet. Die Bühne war bereits in ein oranges Lichtspiel getaucht. Wir setzten uns relativ nah an die Bühne.

Bekannte Lieder

Kurz nach acht ging es los. Der Abend bestand aus drei Elementen: Lobpreis, Textlesung und Abendmahl. Die Band mit zwei Sängerinnen, drei Gitarren, einem Schlagzeug und einem Keyboard spielte fast nur Lieder, die wir kannten und auch mit geschlossenen Augen mitsingen konnten. Auch die Kinder kannten fast alle Lieder, egal ob sie auf Deutsch oder Englisch vorgetragen wurden.

Die Texteinblendungen erinnerten mich an meine damaligen 20-Zoll-Sommerreifen von Hankook, die bei Nässe auch immer erst nach einer Gedenksekunde reagierten. Wegen der Bekanntheit der Lieder konnten wir die ersten Worte des Textes aus der Melodie und der Erinnerung ableiten.

INRI, Markus und das Abendmahl

In zwei Blöcken wurde der Bericht über Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung von Jesus aus dem Markus-Evangelium vorgelesen. Umrahmt wurde das von weiteren Liedern. An zwei Stellen vor der Bühne wurde das Abendmahl mit wahlweise Saft oder Wein ausgeteilt. Diesmal war es nicht zu knapp, obwohl fast so viele Besucher wie im letzten Jahr gekommen waren.

Anders als im Vorjahr war übrigens auch, dass der Gottesdienst schon kurz nach neun zu Ende war. Viele der Anwesenden fluteten danach gleich hinaus. Auf dem Parkplatz standen überraschend wenige Autos und viele kleine Grüppchen liefen die Straße entlang ins nächtliche Tegel. "Wo gehen die hier alle hin", wollte mein Sohn wissen. Ich konnte ihm das nicht beantworten und bog auf die Stadtautobahn ein.

Kurze Wege

Etwa eine halbe Stunde später waren wir wieder zu Hause. Parkplatz direkt vor der Tür und wieder einmal genau 110 Kilometer im Fahrtenbuch. Meine Frau hatte in der Zwischenzeit ein Karfreitagsvideo an sämtliche Bekannte gesendet und eine der letzten Predigten von Rick Warren nachgehört. Sie hatte auch nicht damit gerechnet, dass wir schon so früh zurück kommen.

Sonntag, 9. April 2017

ICF Tempelhof mit Autobahnanschluss

Innerhalb von zwei Jahren musste ICF Berlin mehrfach die Location wechseln. Heute besuchten wir den Gottesdienst in der Tempelhofer Ringbahnstraße.



Einen Besuch in der Ringbahnstraße hatte ich mir schon lange vorgenommen. Zweimal hatten wir ICF im Ullsteinhaus besucht, einmal im Gasometer und einmal zu Weihnachten im Kino der Gropiuspassagen. Zum Jahreswechsel war ICF Berlin in neue Räume in der direkt an der Stadtautobahn gelegenen Ringbahnstraße umgezogen. Ein typisches Industrie- und Bürogebäude mit kleinem Parkplatz und niedriger Hemmschwelle für Erstbesucher.

ICF Welcome Home

Da wir nicht wussten, wie die Parkplatzsituation auf dem Hof aussieht, nutzten wir eine Lücke gegenüber der knallroten Beachflag "ICF WELCOME HOME". In der Einfahrt stand ein Mann mit blondem Haar und einer deutlich erkennbaren ICF-Beschilderung um den Hals. Er begrüßte uns sehr freundlich und versicherte uns, dass es bei ICF kein akademisches Viertel gebe. Das war gut so, da wir sehr früh vor Ort waren: zehn vor elf.

Während die Familie noch ratlos nach dem Weg spähte, entdeckte ich an der rechten Ecke des Vorhofes die nächste knallrote Beachflag "WELCOME HOME". Knapp konnten wir dem Überrollen durch ein Fahrzeug aus Potsdam-Mittelmark entgehen und erreichten unbeschadet den Eingang. Wir liefen durch das Treppenhaus und sahen eine angelehnte Tür. Dahinter wurde ein größerer Raum in Betoncharme sichtbar. Dieser war schon reichlich mit jungen Leuten und deren Kleinkindern gefüllt.

Willkommen und Transparenz

Langsam und präsent schlenderten wir durch den Raum, schauten uns um, bewegten uns auf den gegenüberliegenden Gang zu, blickten in eine Kinderecke und gingen dann in den großen hellen Vorraum zurück. Auf dem Weg begegneten uns mehrere Personen mit ICF-Badge. Allesamt blickten sie durch uns hindurch. Der gläserne Gast.

An der Theke wurde zuerst der hinter uns stehende Mann bedient. Dann kauften auch wir zwei Becher Kaffee für zwei Euro und stellten uns damit ans Fenster. Von dort aus beobachteten wir die hereinflutenden Gottesdienstbesucher. Einige kannten wir vom Sehen oder vom SOLA. Auch mutmaßliche Dauerbesucher standen wie Luft im Vorraum.

Gottesdienst

Als die Türen zum Saal geöffnet wurden, verständigten wir uns darauf, im Mittelfeld zu sitzen. Die Familie hatte mit der Reihe ganz hinten geliebäugelt. Es müssen um die 160 Sitzplätze gewesen sein. Optisch erinnerte uns der Saal an die Equippers in der Blissestraße.

In medialer Perfektion flimmerte ein Video über die Leinwände. Coole Szenen, attraktive Mittzwanziger und ein genialer Schnitt zeichneten dieses Intro aus. Es folgte eine kurze Begrüßung und dann startete die Lobpreisband. Keines der im Verlauf des Gottesdienstes gespielten Lieder war uns bekannt. Fast alles auf Englisch, die Texte gelegentlich etwas flach, aber eine gute musikalische Performance.

Hashtag Jesus

Die aktuelle Predigtreihe #JESUS umfasst mehrere Themenkomplexe. Heute sprach André Schönfeld von ICF Grünheide über Freundschaft. Mein Sohn konnte sich im Vorfeld noch daran erinnern, dass es bei unserem Besuch in Grünheide um Kreise ging, in denen man sich bewege und die man auch mal übertreten solle. Heute wurden mehrere Bibelstellen von Adam und Eva, über Mose und die Schlacht gegen Amalek bis hin zu "Ich habe euch Freunde genannt" aus Johannes 15 Vers 15 zitiert.

Der Referent hantierte die gesamte Predigt über mit einer großen Blumenspritze und pumpte die potenzielle Sprühkraft auf. Die ersten beiden Sitzreihen waren bereits befeuchtet worden und es war unklar, ob die Spritze später noch zur Reaktivierung der Aufmerksamkeit genutzt werde. André zog damit eine Parallele zum Prinzip von Druck und Stärkung.

Nach der Predigt folgten weitere unbekannte Lieder, eine kurze Gebetszeit für die Anliegen auf dem Screen sowie ein Segensgebet.

Postludium

Die "transparente" Willkommenskultur hatte eine nachhaltige Wirkung auf mein Wohlbefinden und die Bleibeperspektive. Unmittelbar nach dem Amen strebte ich dem Ausgang entgegen. Eine der oben erwähnten ICF-Schildträger stand im Vorraum und grüßte nun freundlich. Dann folgte sie uns Richtung Ausgang. Sie wollte wissen, ob wir das erste Mal bei ICF seien und lud uns zu einem Getränk ein. War nett gemeint, aber der richtige Zeitpunkt verpasst. Ich lehnte ab und trat ins Treppenhaus.

Meine Familie fand das zu hart und versuchte mich zu beruhigen: "Wir sind bei ICF noch nie begrüßt oder angesprochen worden". In dieser Form war mir das bisher noch gar nicht aufgefallen, wahrscheinlich weil ich sonst immer selbst auf die Leute zugegangen war.

Jedenfalls hatte die Familie einige Impulse aus der Predigt mitgenommen und zählte diese auf dem Weg zum Parkplatz auf. Während der gesamten Rückfahrt diskutierten wir sehr akzentuiert, bis uns schließlich mit Türkischer Pizza und Döner der Mund gestopft wurde.

Sonntag, 12. März 2017

Equippers Berlin

Die "Equippers" möchten laut ihrer Webseite "Menschen durch den Glauben an Jesus Christus für das Leben ausrüsten". Heute besuchten wir die "Ausrüster", neudeutsch "Equippers", in der Blissestraße.



Equipment ist immer gut. Bands beschäftigen Rowdies zum Verlagern ihres Equipmets. Seminarleiter haben Equipment in Form von Laserpointern dabei. Überlebenstrainer führen als Equipment ein Zelt mit. Designer klappen frutarische Notebooks als kompetenzstärkendes Equipment auf. Handelsvertreter nach HGB §84 haben Kugelschreiber als Equipment im Sakko. Pastoren legen Bibeln als berufstypisches Equipment auf dem Bühnenequipment ab.

City-Gemeinde im Geschäftshaus

Das erste Equipment, das uns auf die Ausrüster in der Blissestraße hinwies, war eine rote Strandflagge, im Katalog "Beachflag" genannt, mit der Aufschrift "Equippers". Diese war auch mit Gleitsichtbrille besser als die Hausnummer 2 zu erkennen. Direkt hinter dem Eingang war das Haus mit einem Elevator, zu deutsch Fahrstuhl, equippt, so dass der Aufstieg in die vierte Etage des Geschäftshauses für Besucher jeden Alters erleichtert wurde.

Vor dem Fahrstuhl stand ein mit rotem Badge ausgerüsteter Mitarbeiter und lotste die Gäste zum Gottesdienst. Die Willkommenskultur war beispielhaft. Von mehreren Leuten wurden wir proaktiv begrüßt und gefragt, ob wir das erste Mal zu Gast seien. Man empfahl uns die Ausrüstung mit einem Kaffee und wünschte uns eine gute Zeit im Dachgeschoss gegenüber des ehemaligen Domizils der Philippinischen Botschaft.

Echte Band

Wenn eine Lobpreisband die Bezeichnung Band verdient, dann die Band der Equippers. Unmittelbar nach pünktlichem Ablauf des Countdowns rockten sie los. Neben zwei Sängerinnen und einem Sänger waren vier weitere Musiker aktiv, die die Equipments E-Gitarre, Bass-Gitarre, Konzertgitarre, Keyboard und Schlagzeug bedienten. Es wurde weitestgehend deutsch gesungen, wobei ich keines der Lieder kannte.

Pastor Jürgen Eisen begrüßte die Gemeinde und übergab den Predigtteil an zwei Mittzwanziger, die gerade in der Pastorenausbildung stehen. Für Daniel und Elisa wurde zunächst eine große Leiter auf der Bühne platziert. Ein spannendes Equipment, mit dem man auch den Beamer oder die Spots an der Decke hätte reparieren können.

Leiterschaft mit Daniel, Elisa und Ruth

Mit Daniel und Elisa waren nicht zwei meiner Lieblingspropheten aus dem Alten Testamentes gemeint, sondern zwei frische Theologiestudenten. Sie predigten über das Buch Ruth mit dem besonderen Fokus auf Entscheidungen. Entscheidungen, die gravierende Konsequenzen haben können und aus Logik oder aus dem Herzen heraus getroffen werden. Von Ruth wissen wir, dass ihre Entscheidung als richtig reüssiert hatte. Ihre Schwägerin hatte sich für die logische und bodenständige Variante entschieden und war damit aus der biblischen Berichterstattung verschwunden.

Trotz ihres zarten Alters schöpften die beiden Referenten aus ihrem persönlichen Erleben in Bezug auf Entscheidungen und brachten das Thema anhand mehrerer Verse des Ruth-Buches didaktisch gut auf den Punkt. Während Daniel mutig die Stufen der Aluleiter erklomm, ersparte sich Elisa diesen sportlichen Akt. Sie hat als Frau schon genug Herausforderungen in ihrem Seminar, das traditionell eher von Männern frequentiert wird.

Gebet und Entscheidung

Zum Ausklang der Predigt ging es ans Eingemachte. Ein Aufruf zum Gebet und die Frage in die Runde, wer denn aktuell vor wichtigen Entscheidungen stehe. Man wolle konkret für die Person und das Anliegen beten. Die Karten mit der Aufschrift "GEBET" waren mir schon am Infotisch aufgefallen. Dass Gebet groß geschrieben ist, merkten wir an vielen Stellen des Gottesdienstes. Praktische Ausrüstung für den Alltag als Christ.

Am Ende sprach uns Jürgen Eisen an und ließ uns vom Equipment zur Nostalgie umschwenken. Mit Jürgen Eisen hatte ich vor knapp dreißig Jahren im Rahmen der Jugendleitung zu tun. Letzte Woche waren wir im Süden Berlins unterwegs und kamen dabei an seiner alten Heimat vorbei. Witzig, dass wir ihn ausgerechnet wenige Tage später als Pastor einer City-Gemeinde treffen. Hintergrund der Equippers ist der BFP Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden, dem auch die ChristusKirche in Mitte angehört.

Gemeinde sucht Raum

Etwa 150 Gottesdienstbesucher hatten wir gezählt. Der Raum war randvoll und bot keine wirklichen Erweiterungsmöglichkeiten. Wie wir erfuhren, gehören der Gemeinde jedoch knapp doppelt so viele Menschen an, die sich in Gesamtheit gelegentlich Open Air oder in einem eigens dafür angemieteten Kinosaal treffen. Den Altersdurchschnitt schätzen wir auf Mitte dreißig. Jürgen Eisen sagte uns, dass die Gemeinde aktiv nach größeren Räumen suche.

Bei Verlassen der Location wässerte ein Familienmitglied noch das Equipment eines Mitarbeiters mit dem Tee meiner Tochter. Angebissener Apfel und Feuchtigkeit konnten durch den exzessiven Einsatz von Papier bereinigt werden. Auch in dieser Hinsicht war die Gemeinde gut ausgerüstet.

Nostalgie

Anschließend kehrten wir zu sechst bei einem Vietnamesen in der Berliner Straße ein und tauschten uns über den Gottesdienst aus. Neben Jürgen Eisen gab es weitere nostalgische Punkte. Bei Stempel-Kaiser in der Brandenburgischen Straße hatte meine Frau als Schülerin ihr Taschengeld aufgebessert und in der benachbarten Auenkirche hatten wir vor zweiundzwanzig Jahren unsere Hochzeit gefeiert.

Sonntag, 5. Februar 2017

#BICC Berlin International Community Church

Großes Kino im CinemaxX am Potsdamer Platz. Heute hatten wir einen Gottesdienst der BICC Berlin International Community Church besucht. Gäste werden als VIPs über den roten Teppich geleitet.



Der Parkraumbewirtschaftungshinweis "Mo-Sa" rauschte an uns vorbei, als wir der Grünphase zum Potsdamer Platz entgegenrollten. Noch war unklar, ob wir die Tiefgarage nutzen oder eine geeignete Stelle an der Straße finden. Das hatte sich jedoch recht schnell geklärt, da der Potsdamer Platz im Rahmen der Berlinale bereits weiträumig abgesperrt war. So stellten wir das Auto kostenfrei vor dem Dali-Museum am benachbarten Leipziger Platz ab.

Red Carpet

Vor dem Eingang des CinemaxX empfingen uns drei Mitglieder des Welcome-Teams und zeigten uns eine Klapptafel am Fuß einer Treppe. Dort standen zwei weitere Welcome-Mitarbeiter. Auf dem Weg zu unseren Plätzen in Reihe 3 passierten wir etwa sieben Welcome-Stationen. Mit den Worten "First Time" wurden wir übergeben und mit "Welcome" und "How are You" zur nächsten Etappe begleitet. Warum nur dachte ich die ganze Zeit an die Times Square Church in New York? Gäste werden hier als VIPs angesehen, so dass das Welcome-Team heute auch offiziell in Red Carpet Team umbenannt wurde.

Es gab keinen Countdown und kein akademisches Viertel. Dafür begann der Gottesdienst Punkt elf mit einem cineastisch ausgereiften Glaubensbekenntnis von der Leinwand. Professionell ging es weiter mit einer recht großen Lobpreisband und einer Sängerin, die das Publikum zum Mittanzen animierte. Es war nur zu wenig Platz in den Sitzreihen. Wir kannten keines der auf Deutsch und Englisch vorgetragenen Lieder, konnten aber rhythmisch ganz gut mithalten.

Self Supported

Es folgte ein Intro, welches mein Sohn mit "Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau" kommentierte. Statt der Tagesschau trat BICC-Pastor Steve Mack auf, der für ein freudiges Geben der Kollekte warb. Es wurden große dunkle Eimer durch die Reihen gegeben und mit Umschlägen und Scheinen befüllt. Wie wir erfuhren, ist die Gemeinde stolz auf die finanzielle Eigenständigkeit.

Eigenständig ist ein guter Begriff für die Berlin International Community Church. Wir hatten beiläufig von der Existenz einer "Börlin Internäschenell Soundso" gehört, diese aber bisher so gar nicht auf dem Radar, obwohl dieses Paralleluniversum in unmittelbarer Nähe zu Saddleback, Berlinprojekt und Berlin Connect agiert. Google ergänzte dann die Freitextsuche und versorgte uns mit den weiteren Kontaktinformationen. Laut Worship Pastor Andrew Mack, dem Sohn des über vierzig Jahre verheirateten Pastoren-Ehepaares Steve und Karen Mack, treffe sich die Gemeinde an einer "A Location" inmitten von "Five Star Locations" wie dem Grand Hyatt Berlin. Auf Gemeinde Jesu wurde das mit unserem großartigen Gott adaptiert, der der Chef einer großartigen Gemeinde sei. Auf diese gedankliche Verbindung mit der "Five Star Church" an einer "A Location" gab es ein "A-Men" aus dem Publikum.

Wachstum mit Qualitätsanspruch

Auch wenn die Herkunft und konfessionelle Anbindung des ehemaligen Missionsprojektes bisher nicht erschlossen werden konnte, liegt doch ein klar erkennbarer Fokus auf Etablierung und Wachstum. Die Gemeinde unterhält professionelle und personell beachtliche "Children's Ministries". Es wird viel in die Zukunft und das Training von Mitarbeitern und Leitern investiert. Über Kurse werden Christen im Glauben gestärkt und Suchende in eine Beziehung zu Jesus geführt.

Kino 7 ist wohl der größte Raum des CinemaxX am Potsdamer Platz. Heute waren etwa 250 Plätze besetzt. Solch eine Auslastung sehen Kinos normalerweise nur zur Berlinale oder bei Premieren von Star Wars oder James Bond. Die heutigen Besucher waren ethnisch und demografisch stark diversifiziert. Die Hauptsprache des Gottesdienstes war Englisch. Für eine Simultanübersetzung standen Kopfhörer zur Verfügung.

Vision Sunday

Statt einer Predigt erlebten wir eine Podiumsdiskussion der drei oben genannten Pastoren aus der Familie Mack sowie zwei Eingeborenen aus Deutschland, die seit vielen Jahren Teil der Gemeinde sind. Andrew Mack moderierte, die beiden Deutschen erzählten ihre Lebensgeschichte mit einem besonderen Augenmerk auf ihre Entscheidung für Jesus und die Gemeinde. Karen Mack sprach über die Passage der Lichtverbreitung aus der Bergpredigt (Mt 5,14-16) und Steve Mack über "Acceleration". Acceleration kann mit Beschleunigung übersetzt werden. Eine Sache läuft an, aber ist noch nicht in voller Fahrt. Irgendwann jedoch geht es richtig los. Ich musste an die Wildwasserfahrt im Heidepark Soltau denken, wo der Einbaum zunächst gemächlich für das obligatorische Foto durch eine Almhütte gleitet und anschließend ungebremst in das finale Wasserbecken stürzt. An der Leinwand lasen wir: "Vision Sunday". Das erklärte, warum so viel über die eigene "Five Star Church" an der "A Location" geredet wurde.

Texanischer Ausklang

Das Ende des Gottesdienstes erinnerte mich ans Rodeo in Texas. Die Deutsche aus der Diskussionsrunde stand auf und verabschiedete die Gottesdienstbesucher. Kein Gebet, kein Segen, kein Lied, einfach Schluss. Etwas irritiert verließen wir das Kino. Am Ausgang wurden wir vom Welcome Team verabschiedet.

Auf dem Weg zum Parkplatz tauschten wir unsere Eindrücke aus. Frau und Tochter hatten die ergänzenden Informationen zur Wahrnehmung der männlichen Familienmitglieder. Während mein Sohn und ich per Tunnelblick auf die Teilnehmer der Diskussionsrunde geachtet hatten, konnten die Frauen gleichzeitig die Texte auf der Leinwand verfolgen. "Stand doch da", lachten sie die ganze Rückfahrt über unsere Unwissenheit.

Meine Frau war besonders von der Acceleration angesprochen. Gerne hätte ich die Familie simultan in das Gefühl von Acceleration hineingenommen, hatte aber leider nicht die Pole Position an der roten Ampel. Ich holte das in den Kurven nach. Auch beim Chinesen diskutierten wir bei Ente kross und Mangosauce weiter über die Berlin International Community Church.

Samstag, 24. Dezember 2016

ICF - Heiligabend im UCI Gropius Passagen

Wachsende Gemeinden erfordern größere Locations. Nach einem sehr gut besuchten Weihnachtsgottesdienst im letzten Jahr hatte ICF diesmal einen Kinosaal im UCI Gropius Passagen angemietet.



Die Omas klingelten viel zu früh. Mein Sohn hatte gerade die Tischdecke gebügelt und den Tisch für den anschließenden Verzehr von Bouletten, Kartoffelsalat und Würstchen vorbereitet. Ich versuchte hinter der Couch das Verlängerungskabel in eine Steckdose mit Kindersicherung zu bekommen. Da half nur noch ein Schraubendreher, der die Kindersicherung in hohem Bogen herausschnellen ließ.

Omas und Kekse

Die Omas gaben nun die Geschwindigkeit vor. Mit sechs Personen mussten wir sogar zwei Autos nutzen. Obwohl auch verkehrstechnische Dämpfungsfaktoren aus Märkisch Oderland (MOL) unterwegs waren, erreichten wir die Gropius Passagen so früh, dass wir vor dem Eingang zum Kinosaal 4 warten mussten. Es wurden selbst gebackene Kekse verteilt.

Kurz vor drei wurden die Pforten geöffnet und innerhalb kürzester Zeit hatte sich der Saal fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Pastor Stefan Hänsch ging durch die Reihen und begrüßte einige Leute. Ab und zu sahen wir Bekannte vom SOLA und anderen Berührungspunkten. Der Countdown lief diesmal nur fünf Minuten und war in eine schlichte Weihnachtsschmuck-Grafik eingebettet.

Emojis und Weihnachtslieder

Der Gottesdienste, bei ICF Berlin auch Celebration genannt, begann mit einem Quiz. Dabei wurden die Besucher in zwei Gruppen von Leuten unter 25 und über 25 eingeteilt. Es sollten anhand von WhatsApp-Emojis Weihnachtslieder erraten werden. Die Antworten ließen in der Regel weniger als fünf Sekunden auf sich warten.

Dann gab es mehrere Vortragsstücke auf Deutsch und Englisch mit unterschiedlicher instrumentaler und personeller Besetzung. Ich war beeindruckt von den Hintergrundbildern und der Lichttechnik und fragte mich die ganze Zeit, wie lange wohl die Vorbereitungen gedauert haben müssen. Es folgte das obligatorische Krippenspiel mit einem schlichten aber wirkungsvollen Bühnenbild. Auch hier war die Beleuchtung perfekt abgestimmt. Allerdings rätselte die Familie anschließend über den roten Faden des Stückes, da offensichtlich mehrfach zwischen eigentlichem Stück und Rahmenhandlung bei der Verteilung der Rollen umgeschaltet wurde.

Fürchtet euch nicht!

Die Predigt hatte den Omas am besten gefallen. Inhaltlich ging es um das Thema "furchtlos". Der Referent schüttelte eine Schneekugel und nahm uns in die Zeit seiner Kindheit mit, wo er in verschiedenen Situationen das Glas geschüttelt hatte und dann mit dem Beruhigen des Sturmes im Glas auch selbst ruhiger wurde. Furcht ist ein aktuelles Thema. Furcht war im Sommer aktuell, als die ersten Konzepte für den Weihnachtsgottesdienst überlegt wurden. Furcht war auch vor 2.000 Jahren angesagt, als die Römer die Vorherrschaft in Israel ausübten und Jesus geboren wurde. "Fürchtet euch nicht", sprechen die Engel den Hirten zu. "Fürchtet euch nicht", sagt Jesus mehrfach zu seinen Schülern. "In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden", gibt Jesus seinen Jüngern und uns in Joh 16,33 mit auf den Weg. 365 Mal soll dieser Zuspruch in der Bibel vorkommen. Für jeden Tag ein Zuspruch der Ermutigung.

Als ein großes Bild mit Kreuz auf der Leinwand eingeblendet wurde, verließ eine Sitzreihe mit mehreren Kopftuchfrauen und deren männlichem Anhang den Saal. Das war aber relativ am Ende, so dass sie noch die vielen Lieder und das Krippenspiel miterlebt hatten.

Kekse und Würstchen

Nach der Predigt gab es weitere gemeinsame und vorgetragene Lieder. Kathrin Hänsch sprach den Segen und gab noch einige Informationen weiter. Am Ausgang wurde die Kollekte eingesammelt und die immer noch reichlich vorhandenen selbst gebackenen Kekse verteilt.

Obwohl meine Kinder und ich einen deutlich weiteren Weg zum Parkplatz hatten, waren wir schneller zu Hause als meine Frau mit den Omas. Das gab dann zwar Ärger, aber den konnten wir damit kompensieren, dass wir bereits Wasser für Tee und Würstchen aufgesetzt hatten.

Montag, 12. Dezember 2016

Sarah Kaiser, Freiheit und Radio Paradiso

Sarah Kaiser ist eine echte Berlinerin mit musikalischer Familientradition. Ihre Stilrichtung ist Jazz. Sie hat inzwischen fünf CDs herausgebracht, die sich insgesamt 50.000 Mal verkauft haben.



Ende der 1990er Jahre hatten wir Sarah Kaiser in der Lukas-Gemeinde kennen gelernt. Kurz darauf begann sie einen Gospelchor in Marzahn. Interessant an diesem Chor war, dass ein Drittel der Teilnehmer über die gute Platzierung der Webseite der Jugendkirche Marzahn zum Chor gekommen waren und sich über 30% der Sänger im Laufe der Jahre für eine Beziehung zu Jesus entschieden.

Sarah Kaiser leitete den Chor hoch professionell und setzte ihre markante Stimme während der regelmäßigen Konzerte gerne als Solistin ein. Sie förderte talentierte Jugendliche, mit denen sie teilweise heute noch auftritt.

Ihre Brötchen verdient sie jedoch als Jazz-Sängerin mit einem nahezu unerschöpflichen Konzertkalender, dem Verkauf ihrer CDs und dem Einzelcoaching als diplomierte Gesangspädagogin. Ihre Hauptprojekte sind die Sarah Kaiser Band, AQUABELLA und Berlin Voices, wobei sich das letztgenannte Quartett 2011 aufgelöst hatte. Sie tritt im Radio, im Fernsehen, auf Kirchentagen, in Gemeinden, in Clubs, im Bundestag, auf Jazztagen und international auf.

Sarah Kaiser ist eine Powerfrau, eine Frau, die klare Ziele hat und bezüglich des Glaubens an Jesus kein Blatt vor den Mund nimmt. Als ich vorhin zu einem Meeting der Internetmission fuhr, kam auf Radio Paradiso bereits ein Teaser-Interview mit ihr. Sie wurde zum Stichwort "Freiheit" befragt. Freiheit sei ein Privileg, dass sie sehr schätze und gerne nutze. Insbesondere die Freiheit, selbst entscheiden zu können sowie die Freiheit, offen über ihren Glauben reden zu dürfen.

Die Frage bezog sich wohl auf ihre Neuveröffentlichung "Freiheit". Das Release-Konzert fand passend zum Reformationstag am 31.10.2016 in Berlin statt. "Freiheit" beschäftigt sich mit der festen Burg, der eigenen Reformation und Martin Luther und reiht sich damit in Sarahs unverkennbares Interesse an neu vertonter alter Kirchenmusik ein. "Gast auf Erden" ist eine jazzige Hommage an Paul Gerhard. "Grüner", "Geistesgegenwart" und "Miracles" sind weitere Editionen, die seit 2003 von ihr erschienen sind.

Zwischen 20 und 21 Uhr hatte sie heute eine Stunde Sendezeit bei Radio Paradiso. Schade, dass mein Meeting länger ging. Die Zeit hatte ich zwar ständig im Blick, aber wenn der Betreiber von MyStory aus der Schweiz eingeflogen kommt, stehen die technischen Anliegen der neuen Webseite von GottinBerlin.de im Fokus. Das Layout dafür wurde übrigens vom selben Designer geliefert wie das für www.SarahKaiser.de.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Fernsehpredigt mit der Oma

Wenn Ehepartner unterschiedliche Glaubensauffassungen haben, kann es vorkommen, dass sich die Gottesdienstbesuche auf Weihnachten und Ostern reduzieren oder der unmündige Christ maximal einen Hauskreis unter der Woche besuchen darf. Oft bleibt dann noch der Ausweg über Fernseh- oder Podcast-Predigten.



Meine Schwiegermutter ist es gewohnt, Gottesdienste im Fernsehen zu verfolgen. Das ist abwechslungsreich, gemütlich, hygienisch und logistisch effektiv. Verbindlichkeit, christliche Gemeinschaft und Bekanntheit in der Ortsgemeinde sind dadurch allerdings kaum möglich. Das musste sie erschrocken zur Kenntnis nehmen, als das Ableben ihres Mannes zum Totensonntag in der Dorfkirche keine Erwähnung fand.

Bereits am letzten Sonntag war es uns in Chemnitz gelungen, sie zu einem echten Gottesdienst mitzunehmen. Echte Sänger, ein echter Prediger und echte Leute um uns herum in einem echten Gemeindehaus. Die Alternative wäre ein Fernseh-Gottesdienst aus Herrnhut gewesen.

Fernsehen war ein guter Aufhänger, sie heute einmal mit zu Saddleback zu nehmen. Wir entschieden uns für den Gottesdienst auf Deutsch. Forrest aus Alabama hatte einen Weihnachtschor zusammengestellt und präsentierte das Ergebnis. Da die Oma weder etwas sah noch hörte, wechselten wir die Sitzreihe und konnten nun das Geschehen von sehr weit vorne aus verfolgen. Der Chor sang Weihnachtslieder auf Deutsch und auf Englisch und ging dann in den Nachbarsaal.

Dann begann die Predigt. Es ging um "die gute Nachricht" von Weihnachten. Tom Holladay erzählte ein Beispiel von seinen Enkeln, die in New York Kakao gekauft bekamen. Eines der Kinder ließ sofort die Tasse fallen und produzierte eine riesige "Sauerei". Der Verkäufer reagierte souverän, indem er einen Wischmopp nahm, die "Sauerei" großflächig reinigte, hinter den Tresen ging, einen neuen Kakao zapfte und ihn dem Enkelkind überreichte. "Geht aufs Haus", sagte er und lehnte den Zahlungswunsch des Referenten ab. "Gott macht unsere Sauerei sauber - kostenlos", war die Lehre aus dieser Situation.

Wo sonst die vielen freien Stellen zum Ausfüllen auf dem Beiblatt zum Gottesdienst waren, standen heute Bibelstellen über Bibelstellen zur "guten Nachricht" von Weihnachten. Wir hörten die geballte Ladung des Evangeliums. Tom Holladay redete allerdings sehr schnell und Dave Schnitter übersetzte in einer entsprechenden Geschwindigkeit simultan. Nach zwei Lobpreisliedern und der Kollekte war der Gottesdienst zu Ende und wir füllten noch einmal Kaffee und Tee nach.

Gespannt fragten wir die Oma, wie sie denn diese spezielle Art der Fernsehpredigt fand. Sie stellte fest, dass sie neue Hörgeräte benötigt, da sie das schnelle Reden nicht so richtig verstehen konnte. Erschwerend kam hinzu, dass die Mundbewegungen des amerikanischen Predigers nicht zur deutschen Übersetzung passten. Sehr schade!

Dennoch waren wir begeistert, dass sie sich auf diesen Test eingelassen hatte und freuen uns schon auf ihre nächste Begleitung. Immerhin sorgt sie dafür, dass ich weiter vorne sitzen kann. Falls dann zufällig ein Fernseh-Gottesdienst aufgenommen wird, sind wir hoffentlich öfter mal im Bild.

Sonntag, 20. November 2016

Mosaik Berlin und der Abgleich einer Webseite

Mosaik Berlin ist eine relativ neue multiethnisch geprägte Gemeinde in Berlin, die sich im Schatten des Axel-Springer-Hochhauses trifft. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist eine Sonntagspredigt auf Englisch, die konsekutiv auf Deutsch übersetzt wird.



"Wir müssen viertel nach halb vor fünfzig los", erklärte mein Sohn noch einmal die Uhrzeit, wann wir startklar sein sollten. Er wollte zusammen mit meiner Frau zu Saddleback fahren, während ich endlich einmal Mosaik Berlin auf dem Programm hatte. Da sich anhand der Webseite schon ein Bild zur Gemeinde geformt hatte, wollte ich unbedingt meine Tochter als Zweitstimme dabei haben und aus der üblichen Meinungspluralität eine sinnvolle Schnittmenge extrahieren. 10:35 Uhr war ein guter Zeitpunkt des Losfahrens, den wir wie üblich um fünf Minuten überzogen.

Kurz nach elf setzten wir Frau und Sohn bei der Kalkscheune ab und fuhren weiter zu Axel Springer. "BILD Dir deine Meinung", war auch unser heutiges Motto. Im Sommer hatte ich erstmalig vom Gründungsprojekt "Mosaik Berlin" gehört, als wir Christopher auf dem SOLA getroffen hatten. Darauf googelte ich die Gemeinde und stellte fest, dass sie sich in unmittelbarer Nähe zu anderen modernen Gemeinden wie Berlin Connect, Kulturwerkstatt Mitte, Berlinprojekt oder Saddleback befindet. Es kam die Frage auf, wer in dieser Region so viele coole Gemeinden brauche? Während in Marzahn die geistliche Flaute herrscht, trampeln sich Missionare und kreative Mittdreißiger in der City auf den Füßen herum.

Der Häuserblock um die Besselstraße 13 wirkte verlassen. Herbstlaub wehte über Freiflächen und Straßen. Es gab sehr viele ungenutzte Parkplätze. Wir liefen am Haus entlang und kamen an einem großen bunten Schild vorbei, das auf ein Game-Science-Event hinwies. Durch die Schaufenster war ein dicht mit jungen Leuten gefüllter Raum zu sehen. Wir liefen weiter und kamen schließlich fast am Ende des Häuserblocks an. Wo war der Eingang zu Mosaik? Als wir uns umsahen, bemerkten wir ein kleines schwarzes Schild mit einem eingekreisten "M". Dieses war völlig von dem massiven Gamer-Schild überdeckt worden. Ein Problem, das sich durch die üblichen Aufstellfähnchen in Segelform lösen ließe.

Proaktiv grüßend betraten wir die hellen Räumlichkeiten und legten unsere winterlichen Jacken ab. An einer Theke konnte man sich mit Tee oder Kaffee bedienen. Der oben erwähnte Christopher kam vorbei und begrüßte uns freundlich, blieb einige Momente bei uns stehen. Smalltalk. Dann musste er noch einige Dinge für den Gottesdienst erledigen. Durch väterlichen Druck gelang es mir, endlich mal wieder etwas weiter vorne zu sitzen: fünfte Reihe.

Pastor Neville Jones lief hin und her und traf letzte Abstimmungen vor dem Beginn. Der Gottesdienst startete mit Lobpreis und den Ansagen. Das Mikro der Moderatorin versagte seinen Dienst. Sie erwähnte auch einen Welcome Desk, den wir beim Betreten der Location gar nicht bemerkt hatten. Dann trat Neville Jones mit einer Übersetzerin auf die Bühne. Noch einmal stellte er sich als Pastor vor, der gemeinsam mit seiner Frau Sue diese Gemeinde leite. Dass man ihn bei Kaffee und Kuchen nach dem Gottesdienst in der zweiten Etage kennen lernen könne, erfuhren wir mehrfach an diesem Vormittag. Das war uns auch schon durch die Webseite bekannt.

Anhand der bisher veröffentlichten Predigtmitschnitte zur Themenreihe "Seeing Jesus" hätte ich heute einen Text aus Johannes 6 oder 7 erwartet. Statt dessen predigte er über mein Lieblingskapitel Johannes 9. Neville Jones hatte die Predigt in drei Blöcke eingeteilt und ging darin auf die Jünger, die Pharisäer als geistlich Blinde und den Blindgeborenen ein. Er las dazu die ersten und die letzten Verse des Kapitels und blieb während der gesamten Predigt am Text. Besonders angesprochen war ich wieder einmal von den Ausführungen zu den Versen 28 und 34.

Nach der Predigt gab es Abendmahl, welches wahlweise mit Saft oder Wein genommen werden konnte. Begleitet wurde es musikalisch von der aus vier Personen bestehenden Lobpreisband. Danach trat die Moderatorin für ein Abschlussgebet und die Verabschiedung auf. Wieder versagte ihr schnurloses Mikro. Ich vermisste die Kollekte.

Der Gottesdienst hatte fast zwei Stunden gedauert, so dass der Rest der Familie bereits vor der Kalkscheune stand und uns per WhatsApp zum Aufbruch drängte. Auf dem Weg tauschte ich mit meiner Tochter die Eindrücke aus.

Die Webseite hatte abgesehen von den ständigen Sicherheitswarnungen des Browsers ein Bild gezeichnet, das durch diesen Besuch vor Ort korrigiert werden konnte. Anhand der Webseite war ich davon ausgegangen, dass es sich um eine auf den Pastor zentrierte und schwach besuchte Gemeinde mit erheblichem Mangel an Mitarbeitern handelt. Das entspricht jedoch so nicht der Realität:

Der Pastor und seine Frau scheinen sich zwar als zentrale Bezugspersonen zu sehen, dennoch lässt sich einiges an Leitungspotenzial in den Reihen von Mosaik erkennen. Die Gemeinde und die Mitarbeiterschaft wirken sehr intakt. Schade, dass letzterer Umstand auf der Webseite so unterrepräsentiert ist. Neben der Webseite birgt auch das Thema Welcome ein gewisses Optimierungspotenzial. Obwohl Mosaik erst vor wenigen Wochen nach Kreuzberg umgezogen ist, kommt der Raum bei über siebzig Besuchern so langsam an seine Kapazitätsgrenzen.

Sonntag, 6. November 2016

Psalm 23 @SaddlebackBLN

Während meine Tochter und ich krank zu Hause blieben, fuhren die übrigen Familienmitglieder in die City zu Saddleback. Wegen der starken Präsenz an Bekannten aus Marzahn, besuchten sie die Predigt mit Simultanübersetzung. Diese bediente ein Thema, dass sie bereits eine Woche vorher in der EFG Cantianstraße gehört hatten.



Auch diesen Sonntag ging es um Schafe und Hirten, allerdings nicht mit der Suche des Schafes sondern ganz klassisch mit Psalm 23.

Kann man noch Neues über Psalm 23 predigen? So, dass man bis zum Ende zuhören kann? Der Psalm den ich in Luther-Version schon in der Jungschar auswendig gelernt habe?

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf grüner Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquickt meine Seele
und führet mich auf rechter Straße um Seines Namens Willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal,
fürchte ich kein Unglück.
Denn Du bist bei mir,
Dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feine.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Ja man kann, denn in dieser hektischen Zeit ist es immer wieder gut erinnert zu werden an Urlaub für die Seele. "Wie Deine Seele zur Ruhe kommt" war die Überschrift von Tom Holladays Predigt.

Bemerkenswert an dieser Predigt war das Tempo, mit dem sie vorgetragen wurde. Es war so enorm, dass sich Pastor Dave Schnitter von Saddleback Berlin hinterher für die extrem schnell gesprochene deutsche Übersetzung entschuldigte.

Bemerkenswert war aber auch die Berlin-getreue Übertragung der Beispiele. Ich nehme nicht an, dass der Pastor aus der Hauptgemeinde in Kalifornien um die Neckereien von Berlinern und Spandauern weiß. Nichtsdestotrotz kam in der Predigt vor, dass manche Berliner annehmen, dass es in Spandau nur einen Ikea gibt. Ich weiß es inzwischen besser, es gibt auch eine sehr sehenswerte Zitadelle, aber das nur am Rande.

Nicht zuletzt war auch der Inhalt (be)merkenswert. Du bist nur ein (manchmal dummes) Schaf, also verlass dich auf Gott, deinen Hirten. Das Gras ist auf der anderen Wiese nur von weitem grüner. Vertraue auf Gottes Erfrischung. Genieße es, wenn du Überfluss hast und freue dich daran. Folge Gottes Weg. Erinnere dich daran, dass Gott bei dir ist. Er wird durch Schutz und Zurechtweisung trösten. Sei dankbar für alles, was Gott gibt. Es gibt Feinde und dunkle Täler, aber Gott deckt uns den Tisch. Schau auf das, was ewig bleibt.

Ja, innehalten fällt mir oft schwer. Ich renne rum und mache dies und das. Aber die Rückbesinnung auf meinen guten Hirten, Jesus Christus, wird meine Seele nachhaltig für die nächsten Herausforderungen erfrischen. Danke, Tom Holladay, für diese Erinnerung an den guten alten Psalm.

Autorin: Frau des Church Checkers

Sonntag, 30. Oktober 2016

B.B.King Gospel Brunch mit dem Harlem Gospel Choir

Direkt gegenüber von Madame Tussauds in der 42nd Street befindet sich die legendäre Blues Location B.B.King Blues & Grill. Sonntags gegen 13:30 Uhr findet dort ein gut frequentierter Gospel Brunch statt.



Es war gar nicht so einfach, rechtzeitig für den Gottesdienst um zehn in der Times Square Church aus dem Bett zu kommen. Muss man doch schon kurz nach halb zehn vor Ort sein, um noch einen Platz im Parkett zu bekommen. Den Coffee to Go trank ich unterwegs und so bekamen wir tatsächlich noch zwei Plätze kurz vor dem Mischpult. Heute war ein französischer Pastor zu Gast, dessen Gemeinde in unmittelbarer Nähe einer der Orte der Pariser Anschläge vom 13.11.2015 liegt. Die Gemeinde habe sich seitdem verdoppelt.

Um Multiplikation ging es auch in der Predigt, die durchgängig an noch Unentschlossene gerichtet zu sein schien. "Heute, wenn ihr meine Worte hört", aus Hebräer wurde mehrfach eindringlich wiederholt und mit weiteren Bibelstellen ergänzt. Der Haupttext der Predigt stand in Sprüche 1. Am Ende des Gottesdienstes gab es wieder sehr viele Entscheidungen für Jesus.

Wir hatten noch etwa eineinhalb Stunden Zeit und stürzten uns in das Gewimmel auf dem Times Square, machten Fotos, gingen hier und da in einen Laden und schlenderten bei bestem Frühlingswetter an den neun Blocks entlang bis zum B.B.King in der 42. Straße.

B.B.King Gospel Brunch Harlem Gospel Choir
B.B.King Gospel Brunch mit dem Harlem Gospel Choir
Für Brunch und Gospel waren 50 Dollar pro Person zu zahlen. Dann konnten wir den abgedunkelten Saal betreten. Am Buffet hatte sich bereits eine sehr lange Schlange gebildet. Überhaupt zelebrieren die Amis ihr Anstehen bis zur Perfektion. Selbst auf dem WC eines Broadway-Theaters wurde die Schlange in mehreren Windungen durch Absperrbänder kanalisiert und somit ein perfektes Entleeren des vorherigen Buffetinhaltes organisiert.

Wilfried stellte sich zuerst an, während ich die Plätze sicherte. Kaffeebecher, Jacken, Taschen und sogar echte Menschen konnten als Platzhalter dienen. Und mit genau diesen Utensilien reservierten wir einen Vierpersonentisch mit direktem Blick auf die Bühne. Hätten wir gewusst, was uns erwartet, hätten wir uns vielleicht in eine andere Ecke des Saales verkrümelt.

In die Stuhllehnen waren Noten gefräst und der Teppichboden zeigte ein Muster aus ineinander verschlungenen Instrumenten.  Auf einer der Boxen lag ein halbes Gerippe mit riesigem Totenkopf, dessen Augenhöhlen ständig die Farben wechselten. Ein Relikt des nordamerikanischen Kürbisfestes. Die Teller der vorbeieilenden Eingeborenen und Touristen waren so gefüllt, als hätte es seit dem letzten Wochenende nichts mehr zu essen gegeben. Wie wird das Buffet aussehen, wenn ich an der Reihe bin? Ich holte mir einen Kaffee.

Aus einem völlig unerklärlichen Grund hatte sich plötzlich die Schlange aufgelöst, so dass wir uns bei der Tischverteidigung abwechseln konnten. Es war alles reichlich vorhanden, so dass mein Teller nachher ähnlich aussah wie oben beschrieben.

Dann ging das Licht aus und es wurden kurze Teaser-Videos abgespielt. Kurz darauf traten mehrere Schwarze auf die Bühne und starteten den Gospel zum Brunch. Der Harlem Gospel Choir at its best. Das Essen war vergessen, die Getränke wurden in die Mitte der Tische gerückt und das Klatschen, Schunkeln und Amen rufen begann. Eine der Sängerinnen übernahm den Part der Ansagen:

"The rule is: You don't have to be quiet!"

"Amen" und "Halleluja" wurde immer wieder zwischen die Ansagen gepackt und von einigen Leuten im Publikum erwidert. Der Harlem Gospel Choir entfaltete eine sagenhafte Performance bei Gesang und Tanz. Die Interaktion mit dem Publikum erinnerte an einen Familiengottesdienst. Fast so wie in der Cantianstraße, wo meine Familie heute mit vier Gitarren und Kinderrasseln gerockt wurde. Aber auch nur fast.

B.B.King Gospel Brunch Harlem Gospel Choir
B.B.King Gospel Brunch mit dem Harlem Gospel Choir
Wahllos wurde ein Junge aus dem Publikum auf die Bühne gebeten und sollte sich kurz vorstellen. Der zwölfjährige Martin aus Europa sprach gut Englisch. Dann wurde Tasha "gegriffen". Sie kam aus Chicago, war aber komplett als wandelnde New-York-Werbung bekleidet. Bei "Oh Happy Day" musste sich die eigentliche Sängerin das Mikrofon zurück kämpfen, da ihr Tasha die ganze Show stahl. Dann holten sie die schüchtern wirkende Christine aus Brooklyn auf die Bühne. Zunächst rannte sie vor dem Mikrofon davon, legte dann aber eine ebenso ausgereifte Tanz- und Gesangsperformance auf.

Wenn der suchende Blick durch den Saal schweifte, neigten wir uns etwas zur Seite und konnten letztlich einem Aufruf entgehen. Dafür mussten alle Geburtstagskinder aus Oktober und November auf die Bühne, sich mit Name und Alter vorstellen und "Happy Birthday" mitsingen. Das klappte gut. Stehen, sitzen, wippen, klatschen, schunkeln, mitsingen, ein "Huuu" in den Raum brüllen waren die Ausdrucksformen unserer aktiven Teilnahme an diesem Gospel Brunch.

"Don't forget to tip your waiter", waren die Worte eines der Sänger als wir kurz vor Ende das B.B.King verließen. "Tax & Tip" waren "not included". Man tut also gut daran, noch reichlich monetären Puffer dabei zu haben, wenn man nach dem Gottesdienst in der Times Square Church noch zum B.B.King Gospel Brunch erscheint.