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Samstag, 8. Dezember 2018

First Christmas mit der Stadtmission im Ringcenter

Die Berliner Stadtmission hat den 2. Samstag im Advent genutzt, die originale Weihnachtsgeschichte mit Text, Spiel und Gesang aufzuführen. Die Kulisse stellte das zentrale Weihnachtshaus im Ringcenter am S-Bahnhof Frankfurter Allee.



Buff - "Du kannst das jetzt reklamieren gehen", sagte ich und hielt meiner Frau die kleine Tüte von Conrad Electronic unter die Nase. "Hat nicht geklappt?" - "Ich schmeiße jetzt die Mikrowelle in den Müll." Was war passiert?

Meine Frau hatte die Idee, heute Nachmittag zum Rixdorfer Weihnachtsmarkt zu fahren. Rixdorf ist eine sehr fromme Gegend mit Herrnhuter Brüdergemeine und Böhmischen Dörfern. Auch wenn ich Weihnachtsmärkte nicht mag, wollte ich meine Gattin heute mal begleiten. Einfach, um mit ihr zusammen zu sein. Untypisch war auch, dass ich ihre Entscheidung für die öffentlichen Verkehrsmittel akzeptierte.

Abstecher zu Conrad

In Neukölln stiegen wir in die U-Bahn um. Auf den Displays war zu lesen, dass der Rixdorfer Weihnachtsmarkt wegen Unwetterwarnung heute nicht stattfinde. Das glaubten wir nicht. Bei Google-Maps stand, dass der Weihnachtsmarkt geöffnet sei. So fuhren wir zunächst unter Rixdorf hindurch und zum Herrmannplatz. Dort kauften wir bei Conrad Electronic eine Sicherung für unsere Mikrowelle. Die Mikrowelle stand schon seit Monaten halb zerlegt im Flur und es war nirgends eine passende Sicherung dafür zu bekommen. Auch nicht bei Amazon. Conrad hatte noch genau eine Sicherung, die zwar nur 15 statt 16 Ampere verkraften konnte, aber egal. Das seltene Stück kostete 15 Euro. Dafür war eine kleine Conrad-Tüte dabei.

Im Nieselregen schlenderten wir noch etwas durch Neukölln. Straßenverkehr und sonstiges Ambiente erinnerten an Istanbul. Auch die Gerüche. Bei Karstadt entdeckten wir ein neues Geschäftsmodell: Tür auf- und einen Becher hinhalten. Meine Frau warf Münzen in den Becher von zwei russischen U-Bahnmusikern. Können muss honoriert werden.

Rixdorf und die Böhmischen Dörfer

Wieder sahen wir die Laufschrift, dass der Rixdorfer Weihnachtsmarkt ausfalle. Wir glaubten das immer noch nicht. So ging es wohl vielen Berlinern, die mit uns am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße ausstiegen. Spätestens hier war ich froh, dass wir nicht mit Auto unterwegs waren. Es regnete. Autos und Fußgänger soweit das Auge reichte. Dann bogen wir in die lauschigen Gassen von Rixdorf ein. Eine ganz andere Welt unmittelbar neben Istanbul. Man fühlte sich plötzlich wie im weihnachtlichen Erzgebirge. Überall die Herrnhuter Weihnachtssterne von winzig bis riesig in unterschiedlichen Farben.

Als wir uns dem historischen Kern von Rixdorf näherten, stellten wir fest, dass die U-Bahn Recht gehabt hatte. Es waren nur sehr wenige Buden geöffnet und an der Bühne stand schon das THW für den Sturmeinsatz bereit. Wir schlenderten im Regen über den Platz und dann langsam Richtung S-Bahnhof. Das Timing passte perfekt zu einer Alternativ-Veranstaltung, die ich noch in der Hinterhand hatte: Berliner Stadtmission im Ringcenter.

Berliner Stadtmission im Ringcenter

Das Ringcenter liegt direkt am S-Bahnhof Frankfurter Allee. Man fällt regelrecht von der S-Bahn in dessen Nebeneingang. Aus der Tiefe waren weihnachtliche Klänge zu hören. Wir folgten der Musik. An zentraler Stelle war ein Knusperhäuschen aufgebaut - das Weihnachtshaus. Die Musiker von der Stadtmission übten noch einmal ihre Stücke. Direkt vor der Bühne saßen Kinder mit Bommelmützen und Müttern. Die Mütter hatten kaum Platz, da wenige Meter weiter ein Smoothie-Stand seine fruchtigen Getränke anbot. Die Stadtmissionare wirkten sehr beschäftigt und der Platz war eng. Deshalb fuhren wir wieder eine Etage höher und schauten von der deutlich besseren Position zu. Das sah der mitgebrachte Kameramann wohl auch so und folgte uns.

Das Programm ging etwa eine halbe Stunde und war auf die Location abgestimmt. Es gab einen raschen Wechsel von Text, Theater und Musik. Dabei schlüpften einige der Akteure in verschiedene Rollen: Gesang, Engel, schwangere Elisabeth, Cajon, Joseph, Hirte, Bass-Ukulele und Maria. Die Übergänge funktionierten so perfekt, dass diese Personalunion kaum auffiel.

Mehrfach wurde ein Rückblick auf das Geschehene gegeben. Schließlich war ein ständiges Kommen und Gehen zu verzeichnen. Einkaufscenter eben. Nur das Publikum direkt vor der Bühne war recht konstant. Eine Frau mit Kopftuch filmte die gesamte Weihnachtsgeschichte mit ihrem Smartphone. Ein Vater machte mehrere Fluchtversuche, wurde aber von seinem kleinen Sohn zum Dableiben gezwungen. Neben uns tanzten Kunden zu "Gloria in excelsis Deo". Das Programm hatte die Stadtmission mit "First Christmas" angekündigt. Damit sollte auf den Ursprung des Weihnachtsfestes und auf Jesus aufmerksam gemacht werden. Das war nach unserer Einschätzung gelungen.

Die Stadtmissionare boten nach dem Programm noch Gespräche an, zogen sich jedoch bald in das Weihnachtshäuschen zurück. Schade, wir wollten noch kurz "Hallo" gesagt haben. So irrten wir durch das Ringcenter und fanden tatsächlich den Ausgang zur S-Bahn. Wenn Jesus schon das Timing bestimmt, dann richtig: Auf den Stufen zum Bahnsteig trafen wir noch eine gute Freundin und konnten uns gleich zum morgigen Adventsgottesdienst verabreden.

Als wir zu Hause waren, holte ich die zerlegte Mikrowelle hervor und setzte die neue Sicherung ein. Die Uhr leuchtete. Ich drehte den Knopf auf 30 Sekunden und drückte auf "Micro": Buff.

Sonntag, 10. September 2017

Gottesdienst im Klinikum

Wenn ich die Bibel richtig verstanden habe, ist Gottesdienst eine 24/7-Angelegenheit. Diese konnte ich in der vergangenen Woche im Vivantes Friedrichshain feiern.



Es begann mit einem Gottesdienst bei Brücke Berlin in Charlottenburg. Der Aufstieg ins Dachgeschoss war ein sicherer Indikator für die Familie, mich anschließend beim Krankenhaus abzusetzen. In der Notaufnahme ging alles sehr schnell. Ergebnis: Lungenembolie mit sehr ausgeprägter Diagnose.

Rote Tasche mit Elberfelder in großer Schrift

Während meine Frau die eine Zeitschrift im Wartebereich studierte, packten die Kinder zu Hause meine Krankenhaus-Ausrüstung ein. conhIT Connecting Healthcare IT stand auf der knallroten Umhängetasche. Ein Schlafanzug, eine Unterhose, ein T-Shirt, mein Handy mit Ladekabel und die Elberfelder in großer Schrift. "Du sollst dich ja nicht so anstrengen", war ihre Argumentation für die Wahl der Elberfelder. Danke, aber ich lese gerade eine andere Bibel. Deshalb bat ich meine Frau, mir am nächsten Tag die Vulgata mitzubringen.

Langzeit-Ehe und noch immer frisch

Meine Mitpatientin hinter der Spanischen Wand war fortgeschrittenen Alters und lag hier wegen eines Schlaganfalls. Ihr Gesundheitszustand wurde merklich besser, so dass wir bald ins Gespräch kamen. besonders beeindruckend war die Beziehung zu ihrem Mann. Liebe wie am ersten Tag. Ein Beispiel für jeden guten Ehekurs, nur eben keine wirkliche Beziehung zu Jesus. Das fand ich sehr schade. Leider ergab sich kein Anknüpfungspunkt, um noch etwas über das Danach mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Dreibett-Zimmer

Nach etwa 24 Stunden wurde ich von den Kabeln befreit und auf die normale Abteilung verlegt. Dreibett-Zimmer. Bei den vielen guten Begegnungen taten mir die Privatpatienten leid, die sich im Einzelzimmer langweilen. Im Zimmer lag bereits ein älterer Herr, der sein Leben lang als Maler gearbeitet hatte und nun kurz vor dem Abschied stand. Ein feiner und freundlicher Bettnachbar.

Die Frage nach Gott quittierte er mit einer sehr emotionalen Antwort: "Die Pfaffen kannst du alle vergessen. Die quatschen nur dummes Zeug und helfen dir letztlich doch nicht." Ein nicht ganz unbekanntes Thema. Hätte ich ihm von unserem Gemeindeaustritt vor zwei Jahren erzählen sollen? Schade jedenfalls, dass ihm die pastorale Erfahrung nun bei der direkten Kontaktaufnahme zu Jesus im Weg stand.

Am zweiten Tag kam unser dritte Mann und keiner hatte Skat-Karten dabei. Er war tätowiert, sehr kräftig, sehr sportlich, eine wahre Kämpfernatur von Mitte 40. Die Krankheit sah man ihm nicht an. Seine Brüder vom Motorad-Club gaben sich die Klinke in die Hand. Ich war fasziniert über diese Community. Sie brachten Geburtstagsgeschenke, schoben ihn im Rollstuhl zur Cafeteria, spielten Mensch ärgere Dich nicht und freuten sich auf seine Genesung.

Bibel auf dem Nachttisch

Entspannung im Krankenhaus ist nicht! Bis zum Nachmittag wurden wir mit Behandlungen, Messungen und Essenseinnahmen beschäftigt. Meine 10 x Danke pro Tag konnte ich morgens kaum am Stück aufschreiben, weil Blutdruck oder Sauerstoff-Sättigung gemessen wurden. Auch das eine Kapitel aus 4. Mose war selten in einem Rutsch zu lesen. So lag die grüne Bibel mit der goldenen Schrift oft zugeklappt auf dem Nachttisch.

Die Blicke von Ärzten und Schwestern fixierten das Buch. "Lesen Sie die Bibel?", kam ab und zu eine interessierte Frage. Der 4. Mose enthält ja so einige Geschichten, die uns den Humor Gottes nahe bringen. "Ist die Bibel so lustig?", fragte unser Motorrad-Freund. Ja, das konnte ich bestätigen.

Abschied

Nach einer Woche wurde ich entlassen. Beim Zusammenpacken der Sachen fiel mir ein, dass ich ja noch die Elberfelder in großer Schrift dabei hatte. Diese hatte ich einmal durchgelesen, so dass ich sie jetzt auch weitergeben konnte. Ich schenkte sie dem Kämpfer aus dem Nachbarbett. Er freute sich und wollte darin lesen. Ich schüttelte das Buch aus, entnahm einen Notizzettel, schaute nach eventuellen Unterstreichungen und steckte die Visitenkarte des Orthopädie-Fachhandels beim Anfang des Neuen Testaments rein: "Am besten hier anfangen". Dann packte ich den Rest zusammen und verabschiedete mich von den beiden Patienten.

Irgendwie war in den paar Tagen eine Beziehung entstanden. Trotz unserer sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und Ansichten hatten wir uns gegenseitig aufgemuntert, viel gelacht und auf unsere Sachen aufgepasst. Mit ein wenig Abstand muss ich sagen, dass das alles einen Sinn hatte. Ich nehme es mit Römer 8 Vers 28.

Sonntag, 9. Oktober 2016

Projekt:Kirche in Friedrichshain

Projekt:Kirche ist ein frisches Gemeindeprojekt in Friedrichshain, welches schon durch seine Webseite einen äußerst positiven Eindruck vermittelt. Der Name deutet bereits an, dass es sich um einen Ableger des Berlinprojektes handelt. Projekt:Kirche punktet durch einen zeitgemäßen Gottesdienst und eine gute Willkommenskultur.



Das Projekt:Kirche trifft sich normalerweise um 18:00 Uhr im Hoffmann-Saal des Plus Hostels in der Nähe der Oberbaumbrücke. Der Friedrichshainer zeichnet sich nicht nur durch ein eigenes Zeitmaß aus, sondern auch durch Kreativität, Flexibilität und Spontanität. Deshalb war der heutige Gottesdienst mit Kindersegnung auf 11:00 Uhr verlegt worden. Auch die Location hatte man geändert: Studiobühne in der Alten Feuerwache. Die Webseite hatte bereits eine sehr positive Ausstrahlung, die wir gerne mit der Praxis verifizieren wollten.

Wir trafen eine Viertelstunde vor Beginn ein und fanden direkt vor dem Eingang einen Parkplatz. Dieser für Friedrichshain absolut untypische Sachverhalt steigerte unsere Vorfreude. Neben dem Eingang zur Alten Feuerwache ging es zum Bezirksamt Friedrichshain. Unter dem Schild mit dem Berliner Bären war ein weiteres Hinweisschild angebracht: "Hier wird die Welt erschaffen". Dieser Anspruch erschien uns sehr sportlich. Sportlich war auch der Aufstieg in die zweite Etage zur Studiobühne. Für Kinderwagen gab es einen Fahrstuhl, der in jeder Etage von zwei Holztüren mit Mann- und Frau-Symbolen flankiert war.

Vor der Studiobühne wurden wir sehr freundlich von Sabrina begrüßt, die ich bereits von der Webseite kannte. Eine andere junge Frau drückte uns A5-Schreibunterlagen mit eingeklemmtem Gottesdienstablauf in die Hand. Sehr kreativ. Das erinnerte mich an die Speisekarten in einigen der Friedrichshainer Szene-Restaurants. Das fanden wir sehr clever, da keine Heftchen gefaltet werden müssen, sondern die Blätter einfach ausgedruckt und - klack - festgeklemmt werden.

Auf Nachfrage erfuhren wir, dass es auch hier eine Art akademisches Viertel gebe, welches jedoch auf zehn Minuten reduziert sei. Deshalb sei man noch mit dem Aufbau und den Proben beschäftigt und wir sollten uns ruhig einen Kaffee holen. Julia begrüßte uns an der "KaffeeBar" und erzählte uns einiges zur Gemeinde. In diesem Gespräch spielte meine Frau ihren Trumpf aus: "Das ist die Gemeinde mit den "Poetry Slams". "Aha", die Stimmung wurde immer besser. Wir fühlten uns hier richtig wohl. Weitere junge Leute kamen, stellten sich vor und wechselten einige Worte mit uns. Auf Druck der Familie mussten wir wieder in der letzten Reihe sitzen.

Als etwa fünfzig Besucher anwesend und die akademischen zehn Minuten verstrichen waren, begann der Gottesdienst. Er wurde umrahmt von einigen Vortragsstücken und dem Lobpreis eines dreiköpfigen Teams. Die Kindersegnung fand ganz am Anfang statt und wurde sehr ausführlich von Sabrina erklärt. Die Gemeinde segnete eines der kleinen Mädchen, deren Doppelname Lichtstrahl und Mutterschaf bedeutet. Überhaupt scheint Projekt:Kirche nur aus Singles und Paaren zwischen dreißig und vierzig sowie einigen Kleinstkindern zu bestehen. Wieder einmal fragten wir uns, in welcher Gemeinde die Erwachsenen und Teenager in unserem Altersbereich zu finden seien. Egal, wir fühlten uns hier sehr wohl und verfolgten das weitere Gottesdienst-Geschehen.

In der Predigt ging es um einen Text, den wir gerade im CVJM-Gebetskreis bewegen: 1. Joh 1,5 bis 1. Joh 2,2. Besonders intensiv hatten wir uns mit Vers 7 aus Kapitel 1 beschäftigt, der uns dazu auffordert im Licht zu leben, so wie Gott im Licht ist. Fabi, der kurzfristig eingesprungene Referent, bettete die Predigt in eine Episode aus seiner Schulzeit ein, wo er seinen Eltern gegenüber den guten Schüler mit Vorbildwirkung gespielt hatte, während die Realität ganz anders aussah. Dann kam der Elternsprechtag. Im Angesicht dieses Szenarios brachte er seine Defizite ans Licht und bekam mit viel Peinlichkeit letztlich doch noch die Kurve.

Es folgten einige Lobpreislieder, die Fürbitte und der Segen. Es gab keine Kollekte. Wer die Gemeinde unterstützen wolle, könne die Kontonummer im Begleitblatt nutzen oder etwas in die Kiste an der KaffeeBar legen. Unsere Freunde aus Marzahn kannten mal wieder mehrere Leute aus der Gemeinde. Wir sind immer wieder erstaunt, wie breit vernetzt sie doch sind.

Beim Hinausgehen schlug meine Frau das Il Ritrovo in der Wühlischstraße vor. Bei Pizza Tonno, Afri Cola, Espresso Americano und Pferdefleisch-Pizza unterhielten wir uns über Projekt:Kirche, den gestrigen Männertag in Oberkrämer und die jüngsten Entwicklungen in Marzahn. Wegen des nächsten Sonntages konnten wir uns nicht so recht entscheiden, da noch so viele interessante Gemeinden auf der Agenda stehen.

Montag, 3. Oktober 2016

Marzahn Connection und die German-American Reunification Party

Der 3. Oktober hat nicht nur seit 25 Jahren in Deutschland Tradition, sondern auch in der Geschichte von Gemeindegründung in Marzahn. Heute fand ein großes Wiedersehen der damaligen Akteure bei "Kulturschöpfer" im Friedrichshain statt.



Party, Essen, Gemeinschaft und eine geistliche Vision für den Kiez waren wichtige Merkmale des Gründungsprojektes Jugendkirche Marzahn. Das begann schon in den 1990er Jahren mit aktionsbetonten Veranstaltungen in Marzahner Jugendclubs und dem Freizeitforum.

Um das Jahr 2000 kam ein neues Team, das sich vorwiegend aus Amerikanern zusammensetzte. Und wieder gab es neben Englisch- und Basketballkursen diverse Partys im CVJM Jugendhaus Trinity. Das Team wurde von Jugendpastor Heiko Bürklin geleitet, einer der fähigsten Leiter und Teambuilder unter denen ich je gearbeitet habe. Vor etwa zehn Jahren ging er wieder nach Amerika zurück und wurde dort in einer Kontrastgemeinde eingesetzt. Hinter dem Flachbau in South Carolina, ganz in der Nähe des Wohnortes von Billy Graham, befand sich ein riesiger Gemeindefriedhof. Heiko erzählte, dass er dort mehr Beerdigungen als Taufen durchgeführt habe. Kontrastprogramm!

Der Rest des damaligen Teams und auch viele der Jugendlichen waren dann in die Trendbezirke Mitte und Prenzlberg umgezogen. Bei einer der diversen Hochzeiten gab es das obligatorische Gruppenfoto, wo das Ausmaß der Marzahn Connection sichtbar wurde. Über die gut zwanzig Jahre waren mehrere hundert Leute durch die Jugendkirche Marzahn gegangen und dabei geistlich und persönlich geprägt worden.

Heute war Heikos Frau Kay in Berlin. Sie arbeitet zur Zeit für eine Organisation, die sich um Flüchtlinge in Griechenland, Deutschland und anderen Ländern kümmert. Und was macht man bei solch einem Besuch?

Party!

Das Treffen reihte sich elegant in die Tradition diverser Gemeinde- und Gartenpartys zum Tag der Deutschen Einheit ein. Wir waren sehr früh vor Ort. Das heißt, fünf Minuten nach Beginn. Wird noch jemand kommen? Innerhalb der nächsten vier akademischen Viertel füllten sich die kreativ gestalteten Räume des "Kulturschöpfers". Leckerer Humus, Macarons, Nachos, Kuchen und Cookies wurden mitgebracht und standen für die großen und kleinen Gäste bereit. Kay begutachtete zunächst die Räume und beschäftigte sich dann intensiv mit den Besuchern. "Seid ihr groß geworden", wurde zwar kaum ausgesprochen, dafür aber mehrfach visuell ausgedrückt. Unsere Kinder sind inzwischen größer als einige der damaligen Jugendlichen. Witzig!

Kaffee, Cookies, Gespräche mit ehemaligen Missionaren, ehemaligen Marzahnern und Gemeindegründern aus der City. Ein bunter aber bekannter Mix von Menschen, mit denen wir einige Stationen unseres Lebens verbracht hatten. Eine Frau aus Mitte erzählte, dass sie über die Klimaveränderung in Marzahn seit der Jahrtausendwende immer noch begeistert sei und dass einige ihrer Innenstadt-Bekannten sogar ins grüne Marzahn umziehen wollen.

Könnte das der Anlass für einen Neustart werden? Ein Gründungsprojekt mit dem Namen "Marzahn Connection"?

Meine Frau jedenfalls war sehr betroffen von den Schilderungen zur Situation unserer ehemaligen Gemeinde. Einige der letzten Mitglieder waren auch auf der Party und fragten nach Alternativen. Ich empfahl ihnen diesen Blog und einige passende Gemeinden in der Stadt. Marzahn braucht Jesus! Und Marzahn braucht eine Anlaufstelle für Menschen, die eine Beziehung zu Jesus suchen. Für 260.000 Einwohner sind die vorhandenen Gemeinden zu wenig und teilweise auch zu sehr mit sich selbst und anderen Dingen beschäftigt.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Jakob-Gemeinde Friedrichshain

Die Jakob-Gemeinde Friedrichshain versteht sich als Gemeinde für den Kiez. Ihre Mitglieder sind junge Familien und Singles. Die Predigt ist provozierend und lässt das Thema noch über die nächste Woche nachklingen. Für den Gemeinschaftsteil nach dem Gottesdienst steht im Vorderhaus der Rigaer Straße 86 ein Gemeinde-Café zur Verfügung.



Zum Besuch der Jakob-Gemeinde Friedrichshain hatten sich heute neun Leute aus Marzahn verabredet. Wir alle waren ungewohnt pünktlich vor Ort und platzten dadurch mitten in die Vorbereitungen zum um 10:30 Uhr beginnenden Gottesdienst. "Mal wieder Brunch", war uns gesagt worden. Deshalb hatten wir auch heute wieder unsere Töpfe - natürlich mit Inhalt - dabei. Im Gemeindecafé im Vorderhaus solle es Kaffee geben, wurde uns gesagt. Das war gut!

Während wir mit dampfenden Tassen etwas unbeteiligt im Gottesdienstraum herumstanden schlurften die ersten Friedrichshainer an uns vorbei. Der übernächtigte Blick schweifte über uns hinweg und diente wohl lediglich einer Groborientierung. 10:30 Uhr sollte in Sicht auf die regionale Zielgruppe eventuell überdacht werden.

Mit unseren neun Personen machten wir etwa 25% der heutigen Besucher aus. Es muss schon bessere Zeiten in der Rigaer Straße gegeben haben. Viele der Gemeindemitglieder kannten wir noch aus alten Zeiten. Jakob-Pastor Paul Clarkson war Mitte der 1990er Jahre im Rahmen eines OM-Teams an der Neugründung der damaligen Jugendkirche Marzahn (inzwischen Junge Kirche Marzahn bzw. Kirche43) beteiligt. Vor etwa zwanzig Jahren ging von der Lukas-Gemeinde in Schöneberg (Mülheimer Verband) eine regelrechte Gründungswelle aus. Zuerst wurde die Josua-Gemeinde in Spandau ausgegründet, wobei diese durch gewachsene Wohnstrukturen einen erheblichen Massevorteil hatte. Unmittelbar darauf folgten die Gründungsaktivitäten in Friedrichshain und Marzahn. Weitere Gründungsprojekte in Prenzlauer Berg (jetzt Philippus-Gemeinde) und Pankow (jetzt Paulus-Gemeinde) folgten.

Es muss also definitiv an der Uhrzeit liegen, dass die Jakob-Gemeinde über wesentlich mehr Plätze als Gäste verfügt. Denn der Lobpreis, die Lebensberichte und die Predigt - gespickt mit schwarzem englischem Humor und Alltagsbeispielen - waren super! Es ging ums Danken. Auf gute Resonanz stieß dabei der Vorschlag, innerhalb der nächsten vier Wochen jemandem einen Brief zu schreiben und konkreten Dank auszusprechen. Paul Clarkson provozierte mit der Frage: "Was hättest du, wenn du morgen nur noch mit dem aufwachst, wofür du heute gedankt hattest?"

Beim anschließenden Verzehr der mitgebrachten Süppchen und Kuchen kamen wir gut mit den Gemeindeleuten ins Gespräch und berichteten ausführlich über unsere Erfahrungen bei den Besuchen der unterschiedlichen Gottesdienste.

Freitag, 17. Juli 2015

Gottesdienst-Marathon von Marzahn bis Friedrichshain

Einen wahren Gottesdienst-Marathon hatten wir bereits im Mai absolviert. Drei Gottesdienste an einem Tag und so unterschiedlich, wie man es sich nur vorstellen kann:



Es begann um 10:00 Uhr in der katholischen Kirche "Maria, Königin des Friedens" in der Biesdorfer Oberfeldstraße. Bereits an der Parkplatzsituation war festzustellen, dass es voll werden könnte. Diese Kirche war uns kurz vorher von einem evangelischen Gemeindepädagogen empfohlen worden, der mit seiner katholischen Frau öfter mal hier zu Gast ist. Als wir den großen Saal betraten, waren schon fast alle Plätze besetzt - geschätzt 200 Menschen. Die Besucher deckten alle Altersgruppen ab und bewegten sich zwischen alteingesessenem Biesdorfer bis hin zum Wahlmarzahner aus Vietnam.

Die Predigt war kurz und sehr auf den Alltag bezogen, ohne jedoch den klaren Blick auf Jesus zu verlieren. Da wir in der letzten Bank saßen, konnten wir uns während der umfangreichen Liturgie an den Handlungen der anderen Besucher orientieren und fielen deshalb nicht weiter auf.

Der Priester mit polnischen Wurzeln hatte offensichtlich einen sehr guten Draht zur Gemeinde. Jugendliche schenkten ihm zum Geburtstag eine Volxbibel und auch Erwachsene dankten ihm in diesem Gottesdienst. Er selbst wurde bei den Ansagen gar nicht mehr fertig mit Dankesworten für jeden noch so unbeachteten Dienst, die im Dank an den Elektriker für die Reparatur der Lampen gipfelte. Das gefiel uns sehr gut! Anschließend lud er die Gemeinde zur gemeinsamen Geburtstagsfeier im Kirchengarten ein. Der Priester und seine Gemeinde - ein starkes Team!

Vor dem nächsten Gottesdienst hatten wir noch etwas Zeit, die wir bei McDonalds verbrachten.

Punkt 14:00 Uhr trafen wir dann im Gewerbegebiet nahe des UKB (Unfallkrankenhaus Berlin) ein. "Wir haben die Uhr. Afrikaner haben die Zeit", war mein Spruch in dem Bewusstsein, dass der Gottesdienst der CFT Berlin-Marzahn (Christ Faith Tabernacle) nicht wirklich Punkt Zwei anfangen wird. Und tatsächlich: In der unteren Etage saßen einige Schwarze mit Krawatte um einen Tisch und beschäftigten sich offensichtlich mit Bibel und Gebet. Im Obergeschoss liefen einige Frauen mit Kindern umher. Wir wurden sehr freundlich begrüßt und zu eleganten Stühlen begleitet. Dort setzten wir uns und warteten. Immer wieder kamen äußerst herzlich grüßende Menschen mit afrikanischer Zuwanderungsgeschichte an unsere Stuhlreihe und grüßten oder fragten nach unserem Wohlergehen. Wir bekamen ein Blatt zur Kontaktaufnahme und umfangreiches Informationsmaterial in die Hand gedrückt.

Nach etwa einer halben Stunde begann der Gottesdienst mit starkem Lobpreis, wie man ihn von Gospelchören her kennt. Danach trat ein Pastor auf und redete soweit ich mich erinnere über den Hebräerbrief und Liebe. Nach gefühlten neunzig Minuten erregt und mit hoher Lautstärke ins Mikrofon gesprochener Predigt auf Englisch mit afrikanischem Akzent, war unsere Auffassungsfähigkeit sehr erschöpft. Umso mehr freuten wir uns dann über den getanzten Lobpreis mit Segnungszeit. Jakobus 5, 14 (Salbung mit Öl durch die Ältesten) wurde dabei sehr überschwänglich eingesetzt und verfehlte seine Wirkung nicht. Die Gottesdienstbesucher tanzten in Scharen nach vorne und wurden in einer besonderen Weise berührt. Auch wir hatten in dieser Zeit bei geschlossenen Augen interessante Eingebungen.

Am Ende wurden wir wieder von mehreren Gemeindemitgliedern begrüßt und gesegnet. Der Pastor reichte uns die komplett ölige Hand (Jakobus 5,14). Dann gingen wir tief bewegt nach draußen.

Es blieb wenig Zeit, um bis 18:00 Uhr bei ICF Friedrichshain zu sein. Als wir dort eintrafen, war schon alles dunkel. Ja, dunkel - wegen der besonderen Atmosphäre. Weil es so dunkel war, hatten wir etwas die Orientierung verloren, wurden jedoch von einer freundlichen jungen Dame abgefangen und in den Gottesdienstsaal gelotst. Auf der linken Seite konnten wir die Umrisse zusammengeklappter Stühle entdecken und griffen uns diese. Wir pirschten uns an der Theke vorbei und fanden sogar noch die vier benötigten Plätze. Im Rampenlicht stand Pastor Tino Dross. Seine Predigt war modern, locker, nicht ganz kurz und theologisch an einigen Stellen nachjustierbar. Das muss an seiner frischen Ausbildung gelegen haben.

Der Lobpreis war super! Nach dem Gottesdienst wurden wir interessiert angesprochen und nach unseren Gemeindeerfahrungen und unserem Anliegen des Besuches gefragt. Was die Integrationsfähigkeit von ICF Friedrichshain betrifft: 100 Punkte! Nur dass eine so hohe Konzentration von alleinstehenden jungen Erwachsenen zu verzeichnen war, dass man sich als Teenager oder Erwachsener ab 35 etwas exotisch vorkam.

Dieser Tag hatte gezeigt, welche Vielfalt in der christlichen Szene der Stadt herrscht. Für jeden Geschmack und Bedarf ist etwas dabei.