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Samstag, 1. Dezember 2018

Vulgata Tusculum auf Deutsch

Wer die Vulgata lesen möchte, muss jetzt kein Latein mehr lernen. Mit der Vulgata Tusculum gibt es nun eine wissenschaftliche Übersetzung ins Deutsche. Diese wurde gestern in der Katholischen Akademie vorgestellt.



Die Einfahrt ins Parkhaus der Katholischen Akademie war eng. Die dunklen Streifen an der Wand signalisierten, dass hier schon so manch ein Fahrzeug zerschellt war. Den Wagen stellte ich vor dem Schild "Bischofskonferenz" ab und ging zum Fahrstuhl. Wer einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit haben möchte, sollte den Fahrstuhl zum Erdgeschoss nutzen.

Im Erdgeschoss erfuhr ich, dass die Vulgata in der dritten Etage vorgestellt werde. Diesmal nutzte ich die Wendeltreppe und gelangte in einen mit vielen Stuhlreihen gefüllten Raum. Das Publikum erinnerte optisch und demografisch an Veranstaltungen der CDU/CSU-Fraktion. Über mir gab es eine Glaskuppel. Dort konnte kontrolliert werden, ob die Haare noch liegen. Das war mir jedoch egal, da meine Frau die Haare vor einem Monat geschnitten hatte. Versehentlich war der Haarschneider auf neun Millimeter eingestellt worden, so dass bis heute keine für die Glaskuppel relevante Frisur nachgewachsen ist.

In der ersten Reihe - also direkt vor mir - nahmen mehrere Professoren Platz. Nacheinander durften sie ans Pult treten und über ihr Werk reden. Die Vulgata in Deutsch war in nur sieben Jahren entstanden und hatte einige Übersetzer und sonstige Dienstleister verschlissen. Die drei Herausgeber - allesamt Professoren der Theologie - hatten sehr genau hingeschaut, welche Qualität geliefert wird. So sollten die Übersetzer jegliche regionale und sprachliche Eigenheiten ablegen, sie sollten keine Pastoraltöne, kein Lutherdeutsch und auch keinen Cicero einfließen lassen.

Den Cicero-Spagat hatte Hieronymus sehr gut hinbekommen. Während er um 400 seine Vorreden zu den biblischen Büchern im Stil von Cicero und natürlich auf Latein verfasste, konnte er bei der Übersetzung des hebräischen Urtextes auf die lateinische Alltagssprache umschalten. Wie Luther schaute auch Hieronymus "dem Volk aufs Maul". Aus protestantischem Prinzip durfte Luther den Hieronymus zwar nicht mögen, schätzte doch aber sein sprachliches Handwerk sehr.

Wer sich für Bibelübersetzungen und die damit verbundene Arbeit und den Kampf um die optimale Übertragung in eine andere Sprache interessiert, hätte gestern einen Hochgenuss erlebt. Die Professoren warfen Folien an die Wand mit Versen auf Hebräisch, Griechisch, Latein und Deutsch und schilderten die Herausforderungen bei der Übertragung von Redewendungen und Dingen, die in anderen Kulturen vielleicht gar nicht existieren. Das beginne schon in den ersten Versen der Bibel. Besonders schwierig sei die Übertragung des Hebräischen ins Griechische gewesen, da die Griechen mit "von ganzen Herzen" nichts anfangen konnten. Was hat das Herz mit der Gefühlswelt zu tun? Deshalb wurde dann auf das Geistige übersetzt, so dass auch der gemeine Grieche etwas mit dem Vers aus 5. Mose 6, 5 anfangen konnte.

Noch dramatischer gestalteten sich aber Übersetzungen für Eskimos. Die kennen kein Lamm und Brot gibt es im Polarkreis auch nicht. So wurde das Lamm in Robbenbaby übersetzt und auch für das Brot wurde ein schwaches Pendent gefunden. Allerdings waren damit wichtige Symbole zerstört: Brot und Wein oder Lamm Gottes. Die Professoren erläuterten die Entscheidungswege zur Festlegung des für die jeweilige Sprache passenden Äquivalentes. Generell war ein sehr ehrfürchtiger Umgang mit den Urtexten und Quellen festzustellen.

Bei der Übersetzung muss also zunächst entschieden werden, ob es ein formales oder ein dynamisch-funktionales Ergebnis geben soll. Die Elberfelder oder die Martin Buber gelten als formale und eher trockene Übersetzungen, die möglichst nah am Urtext rangieren. Die Hoffnung für Alle oder gar die Volxbibel sind eindeutig dynamisch-funktionale Bibeln, die für eine bestimmte Zielgruppe in deren Sprache übersetzt wurden. Die Professoren ließen sich nicht nehmen, zu erwähnen, dass "Die Bibel für kluge Kinder und ihre Eltern" gerne als Bibeleinstieg für Erwachsene genutzt wird. Durch die Hintertür des Kinderzimmers sozusagen.

Überhaupt waren insbesondere die Ausführungen von Prof. Dr. Widu-Wolfgang Ehlers mit spitzfindigem Humor gewürzt. Der Professor verzog keine Miene, während das Publikum fast bei jedem Satz in herzhaftes Lachen ausbrach.

Nach etwa zwei Stunden hatten wir einiges zum Thema Übersetzung gelernt und erfahren, dass die Vulgata Tusculum in Deutsch fünf Bände umfasst. Mit insgesamt 6.300 Seiten ist sie deutlich dicker als die Biblia Sacra Vulgata mit ihren 1976 Seiten. Das liegt wohl daran, dass der lateinische Text über oder neben der deutschen Übersetzung steht. Da ein Band knapp 80 Euro kostet, ist die Bibel wohl eher etwas für Experten oder Sammler. Alle fünf Bände kosten demnach 400 Euro. Das ist selbst mir zu teuer, so dass ich lieber bei meiner Vulgata in der Originalfassung von Hieronymus bleibe.

Es gab zwar noch einen Sektempfang des Verlages, aber ich wollte sicher sein, dass ich zur späten Stunde noch mein Auto aus der Tiefgarage bekomme. Nach dem Einwurf von drei Euro konnte ich sogar offiziell durch die geöffnete Schranke hinaus in die regnerische Nacht fahren.

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Katholiken und Lutheraner beim Reformationstag in der Dorfkirche Marzahn

Reformationstag zusammen mit einer katholischen Gemeinde? Geht sowas überhaupt? In der Dorfkirche Marzahn sahen wir heute, wie das funktioniert.



Es begann um 17:45 Uhr. Acht Wellen morbide geschminkter Kinder fluteten durch unsere Straße. Näääääht, schrillte die Klingel. Ich war allein zu Hause und machte die Bürotür zu. Meine Familie nutzte den Eingang des Nachbarhauses und schlich sich über den Durchgang in der neunten Etage in unseren Aufgang. Erwischt! Überall totgeschminkte Kinder, die nach Süßigkeiten bettelten.

Im Familien-Chat der Großfamilie wurden Gruselvideos geteilt und mit entsprechenden Emojis kommentiert. Meine Schwiegermutter setzte ihren eigenen Akzent: "Damit kann ich mich nicht anfreunden, für mich ist heute Reformationstag". Zuvor hatte sie darum geworben, mit uns zusammen das Abendmahl in der Dorfkirche Marzahn einzunehmen. Das entsprach nicht ganz so unseren Vorstellungen. Dennoch kamen meine Frau und ich ihrem Wunsch nach.

Bereits an der Tür begegnete uns eine junge Frau in knallrotem Mantel. Soviel Frische hatte ich nicht erwartet. In der Kirche war es gut geheizt, aber nicht überheizt. In den Bänken saßen viele ältere Herrschaften. Wir platzierten uns auf einer der vorderen Reihen, damit meine Schwiegermutter gut hören konnte.

Es kamen weitere Besucher, auch jüngere Leute. Die Empore war voll. Der ökumenische Chor, bestehend aus evangelischen und katholischen Sängern, hatte sich auf diesen Abend gut vorbereitet. Geleitet wurde er vom Kantor der benachbarten katholischen Kirche. Die Beziehungen zwischen den beiden Gemeinden bestehen schon sehr lange. Immer wieder werden gegenseitig Räume zur Verfügung gestellt und Feste des Kirchenjahres gemeinsam zelebriert.

Der Gottesdienst zum Reformationstag lief mit einer umfangreichen Liturgie ab. Lieder von Paul Gerhard und anderen bekannten Kirchenmusikern wurden gesungen oder durch den Chor vorgetragen. Da Pfarrer Ludewig verhindert war, führte ein theologischer Mitarbeiter durch das Programm und hielt auch die Predigt.

In der Predigt ging es um den Galaterbrief mit der Kernaussage (Galater 5, 1): "Zur Freihat hat uns Christus befreit". Freiheit, die in Verantwortungsbewusstsein gelebt wird und uns entspannt das Richtige zur richtigen Zeit tun lässt. Im Mittelpunkt stand Jesus. Jesus war auch das Bindeglied des heutigen Abends für die katholischen und evangelischen Christen.

Dann sangen wir zusammen mit den Katholiken noch den Reformationsklassiker "Ein feste Burg", sprachen das Glaubensbekenntnis und nahmen gemeinsam das Abendmahl ein. Drei Sachverhalte, die normalerweise in dieser Form nicht üblich sind.

Bei den Ansagen erfuhren wir, dass das katholische Gemeindehaus zurzeit renoviert wird. deshalb nutzt die Gemeinde die evangelische Dorfkirche für ihre Gottesdienste und sonstigen Veranstaltungen. Auch das Martinsfest wird in diesem Jahr in der Dorfkirche stattfinden.

Sonntag, 6. Mai 2018

Bullets, Warriors, Katholiken und die Gottesdienste in Eberswalde

Das erste Football-Spiel unseres Sohnes fand heute in Eberswalde statt. Die Zeit zwischen Abliefern des Kindes und Spielbeginn nutzten wir zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes im Ortsteil Eberswalde-Finow.



"Warum wohnen wir nicht in Eberswalde?", fragte unsere Tochter nachdem wir unseren Sohn am Wasserturm rausgelassen hatten. Rechts und links saftige Wiesen, kleine Wäldchen, flache Häuser, gepflegte Altbausubstanz, hier noch ein See und dort neues Kopfsteinpflaster. Warum eigentlich nicht? Das sah hier ganz nett aus.

Im Vorfeld hatte ich bei Google nach Kirchen in Eberswalde gesucht. Die Ergebnisse waren übersichtlich: Baptisten, eine evangelische Kirche, eine freie Christus Gemeinde Eberswalde, eine neuapostolische Gemeinde, eine methodistische Gemeinde und zwei katholische Gemeinden. Neuapostolisch hatten wir bisher nicht auf dem Radar. Die Webseiten der Methodisten, Baptisten und Evangelischen Kirche waren so altbacken oder rudimentär, dass ein Besuch ebenfalls ausschied.

Christus Gemeinde Eberswalde und das erste Spiel der Berlin Bullets

Den interessantesten Eindruck vermittelte die CGE Christus Gemeinde Eberswalde. Deren Gottesdienst sollte von zehn bis zwölf gehen. Das kollidierte jedoch mit dem Spielbeginn der Berlin Bullets gegen die Eberswalde Warriors um elf.

Ein halbes Jahr hatte unser Sohn auf dieses erste echte Spiel hintrainiert: American Football. American Football hat mit Fußball so gut wie gar nichts zu tun und ist eine Sportart mit Schubserei, Festhalten, Umrennen, vielen blauen Flecken und undurchsichtigen Regeln. Die Amis stehen darauf. Deshalb läuft alles auf Englisch mit Quarterback, O-Line, Defense und ähnlichen Begriffen, die unser Sohn inzwischen komplett beherrscht.

St. Theresia zum Kinde Jesu

Blieb also noch die katholische Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu, wo der Gottesdienst um 8:30 Uhr begann. Oh, war das früh! Um diese Zeit mussten wir aber unseren Sohn abgegeben haben und hatten dann noch zweieinhalb Stunden Zeit.

St. Theresia ist eine kleine Backsteinkirche auf einem Eckgrundstück. Der Innenraum ist hell und freundlich. An den Wänden sind Reliefs mit dem Kreuzweg eingelassen. Der Altarbereich dieses schlichten Raumes freute mich besonders - endlich mal wieder Latein: "Agnus Dei qui tollit peccatum mundi". Das steht in Johannes 1 Vers 29 und bedeutet: "Das Lamm Gottes, das wegnimmt die Sünde der Welt". Meine Tochter schaute skeptisch, da sie Wörter wie peccatum (Sünde) in der Schule nicht gelernt hatte.

Der Saal füllte sich, so dass letztlich etwa 30 Personen auf den Holzbänken saßen. Das Durchschnittsalter lag bei 70. Eigentlich schade, denn die Ansagen des Pfarrers und dessen Predigt waren wirklich kurzweilig und gut. Er sprach frei, hielt Blickkontakt zu den Besuchern und redete wie ein Mann, der die Alltagssprache und die Herausforderungen seiner Nachbarn kennt. Unterstützt wurde er von zwei Messdienern im Teenager-Alter. Diese beäugten uns unentwegt, da wir den Altersdurchschnitt so signifikant nach unten korrigierten.

Katholisch heißt "für alle da"

In der Predigt zu Apostelgeschichte 10 - der heidnische Hauptmann Cornelius wird getauft - machte der Referent klar, dass auch Cornelius katholisch wurde. Katholisch im Sinne von "für alle da". Mir kam dabei ständig in den Sinn, dass auch Luther katholisch gewesen sei, obwohl man ihn heute in einer anderen Ecke einordnet. Die Predigt ermutigte, dass auch eine katholische Gemeinde wieder praktisch für alle da sein sollte. Dass sich der biologische Nachwuchs ausgedünnt hatte, war ja deutlich zu erkennen.

Übrigens war ich bei Recherchen zum Nuntius des Heiligen Stuhls - also dem Botschafter des Vatikans - darauf gestoßen, dass Erzbischof Eterovic (Chef des Diplomatischen Korps in Deutschland) seit 2011 als Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung fungiert. Dieser Rat zur Förderung der Neuevangelisierung wirkt gerade in Ländern, wo das Christentum schon lange beheimatet ist, jedoch durch die Säkularisierung an Bedeutung verloren hat. Genau in diesen Tenor stimmte die heutige Predigt bei St. Theresia ein.

Gesang ohne Instrumente

Bemerkenswert war auch die Musik. Der Gesang kam komplett ohne Instrumental-Begleitung aus und füllte das Volumen des Kirchenschiffs. Wegen der guten Beschilderung konnten wir fast alle Elemente der Liturgie mitsingen und schauten uns den Rest von den Leuten ab, die um uns herumsaßen. Es gab auch Abendmahl und den üblichen Friedensgruß mit Körperkontakt: Hände schütteln.

Nach dem Gottesdienst brachten wir die Gesangsbücher weg und traten in die gleißende Sonne. Über Kopfsteinpflaster rumpelten wir zum Wasserturm zurück.

Bullets versus Warriors

Die Berlin Bullets waren umgezogen und machten sich auf dem Platz warm. Die Warriors hatten zwei Hüpfburgen aufgeblasen und ein großes WARRIORS auf den Platz gepinselt. Warriors heißt Krieger, während Bullets die Patronen sind. Nach der ersten Halbzeit stand es 40 zu Null für die Eberswalder. Unentwegt war ich unterwegs, um Kuchen, Würstchen, Salat, Grillfleisch, Kaffee, Schirme oder Decken zu holen. Bei den Regeln sah ich ohnehin nicht durch. Ich wusste nur, dass mein Sohn die weiß-grüne 53 war. Den Rest konnte man unter Helm und dem Brustpanzer nicht erkennen. Meine Tochter hatte noch dafür gesorgt, dass er gelbe Turnschuhe trug. Das fiel auf.

Es war das erste Spiel dieser Mannschaft überhaupt. Deshalb waren die 40 zu Null zu verkraften. Insbesondere deshalb, weil in der zweiten Halbzeit keine weitere Veränderung des Spielstandes eintrat. Die erste Halbzeit war zum Üben, die zweite zum Bewähren. Wir sind gespannt auf das nächste Spiel.

Freitag, 2. März 2018

Requiem für Pater Alain-Florent Gandoulou

"Teuer ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen", heißt es in Psalm 116. Vor einer Woche ist der katholische Priester in seinem Berliner Büro ermordet worden. Heute hielt Erzbischof Heiner Koch das Requiem.



Vor einem Jahr lernte ich eine Frau kennen, die regelmäßig für die Caritas im Kongo unterwegs ist. Eines Tages geriet ihr Konvoi in einen illegalen Check-Point. Die Insassen des ersten Fahrzeuges wurden als Geiseln festgehalten. Ihr eigener Fahrer konnte wenden und fliehen. Die Splitter der Tür stecken immer noch in ihrem Fuß. Eine normale Karosserie hält bei Kalaschnikow-Beschuss gar nichts ab.

Kongo, Ost und West

Auch in Kongo gibt es eine Ost- und West-Trennung. Der Westen nennt sich Republik Kongo und war bis 1960 unter französischer Herrschaft. Der deutlich größere Osten nennt sich Demokratische Republik Kongo und war bis 1960 unter belgischer Hoheit. In beiden Teilen gilt Französisch als Amtssprache.

Kongo war auch das Geburtsland von Pater Alain-Florent Gandoulou, also die Republik Kongo im Westen. Er lebte schon viele Jahre in Deutschland. In den Kongo konnte er nicht mehr zurück, da er die dortige Politik kritisiert hatte. Bei seiner Gemeinde in Charlottenburg war er sehr beliebt. Nach den Gottesdiensten soll er immer wieder Leute zum Essen mit nach Hause genommen und sich sehr selbstlos um seine Gemeindemitglieder gekümmert haben. "Papa Alain" muss ein freundlicher und umgänglicher Mann gewesen sein.

Französisch in Berlin

Seine Gemeinde Paroisse Catholique Francophone wurde 1945 gegründet und bot zunächst den französischen Alliierten eine geistliche Heimat. Entsprechend nachhaltig waren auch seine Beziehungen zum Militär. So hatte er unter anderem an einem Pfingst-Gottesdienst beim Wachbataillon in Tegel teilgenommen. In Berlin leben weit über 18.000 Franzosen. Hinzu kommen Afrikaner, die Französisch aus ihren Heimatländern mitgebracht haben.

Pater Alain-Florent Gandoulou war am 11. August 1963 in Brazzaville geboren worden. 1991 wurde er zum Priester geweiht und arbeitete einige Jahre seiner Geburtsstadt. 1996 zog er nach Bonn (Bad Godesberg) und promovierte dort in Christlicher Gesellschaftslehre. Bis 2005 engagierte er sich in einer Bonner Gemeinde, ging dann nach Paris und startete 2009 seine Arbeit in Berlin. Ein intelligenter Mann also, der seine Chancen genutzt hatte und dabei ein nahbarer Ansprechpartner geblieben war. Ein Mann, der seinen Bezugspersonen ein Beispiel gelebten Glaubens vermitteln konnte.

Requiem

Requiem - Ruhe - für Pater Alain-Florent Gandoulou. Am 22. Februar 2018 wurde er im Streit von einem anderen Afrikaner ermordet. Der Tatort muss dem Szenario eines skandinavischen Krimis geglichen haben: Stichwunde im Kopf, beigefügt mit einem Regenschirm. Der mutmaßliche Täter wurde am Folgetag in Reinickendorf gefasst. Dieser war nur halb so alt wie der Papa Alain und kam aus Kamerun, dem nordwestlichen Nachbarland der Republik Kongo.

S-Bahn, Koch und neue Leute

Heute habe ich einen Fehler gemacht. Bei -8°C wollte ich mit der S-Bahn in die City fahren. Ich freute mich, dass sie schon im Bahnhof stand und auf mich wartete. "Der Zugverkehr ist unregelmäßig", tönte es regelmäßig durch den Lautsprecher. Schön warm war es in der Bahn. Nach einer halben Stunde stieg ich wieder aus. Die Bahn hatte sich keinen Zentimeter bewegt.

Pater Alain-Florent Gandoulou soll im Kongo beigesetzt werden - in seiner Geburtsstadt Brazzaville. Das heutige Requiem - die Gedenkmesse - mit Erzbischof Heiner Koch habe ich verpasst. Schade. Dennoch ist mir schon durch die Beschäftigung mit Papa Alain eine Person aus der christlichen Szene Berlins nahe gebracht worden, die ich bisher nicht kannte. Parallelwelten eben, die postmortal zu einer Welt - der neuen Welt Gottes - verschmelzen.

Sonntag, 28. Januar 2018

Alt-Katholiken in Wilmersdorf

Angeregt durch eine Begegnung bei EINS besuchten wir heute den Gottesdienst der Alt-Katholiken in Wilmersdorf. Die katholische Freikirche ist zentral gelegen und hat am Innsbrucker Platz einen eigenen Autobahnanschluss.



Heute fuhren wir zu viert nach Wilmersdorf. 10:30 Uhr war ein guter Kompromiss zwischen Mittagessen und familiärer Morgen-Hektik. Überpünktliches Erscheinen sicherte uns einen guten Parkplatz. Neben dem Matchbox-Laden Cars & Boxes führte eine kleine Treppe in die Räume der Berliner Alt-Katholiken. Die Tür sah verschlossen aus, war sie aber nicht.

Wir betraten eine helle Stube mit Bildern in freundlichen Pastelltönen. An den Wänden klebten goldene Kreuze. Durch einen Vorhang schauten wir in einen weiteren Raum. Dort stand ein Tisch und darüber hing ein Gemälde von Josef-Hubert Reinkens.

Freikirche auf Katholisch

Reinkens wurde 1873 als erster Bischof der Alt-Katholiken geweiht und noch im selben Jahr von der preußischen Regierung als gleichberechtigt zu römisch-katholischen Bischöfen anerkannt. Damit hatte die katholische Kirche wieder eine Trennung erlebt. 1054 hatte sie sich schon von der orthodoxen Ostkirche verabschieden müssen, 1517 von den Protestanten und diesmal von den Alt-Katholiken. Während alt intuitiv mit konservativ gleichgesetzt wird, bedeutet es bei den Alt-Katholiken eher uralt, also Katholizismus aus einer Zeit, als es noch keine Unfehlbarkeit des Papstes und andere nachgelagerte Dogmen gab.

Mit ihren 145 Jahren sind die Alt-Katholiken eine recht junge Freikirche. Fast so jung wie der Mülheimer Verband, nur eben mit dreimal so vielen Mitgliedern. Während evangelische Freikirchen gerne die alten Liturgien über den Jordan werfen, praktizieren die Alt-Katholiken einen moderaten Übergang vom üblichen Stil der Landeskirche zum familiären Stil der Freikirche. So stand im Saal ein modernes Taufbecken, Kerzen, ein Altar, eine Kanzel und zwei Kruzifixe. Es gab Messdiener, Glöckchen, die Eucharistie - Abendmahl - und Gewänder in den Farben des Kirchenjahres.

Abendmahl, Weihnachten und Familien-Gottesdienst

Das Abendmahl durfte von allen genommen werden, die getauft waren und eine irgendwie geartete Kommunion absolviert hatten. So stellten auch wir uns in den Kreis und machten uns mit den Alt-Katholiken EINS.

Die Tatsache, dass hier immer noch Weihnachten zelebriert wurde, erstaunte uns. Der Vikar erklärte, dass die Weihnachtszeit erst am 2. Februar mit Mariä Lichtmess ende. Kein Wunder also, dass wir neben unzähligen weiteren Liedern auch "O, du Fröhliche" sangen und vor dem Altar Stall und Krippe bewundern konnten.

Heute war Familien-Gottesdienst und die Kinder durften den Hauptteil der Predigt übernehmen. Das heißt, sie wurden zum herbeigetragenen Gemälde von Josef-Hubert Reinkens befragt. Dabei lernten wir, dass der Mann auf dem Bild der erste Bischof gewesen sei und Bischöfe immer ein Kreuz auf der Brust tragen. "Außer vielleicht, wenn sie in Jerusalem den Tempelberg besuchen", dachte ich. Ein weiteres Bild zeigte eine Nonne - Computerausdruck. Zusammen mit den Kindern wurde festgestellt, dass Nonnen beten, putzen und kochen. Es wurde Kirchengeschichte vermittelt und die Wichtigkeit von Namen herausgestellt. Die Kinder wurden namentlich aufgerufen und jeweils eine Kerze für sie angezündet.

Eine Gemeinde weit und breit

Insgesamt nahmen etwa 50 Personen am Gottesdienst teil. Davon 20% Kinder. Da es in Berlin nur eine alt-katholische Gemeinde gibt, kamen die Besucher auch aus der weiteren Umgebung. Mit 23 Kilometern Anfahrt bewegten wir uns im Nahbereich. Die Alt-Katholiken in Berlin-Wilmersdorf sind im Radius von 200 Kilometern so ziemlich die einzigen ihrer Denomination. Dennoch haben die Räume ihre Wachstumskapazitäten ausgeschöpft. 20 Personen mehr würden einen Umzug erforderlich machen. Hier übrigens eine interessante Studie zu den Wachstumsschwellen von Gemeinden (bereitgestellt von https://der-leiterblog.de/).

Fast allen Anwesenden konnten wir während eines Friedensgrußes die Hände schütteln. Nach den jüngsten Klinik-Aufenthalten betrachte ich dieses liturgische Element sehr ambivalent. Es wird jedoch in vielen Gemeinden praktiziert. Laut Ansage sollte es heute wieder das traditionelle Familien-Gottesdienst-Mittagessen geben. Den Köchen winkt am Jahresende ein selbst gebasteltes Geschenk.

Da wir außer während des Friedensgrußes in unserer Anonymität belassen wurden, entfernten wir uns relativ zeitnah aus der umgebauten Wohnung im Hochparterre. Auf dem Rückweg entschlossen wir uns zum Test eines Inders am Winterfeldtplatz. Das war eine sehr gute Entscheidung, die zur Nachahmung anregt.

Samstag, 20. Januar 2018

Katholisch + Evangelisch + Orthodox + Koptisch = EINS

EINS war eines der ersten Gebets-Events für Berlin, an dem mehrere Hundert Christen unterschiedlicher - überaus unterschiedlicher - Prägung teilnahmen. Wir besuchten EINS heute in der EFG Schöneberg.



"Was bitte sind Alt-Katholiken?", fragte ich den jungen Mann an unserem Tisch. Die römisch-katholische Kirche hatte wohl nach Luther eine weitere Reformation erlebt, aus der die Alt-Katholiken hervorgegangen waren. Alt ist hier im Sinne von Fundament zu verstehen. Die Alt-Katholiken haben sich auf die allgemeine = katholische Kirche besonnen und lehnen die Unfehlbarkeit des Papstes ab.

Es entwickelte sich ein gutes Gespräch mit Menschen, deren Augen leuchteten, wenn es um EINS ging, nämlich Jesus als gemeinsame Grundlage. Weitere Bekannte gesellten sich dazu. Bald waren vier Gemeinden am Tisch vertreten. Wir trafen insgesamt sehr viele Alt-Bekannte quer durch die christliche Szene Berlins. Durchweg fitte Leute, denen die positive Entwicklung der Stadt wichtig ist.

Von EINS bis Erweckung

Auch die Erweckung um 1900 hatte mit gemeinsamen Gebetstreffen begonnen. Damals hatten sich die Christen gegenseitig um Vergebung gebeten, weil so viele trennende Dogmen und Praktiken den Blick auf EINS versperrt hatten, nämlich auf Jesus. Danach war es wie in der Apostelgeschichte abgegangen. EINS in Schöneberg bot dasselbe Potenzial. Mit dem Unterschied, dass noch Kopten, Orthodoxe und Katholiken dabei waren.

Multi-Kulti

An den Kopten waren wir bereits auf dem Weg zur EFG Schöneberg vorbeigeeilt und hatten noch überlegt, welcher Ethnie sie zuzuordnen seien. "Inder", meinte meine Frau. Ich verortete sie in Afrika. Dass man sich in der Herkunft täuschen kann, zeigten uns später der griechisch-orthodoxe Archimandrit und die südkoreanische Moderatorin. Beide kamen aus Duisburg.

Der hohe Anteil an Afrikanern, Asiaten, Syrern, Iranern und anderen Nicht-Muttersprachlern sorgte dafür, dass etwa die Hälfte der Gebetsstationen bei EINS mehrsprachig durchgeführt wurde. Fürbitte, Tanz, Singen und weitere Ausdrucksformen kamen zum Einsatz. Manch ein Teilnehmer betete erstmalig in einem neuen Stil und fühlte sich dadurch bereichert. Überhaupt herrschte den ganzen Nachmittag und Abend eine bemerkenswerte Harmonie.

Ökumene und Buffet

Musikalisch wurden wir von Afrikanern und Kopten begleitet. Die Predigt hielt Tobias Schöll vom Christus-Treff in Treptow. Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg hielt ein Grußwort. Der ÖRBB wird von Emanuel Sfiatkos von der griechisch-orthodoxen Kirche geleitet. Sehr bunt also das Event und gut aufeinander abgestimmt.

Griechen und Afrikaner waren für das Catering zuständig. Sie hatten zwei lange Buffets aufgebaut und einige Mitarbeiter zum Verteilen der spannenden Nationalgerichte dahinter gestellt. Wie üblich ging ich antizyklisch vor und hatte relativ schnell einen Zwischen-Snack, Besteck und Teller für unsere 5er-Gruppe besorgt. Die Befüllung der Teller musste in Eigenregie erfolgen. Das klappte auch ganz gut - schließlich ist Lebenszeit zu kostbar, um sie mit langem Warten zu verplempern. Während bekannte Pastoren noch in der Schlange standen, brachte ich unsere Teller zur Geschirrablage und versorgte die Wartenden mit einem Zwischen-Snack vom Buffet. Sie hatten aber gute Gespräche in der Reihe - wir am Tisch.

Gebetskonzert

Nach dem Essen sollte es ein Gebetskonzert mit BerlinUniteD geben. Da wir ständig alte Bekannte und neue Leute trafen, kamen wir kaum aus dem Untergeschoss heraus. Der Saal oben war inzwischen restlos mit Jugendlichen besetzt. "Wo gehen die eigentlich alle zur Gemeinde?", wollte meine Frau wissen. Bei unseren Streifzügen durch die Stadt hatten wir fast nur Gemeinden angetroffen, bei denen die Generation zwischen 10 und 20 fehlte.

Wir begaben uns auf die Empore und fanden sogar noch zwei Sitzplätze. Die Band rockte das Haus. Drei unbekannte Lieder. Der Pastor neben uns kannte die auch nicht. Trotzdem eine mitreißende Stimmung. Dann trat wieder Tobias Schöll auf. Am Flipchart entfaltete er eine kraftvolle Predigt zu Adam, Eva, dem System des Todes und der Überwindung dieses Systems durch Jesus mit dem System des Lebens.

Die Predigt war so kraftvoll, dass Jugendliche in Scharen nach vorne kamen und sich ein XP auf die Hand schrieben. Ein Zeichen, dass sie Jesus als Chef über ihr Leben anerkannten und Teil der Überwindung sein wollten. XP (Chi Ro) sind die griechischen Initialen für Christus - Χριστός - Christós.

Abgang

Da wir nun schon fünf Stunden bei EINS waren und auch nicht mehr so ganz mit der Altersstruktur harmonierten, entschlossen wir uns zur Heimreise. Zusammen mit dem Pastor neben uns verließen wir die Empore. Luftballons wurden durch den Saal geworfen. Diese sollten knallen, damit die Zettel mit den entsprechenden Gebetsthemen freigesetzt werden konnten. Jugend eben. Schade, dass unsere Kinder nicht dabei waren.

Wir holten die Winterjacken und wurden Zeugen einer ernst gemeinten Forderung an die EINS-Initiatoren: "Sowas müsste es jeden Monat geben!"

Montag, 8. Januar 2018

Souveräner Malteser Ritterorden

Die Malteser tragen das Kreuz im Wappen. Die Malteser kennt man von karitativen Einrichtungen und die Malteser haben sogar einen Botschafter, der Teil des Diplomatischen Korps ist. Heute wurde ein Ordensritter im Schloss Bellevue akkreditiert.



Der Bundespräsident ist als Protestant bekannt. Dennoch schaut er gerne über den ökumenischen Tellerrand. Im Juni letzten Jahres hatte er sich mit dem Patriarchen von Konstantinopel getroffen und war im Oktober zu einer Privataudienz beim Papst geflogen. Am Samstag hatte er die katholischen Sternsinger im Schloss Bellevue empfangen und heute stand die Akkreditierung des neuen Botschafters des Souveränen Malteser Ritterordens auf dem Plan.

Baron Maciej Heydel heißt Seine Exzellenz und stammt aus Polen. Er ist 56 und Unternehmensberater. In der polnischen Politik hatte er auch schon mitgewirkt. Die Google-Ergebnisse zum Ritterorden sind nicht so repräsentativ, dass man hier weiter drauf eingehen sollte. Hier verweise ich auf meine Erfahrungen bei der Suchmaschinen-Optimierung, auch SEO genannt.

Malteser Ritterorden Botschafter akkreditiert
Souveräner Malteser Ritterorden - Baron Maciej Heydel als Botschafter akkreditiert
Der Orden des Heiligen Johannes - gemeint ist Johannes der Täufer - wurde 1048 gegründet. Das war die Epoche der Kreuzzüge. Die ersten Immobilien waren eine Kirche, ein Hospital und ein Konvent. Der Orden hatte einen stark diakonischen Fokus und drei Hauptregeln: Armut, Enthaltsamkeit und Gehorsam. Bedingt durch die interreligiösen Konflikte im Nahen Osten kam noch die Komponente der Verteidigung hinzu. Dabei wurde eine weitere Regel aufgestellt: Waffen dürfen nicht gegen Christen erhoben werden.

1113 wurden dem Ritterorden seitens der Kirche gewisse Freiheiten eingeräumt, so dass vielfach theologische Laien zum Einsatz kamen. Während in Deutschland die Reformation im Gange war, nahmen die Ritter die Mittelmeerinsel Malta in Besitz. Das war 1530. Der heutige Name war demnach erst 500 Jahre nach der Gründung entstanden. Mit Malta stand dem Orden erstmals eigenes Land zur Verfügung.

Die geografische Lage und der Wunsch, das eigene Land zu behalten, ließen die Malteser zu einem effektiven Grenzposten gegenüber dem Osmanischen Reich werden. Ihre Stärken lagen im Kampf zur See. Neben den Osmanen hielten sie auch die Piraten aus Nordafrika fern. 1571 gelang ihnen bei der Seeschlacht von Lepanto ein entscheidender Schlag gegen die Osmanen. Dabei verloren die islamischen Gegner mindestens 100 Schiffe und etwa 30.000 Soldaten ihr Leben.

1798 übernahm der clevere Napoleon die Insel Malta. Die ritterliche Regel, nicht gegen Christen zu kämpfen, verhinderte den Widerstand gegen die Franzosen. Stattdessen zog sich der Orden auf das europäische Festland zurück. Im 20. Jahrhundert verschob sich der Schwerpunkt wieder zugunsten karitativer Aufgaben. Während der beiden Weltkriege gab es in dieser Hinsicht viel zu tun. So sind die Malteser heute eher als Hilfsdienst bekannt und weniger als Souveräner Malteser Ritterorden.

Samstag, 6. Januar 2018

20*C+M+B+18 Sternsinger aus der Diözese Eichstätt im Schloss Bellevue

Die Sternsinger kamen in diesem Jahr aus der Diözese Eichstätt. Gegen elf klopften sie im Schloss Bellevue an. Ihnen wurde geöffnet und sie durften den Segensspruch 20*C+M+B+18 an die Tür schreiben.



Als ich kurz nach halb elf eintraf, war das Atrium des Präsidialamtes mit Kleinen und Großen gefüllt. Die Kleinen hatten stabile goldene Kronen auf den Köpfen und waren in lange bunte Umhänge gehüllt. Ich bahnte mir den Weg zum WC und machte dabei noch ein Gruppenfoto vor dem Weihnachtsbaum. Anschließend waren die gut 20 Presseleute verschwunden. Ich eilte ihnen nach und fand noch eine gute Bildposition vor dem Schloss.

20*C+M+B+18 Sternsinger Diözese Eichstätt Schloss Bellevue
20*C+M+B+18 Sternsinger der Diözese Eichstätt im Schloss Bellevue
20*C+M+B+18

Vor wenigen Tagen war mir eher zufällig aufgefallen, dass die Buchstaben des CMB-Segens im letzten Jahr falsch herum an die Schloss-Tür geschrieben worden waren: 20*C+B+M+17. Ein Pressekollege stellte den lateinischen Segen "Christus mansionem benedicat" um und bemerkte, dass der Sinn auch mit CBM gegeben wäre. Beim Winterurlaub am Fuß von Schloss Neuschwanstein hatten wir gesehen, dass auch in katholischen Regionen kaum jemand die korrekte Schreibweise des CMB beherrscht. Eine besondere Vielfalt war bei der Setzung von Stern und Kreuzen zu entdecken.

20*C+M+B+18 Sternsinger Diözese Eichstätt Schloss Bellevue
Eva schreibt 20*C+M+B+18 an die Eingangstür von Schloss Bellevue
Die korrekte Schreibweise zeigten uns heute die Kinder aus der Diözese Eichstätt. Eine Diözese ist ein kirchlicher Verwaltungsbezirk und wird auch Bistum genannt, da diesem Bezirk ein Bischof vorsteht. Im evangelischen Sprachgebrauch nennt man solch einen Bezirk auch Sprengel.

Klopft an und es wird euch aufgetan!

Zunächst liefen die Kinder um den großen Weihnachtsbaum vor dem Schloss, bogen dann auf den Weg ein, den die Staatsgäste befahren und nahmen schließlich auf der Treppe ihre Positionen ein. Die Kronen glänzten in der Wintersonne. Es war kühl, aber nicht windig. Sterne aus Holz wurden justiert. Eva, Elisabeth und Jonas machten sich bereit für den großen Auftritt. Kurzes Zögern - Klopfen!

20*C+M+B+18 Sternsinger Diözese Eichstätt Schloss Bellevue
Sternsinger betreten das Schloss Bellevue
Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender öffneten die Tür und wurden von den Kindern begrüßt. Nach einem Lied wurde die Tür ein weiteres Mal geöffnet und eine Leiter kam zum Vorschein. Eva durfte den Segensspruch an die Tür schreiben. Diesmal auf den linken Flügel. Zufall oder politische Korrektheit?

Es folgten zwei weitere Strophen von "Seht ihr unsern Stern dort stehen". Dann durften die kleinen Gäste mit den goldenen Kronen das Schloss betreten. Wir nahmen einen anderen Weg und trafen die Sternsinger im großen Saal wieder. Zur plüschigen Bundesfahne hatten sich zwei Königsgruppen gesellt. Die Kinder mit den Blasinstrumenten standen am Fenster zum Garten. Als auch die begleitenden Eltern und Prälaten im Saal waren, kamen der Präsident und seine Gattin.

Gottes Segen ist das Wichtigste!

Neben mehreren Liedern gab es eine kurze Rede des Präsidenten, in der er sagte, dass der Segen Gottes das Wichtigste ist. Segen gab es viel an diesem Vormittag. Draußen an der Tür und im großen Saal. Den Abschluss bildete ein Segenslied zum gestrigen 62. Geburtstag von Frank-Walter Steinmeier.

60 Jahre, Indien und Kakao

Die Sternsinger besuchen den jeweils amtierenden Bundespräsidenten seit 1983 - damals noch Karl Carstens in der Villa Hammerschmidt (Bonn). Das "Dreikönigssingen" ist fast so alt wie Herr Steinmeier und dient der Sammlung von Spenden für Not leidende Kinder.

20*C+M+B+18 Sternsinger Diözese Eichstätt Schloss Bellevue
Sternsinger nehmen die Spende des Bundespräsidenten und seiner Gattin entgegen
Heute bekamen die Sternsinger eine Spende für Minderjährige in Indien, die durch Bildung und alternative Erwerbsmöglichkeiten aus diskriminierenden Situationen herausgeholt werden können. Zur Untermalung stellten die kleinen Könige eine Szene aus dem indischen Arbeitsalltag dar. Als der gesundheitsschädliche Staub aus dem bunten Material geklopft wurde und das Präsidentenpaar umnebelte, klackerten die Kameras.

Kein Kinderbesuch ohne Kakao. Die Kleinen strömten in den Salon Luise und die Schlossdiener eilten ihnen mit den Kakao-Tabletts hinterher. Ich verließ den goldigen Schauplatz und machte noch ein Foto von der Schrift an der Tür.

Video:
Sternsinger aus der Diözese Eichstätt im Schloss Bellevue

Montag, 1. Januar 2018

Silvester bei der Verklärung des Herrn in Marzahn

Gestern besuchten wir die katholische Kirche "Von der Verklärung des Herrn" in Marzahn. Die Kirche steht an der Landsberger Allee und ist nur wenige Minuten von der evangelischen Dorfkirche Marzahn entfernt.



Gegen halb vier schrillte unsere Klingel. Fragend schaute ich mich um.Alle zuckten mit den Schultern. Durch die Wechselsprechanlage klang die Stimme meiner Schwiegermutter. Un-geplant!

Schwiegermutter und Pfannkuchen

Kurz darauf der nächste Schreck: Die am Vormittag gekauften Pfannkuchen wurden für den sofortigen Verzehr freigegeben. Das war zwar tendenziell gut - aber - nur fünf Stück? Gab es eine zweite Lage? Nein - meine Frau sagte, sie wolle uns "beim Abnehmen helfen" und hatte tatsächlich nur fünf Pfannkuchen bestellt. Pro Person einen Pfannkuchen! Alle hatten die gleiche Marmeladenfüllung und befanden sich in der Metamorphose von luftig zu fest. Von daher hatte der spontane Besuch meiner Schwiegermutter den Alterungsprozess der Pfannkuchen rechtzeitig abgebrochen.

Die Oma hatte uns als Zwischenstation zur katholischen Kirche aufgesucht. Dort sollte um 17:00 Uhr eine ökumenische Andacht stattfinden. Das passte uns gar nicht, da wir am Vormittag bereits beim Gottesdienst waren und jetzt eigentlich unseren Jahresrückblick basteln wollten.

Jahresrückblick und Krippe

Wir änderten den Plan, ließen die Kinder mit dem Jahresrückblick zu Hause und begleiteten die Mutter durch die Nacht. Zumindest sah es aus wie Nacht. Nach Gebet war auch der Weg sicher und die Knaller trafen immer nur die Anderen.

15 Minuten zu früh erreichten wir die Kirche und konnten uns noch Plätze in der dritten Reihe aussuchen. Langsam füllte sich der Saal und alte Bekannte begrüßten uns. Vor dem Altar war eine Weihnachtsszene mit Jesus, Eltern und Hirten aufgebaut. Erwachsene und Tiere fokussierten das Baby in der Mitte. Die Szenerie strahlte einen tiefen Frieden aus.

Der Kantor übte noch schnell ein neues Lied mit den Anwesenden ein. Neu für die Gemeinde, ansonsten schon 80 Jahre alt: Jochen Klepper. Viele der Andachtsbesucher waren etwa 20 Jahre nach dieser Komposition geboren.

Jahreslosung und Jahresrückblick

Pünktlich um fünf klingelte ein Glöckchen und vier Herren schritten durch den Hauptgang nach vorne: Einer in weißem Kleid, zwei in schwarzem Kleid und einer in Jeans und Sakko. Die Herren in Schwarz unterschieden sich durch die Beffchen in reformiert und uniert. Ein Lutherischer mit komplett geteiltem Beffchen war nicht dabei. Dennoch ökumenisch genug für die Altjahresandacht.

Die Elemente des Gottesdienstes rotierten zwischen Weiß, Schwarz und Sakko. Die Predigt hielt der Unierte. Sein Thema war die 2017er Jahreslosung aus Hesekiel 36, 26. Dass jemand von den Anwesend tatsächlich "ein neues Herz" in 2017 bekommen habe, sah er für unwahrscheinlich an. Ich wollte das in dem Moment nicht relativieren, da ihn das wohl aus dem niedergeschriebenen Konzept gebracht hätte. bei der Reha in Teltow hatte ich Menschen mit einem buchstäblich neuen fleischernen Herzen erlebt. Ganz abgesehen von den Themen, die Jesus in mir nachjustiert hatte.

Den monatsweise vorgetragenen Jahresrückblick teilten sich die anderen drei Herren. Es wurde auf politische und gemeindliche Ereignisse eingegangen. So konnten die G20-Kravalle in einem Zuge mit der Seniorenfreizeit aufgezählt werden. Besondere Freude hatte ich bei der Liste des katholischen Paters und beschloss einen Folgebesuch bei einer seiner nächsten Predigten.

Lieder und Kollekte

Zwischendurch sangen wir Lieder aus einem grauen Gesangsbuch. Der Kantor trat dabei mehrfach mit Solo-Einlagen in Erscheinung. Die ökumenische Altjahresandacht endete mit einem Lied aus 1944: Bonhoeffer - Von guten Mächten. Es folgten der Segen von Pater Josef Kahmann und das Postludium.

Danach waren die vier Protagonisten verschwunden. Auch die avisierte Kollekte war nicht gesammelt worden. Ohne pyrotechnische Zwischenfälle gelangten wir nach Hause. Im Fahrstuhl packte meine Schwiegermutter ihre Kollekte ins Portemonnaie zurück. Der familiäre Teil des Abends konnte beginnen.

Montag, 9. Oktober 2017

Sant'Egidio - Mose war auch in Rom

Sant'Egidio ist in 73 Ländern der Welt aktiv und hat sich die "Weitergabe des Evangeliums und den Dienst an den Armen" auf die Fahnen geschrieben. Im Kloster Sant'Egidio in Rom traf ich Mose.



Die Fahrzeug-Kolonne des Bundespräsidenten rollte auf die gepflasterte Piazza di Santa Maria. Die wenigen Meter zum Kloster Sant'Egidio legten auch Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender zu Fuß zurück. Schwerbewaffnete, aber dekorative Polizisten in Uniform und Zivil säumten das Umfeld. Grün gekleidete Soldaten mit schussbereiten Sturmgewehren lauerten auf ungewöhnliche Bewegungen.

Garten und Buffet

Die Presse und Teile der Delegation wurden zu einem anderen Eingang geleitet und sollten dem Präsidentenpaar innerhalb des Hauses wieder begegnen. Nach dem Durchschreiten einiger verwinkelter Gänge fanden wir uns in einem romantischen Garten wieder, umbaut mit dem Kloster. Ich machte einige Fotos für meine Frau. Das einzige für mich zuordenbare Grün waren riesige Bananen-Pflanzen. Dazwischen Metallstühle mit Kissen, Stehtische, zwei runde Tafeln für den Präsidenten und seine Gesprächspartner sowie ein Buffet. Um dieses wuselte schwarz gekleidetes Personal herum, darunter ein beachtlicher Teil Mitarbeiter mit Down-Syndrom.

Sant'Egidio

Sant'Egidio wurde 1968 als parakirchliche Gemeinschaft gegründet und ist von der römisch-katholischen Kirche anerkannt. In Rom ist das wichtig und auch nicht für jeden erreichbar. Die Gemeinschaft ist in über 70 Ländern aktiv und setzt sich hauptsächlich für die Weitergabe des Evangeliums ein. Dabei liegt ein wichtiger Fokus auf dem Dienst an den Armen.

Das Kloster hatten die Karmeliter 1930 im historischen Stadtbild Roms integriert. 1971 übernahm Sant'Egidio den Gebäudekomplex.

Mediation und Sicherheitsbedarf

Die schwer bewaffneten Soldaten seien von der Regierung dort platziert worden, weil sich Sant'Egidio mit seinen Friedensverhandlungen weltweit engagiert. Das erzeugt nicht immer Gegenliebe. Der spektakulärste Verhandlungserfolg war die Beendigung des Bürgerkrieges in Mosambik. Dieser hatte 16 Jahre gedauert und fand am 4. Oktober 1992, also vor 25 Jahren, seinen Abschluss. Die Gemeinschaft ist regelmäßig in Konflikt-Mediationen in Asien, Lateinamerika und Afrika involviert. Sie kümmert sich ebenfalls um Themen wie AIDS-Bekämpfung, humanitäre Hilfe und Bildung. Deshalb erfährt sie finanzielle Hilfe seitens des Auswärtigen Amtes.

Reden und reden lassen

Der Gründer und der Präsident von Sant'Egidio quittierten den Besuch des prominenten Ehepaares aus Deutschland mit breitem Lächeln. In einem randvoll mit Zuhörern befüllten Raum hielt Herr Steinmeier die zweite offizielle Rede seiner Rom-Reise. Die erste hatte er am Vortag in der evangelischen Christuskirche in der Via Sicilia gehalten.

Mose und Elia

Es war schon früher Nachmittag und das zeitliche Delta zum Frühstück war entsprechend strapaziert. Umso erfreuter waren wir über die allgemeine Einladung zum Mittagessen. Antizyklisch bewegte ich mich in eine der kunstvoll bemalten Kapellen und nutzte das dortige Buffet. Mitarbeiter - teilweise mit Down-Syndrom - waren uns beim Auftun der italienischen Küche behilflich. Ich entschied nach Diätplan, was trotzdem sehr lecker war.

Ein Schwarzer mit pastoralem Hemdskragen gesellte sich an unseren Tisch. "Ich heiße Mose", lächelte er mich an und reichte mir seine Hand. Währenddessen lag mir schon ein "Und ich Elia" auf der Zunge. Im letzten Moment nannte ich meinen richtigen Namen, hatte aber gleich einen guten Einstieg für das folgende Gespräch.

Mose, Psalmen und Lukas

In bestem Deutsch erklärte er mir, dass er in Rom Theologie studiere. Sein Schwerpunkt sei Altes Testament. Ich nannte ihm eine meiner Lieblingsstellen: 5. Mose 7 und erklärte die geniale Bedeutung des Textes als Metapher für unsere eigene Reifung im Glauben. Meinen Lieblingspsalm 107, in dem es um Unternehmer in ihren Herausforderungen und das Eingreifen Gottes geht, beantwortete er mit seinem Lieblingspsalm 82. Dieser behandelt das zweite Hauptthema von Sant'Egidio: Dienst an den Armen.

Ein weiterer Schwarzer kam an den Tisch. Ich holte noch etwas Käse und Erdbeeren. Es war nicht Elia, sondern ein junger Mann aus Haiti - auch mit pastoralem Hemdskragen. Wegen der vermeintlichen Papst-Audienz hatte ich heute sogar eine Krawatte um. So war es zumindest in den Infoblättern zur Vatikan-Reise vorgeschrieben worden. Dem Bruder aus Haiti fiel die Kinnlade nach unten, als ich ihn nach seinem Lieblingstext fragte. Er sei ein Freund des Lukas-Evangeliums, dem "Evangelium für die Armen". Das war mir bisher gar nicht so bewusst.

Wer ist in der Mitte?

Wir traten in den Garten und unterhielten uns weiter über die Bibel und Sant'Egidio. An einem der runden Tische diskutierte der Bundespräsident mit den Leitern der Gemeinschaft über Themen, die hier nicht zitiert werden dürfen.

Mose erzählte mir, dass er einen Freund habe, der Elia heiße. Die Beiden nehmen das zum Anlass für folgende Frage: "Wer ist in der Mitte?" - "Jesus", sagte ich und Moses Gesicht erhellte sich zu einem breiten Lächeln.

Dann Aufbruch-Stimmung, Kameras startklar und hinter dem Bundespräsidenten her. Vor der Pforte des Klosters hatten sich die Mitarbeiter aufgereiht: Gruppenfoto. Plötzlich badeten wir in einer Menge herbeigeströmter Touristen. Deutsche erkannten den Mann, dessen Partei sie kurz zuvor gewählt haben mussten. Einer davon grüßte seinen "Frank" aus einer Kleinstadt, deren Name mir inzwischen entfallen ist. "Who is that man?", fragte mich ein Holländer. Die Menschentraube bewegte sich langsam und unter lautstarker Beachtung des Publikums zurück zur Piazza di Santa Maria, wo die Fahrzeuge warteten.

Sonntag, 22. Januar 2017

Herz Jesu - Katholisch in Prenzlberg

Katholisch kommt vom griechischen "καθολικός" (katolikos) und heißt so viel wie "allumfassend". Auf die Kirche angewendet, wird es synonym für die allumfassende Gemeinschaft der Christen unter dem Dach einer von Rom aus geleiteten Kirche verwendet. Die katholischen Gottesdienste im protestantischen Berlin erfreuen sich einer regen Teilnahme.



Glockengeläut klingt durch das Schlafzimmerfenster. Es ist acht Uhr. Nur gut, dass ich erst in zweieinhalb Stunden in Prenzlberg sein muss. Das Frühstück um neun verläuft schon etwas gehetzter. Es ist immer noch unklar, wer mich zu "Herz Jesu" in der Nähe des Rosa-Luxemburg-Platzes begleiten wird. Gegen zehn fahre ich schließlich alleine in die City.

Drei Tage Prenzlberg

Schon der dritte Tag hintereinander Prenzlberg. Am Freitag Gemeinsam für Berlin, gestern ein hochkarätig mit Christen aus Bildung und Wirtschaft besetzter Think Tank im "C13" und heute "Herz Jesu" in der Fehrbelliner Straße. Und schon der dritte Tag hintereinander, an dem es Parkplätze in unmittelbarer Nähe der Location gibt.

Am Eingang zum katholischen Sakralbau sitzt ein Bettler und zweigt dort bereits einen Teil der geplanten Kollekte ab. Im Eingangsbereich lese ich den Hinweis, dass die Geldsammlung heute für die Gemeinde bestimmt sei. An einem Tisch mit Oblaten steht ein weiteres Hinweisschild: "Heute nur Gotteslob". Nur Gotteslob? Das ist doch schon mal etwas! Ich greife ein graues Gesangsbuch und setze mich in eine der Holzbankreihen. Platz 146.

Wann geht es los?

Zehn Minuten vor Beginn sind nur wenige Plätze besetzt. Fünf Minuten vorher etwa die Hälfte des Kirchenschiffes und halb elf ein großer Teil des Hauses. Es müssen um die dreihundert Männer, Frauen, Kinder, Jugendliche und Senioren im Saal sein. Eine ausgesprochen gute Generationsdurchmischung, die durch äußere Indikatoren wirtschaftlicher Unabhängigkeit flankiert wird. In meiner Reihe sitzen zwei junge Damen und ein Mann mit orientalischer Zuwanderungsgeschichte.

Multiethnisch ist auch der in Weiß und Grün gekleidete Pfarrer Serge Armand. Als Schwarzer spricht er Deutsch mit starkem französischem Akzent. Es werden viele Bibeltexte verlesen, darunter Jesaja, Matthäus und der erste Korintherbrief. So viele unkommentierte Bibelzitate hört man in evangelischen Gemeinden selten, es sei denn, Ekkehart Vetter von der Evangelischen Allianz (DEA) leitet einen Seminartag ein.

Einheit in Christus

Apropos Allianz: das Anliegen der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen steht heute ganz im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Eigentlich hätte es sogar eine Art Kanzeltausch mit einer evangelischen Pfarrerin gegeben. Diese ist jedoch kurzfristig erkrankt, so dass Serge Armand den Predigtpart übernehmen muss. Er liest einen längeren Text des Papstes vor und äußert sich in seinen begleitenden Ausführungen sehr positiv über die Annäherung der Christen unterschiedlicher Konfessionen.

Zentral ist auch Jesus Christus. In Liedern, Gebeten, liturgischen Texten und den Ausführungen des Pfarrers spielt Jesus eine große Rolle. Jesus steht als goldenes Mosaik auch über dem Altarbereich und breitet einladend seine Hände aus. Im gesamten Deckengewölbe sind Bibelzitate auf Latein zu lesen. "DIGNVS EST AGNVS, QUI OCCISVS EST", lese ich als erstes ein aus Off 5,12 stammendes Textfragment im Kuppelbereich. Mein Blick schweift umher und freut sich an den vielen weiteren guten Versen und der tiefen Symbolhaftigkeit der Gemälde und Mosaiken.

Glaubenskurs und Liturgie

Die Ansagen sind ebenfalls sehr interessant, vermitteln sie doch ein Spiegelbild des alltäglichen Gemeindelebens. Am Donnerstag findet im Rahmen eines Glaubenskurses ein Seminar zum Thema Gebet mit anschließendem Praxisteil statt. Bei "Herz Jesu" gibt es auch Alphakurse und Taufseminare. Die Gemeinde strahlt Relevanz für den Kiez aus. Diesem kommt sie ja letztlich auch durch den äußerst humanen Gottesdienstbeginn entgegen.

Im Verlauf des Gottesdienstes werden mindestens zehn Kirchenlieder mit Orgelbegleitung gesungen. Es gibt Abendmahl, eine Kollekte, mehrere Gebete inklusive des Vaterunsers und einen Segen zum Abschluss. Nach ziemlich genau einer Stunde ist der Gottesdienst zu Ende und die Besucher quellen hinaus auf die Fehrbelliner Straße oder die Schönhauser Allee. Draußen sitzt immer noch der Bettler.

Freitag, 6. Januar 2017

20*C+M+B+17

20*C+M+B+17 ist in unserer protestantischen Region recht selten zu sehen. In Gegenden mit katholischer Prägung kennt diese Kreideaufschriften wohl jeder.



Als mein Sohn eines Tages vom Religionsunterricht nach Hause kam, klebte er ein Schild mit der Aufschrift "20*C+M+B+13" an die Eingangstür. Stolz erklärte er: "Das heißt Christus mansionem benedicat". Das klang gut und wird normalerweise mit "Christus segne dieses Haus" übersetzt.

Dabei bedeutet "mansio" eher Herberge oder Aufenthaltsort, zumal "manere" (bleiben) im Wortstamm steckt. Das gerne als Segnen übersetzte "benedicere" heißt eigentlich "Gutes reden".

Christus mansionem benedicat

Das Schild sensibilisierte mich für diesen mit Kreide an die Türen oder den Zugangsbereich geschriebenen Text. Er fiel mir vorwiegend in C-geleiteten Ministerien, dem Kanzleramt, dem Konrad-Adenauer-Haus oder dem Schloss Bellevue auf. Auch die Landesvertretung Sachsen war mit diesem Schriftzug versehen. Das erweckte ein gewisses Maß an Sympathie.

Sternsinger

Im letzten Jahr sah ich dann auch erstmalig Fotos von den knuffigen Sternsingern, die nach Berlin gereist waren und die Eingangsbereiche verschiedener Gebäude der Bundesregierung beschriftet hatten. Die Sternsinger verkleiden sich dazu wie die Weisen aus dem Morgenland und tragen mindestens einen goldenen Stern am Holzstab vor sich her. Sie singen Lieder und sammeln Spenden.


20*C+M+B+17 Schloss Bellevue
20*C+M+B+17 an der Eingangstür zum Schloss Bellevue
 
Besucher aus dem Orient

Am sechsten Januar, dem Erscheinungstag des Herrn oder auch Epiphanie genannt, wird der Weisen aus dem Morgenland gedacht. Im Urtext wird sogar von Magiern (griechisch "magoi", lateinisch "magi") geredet, was allerdings nicht so gut ins traditionelle Konzept passt. Die Hebräer sprechen von "Chachamim", was so viel wie "die Weisen" bedeutet. Daraus wurden dann drei Könige mit den Namen Caspar, Melchior und Balthasar gemacht.

In Matthäus 2 werden jedoch weder die Anzahl noch die Namen erwähnt. Lediglich die Geschenke "Gold, Weihrauch und Myrrhen" werden in Mt 2,11 genannt. Diese stellen einen Bezug zur Zahl Drei und den Namen der Besucher aus dem Orient her:

Ceseph ist das hebräische Wort für Geld, Melech das hebräische Wort für König und Beelaschatzar (siehe Daniel 7,1 oder Daniel 8,1) ist ein akkadischer Name, der "Herr, schütze mein Leben" bedeuten soll.

Das C+M+B in der Mitte der Beschriftung könnte also einmal auf die Anfangsbuchstaben der Orientalen und alternativ auf den oben zitierten Segen bezogen werden. Wobei letztere Bedeutung die offizielle ist.

Warum aber stehen der Stern und die Kreuze zwischen den Buchstaben?

Der Stern hinter der Hunderterstelle des Jahres steht für den Stern, dem die Weisen gefolgt waren. In Vers 10 des zweiten Matthäus-Kapitels lesen wir, dass sie den Stern sahen und hoch erfreut wurden. Im Lateinischen wird von "gaudio magno valde" geredet. Dieser Vers begeistert mich jedes Mal aufs Neue.

Die drei Kreuze hinter jedem der drei Buchstaben steht für den Segen "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Ich hätte hier noch die nahe liegende Assoziation zu den drei Kreuzen auf Golgatha gehabt.

20*C+M+B+17

Insgesamt eine schöne Tradition. Ich werde mal mit meinem Sohn reden, ob er uns wieder solch ein Schild bastelt.

Samstag, 31. Dezember 2016

Gottesdienst der Schausteller in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Durch eine Presseinformation wurde ich gestern Nachmittag auf einen Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche aufmerksam gemacht. Der Jahresabschlussgottesdienst der Schaustellerinnen und Schausteller hat wohl schon Tradition an diesem Ort.



"Ach hier war das", der zweite gediegene Herr mit Mantel und Brille nickte, während beide auf das Kerzenmeer in der großen Lücke zwischen den Weihnachtsmarkt-Buden schauten. Wir eilten an ihnen vorbei. Es war zwar noch genügend Zeit, aber wir wussten ja nicht, wie gut der Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche besucht sein wird.

Im Eingangsbereich wurden die Gäste von Verantwortlichen des Schaustellerverbandes begrüßt. Ein Mitarbeiter drückte uns ein Programmheft in die Hand. Der Saal war noch recht leer, so dass wir relativ weit vorne Platz nehmen konnten. Auf dem Altar waren eine Bibel, ein Kreuz, zwölf Kerzen und Abendmahlsgeschirr symmetrisch angeordnet. Darüber schwebte eine segnende Jesus-Figur in goldenem Glanz.

Jahresschlussgottesdienst Schausteller Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche
Jahresschlussgottesdienst der Schausteller in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche


Innerhalb der nächsten halben Stunde füllte sich der Saal mit Leuten, die sich offensichtlich kannten und teilweise sehr herzlich begrüßten. Einige waren in Schwarz erschienen, um sich optisch mit ihren Kollegen und Kunden des Weihnachtsmarktes am Breitscheidplatz zu solidarisieren. Als die Orgel erklang, erhob sich die Gemeinde. Durch den Mittelgang schritten katholische und evangelische Pfarrer sowie Entscheidungsträger aus Regionalpolitik und Wirtschaft. Sie stellten zwölf weitere Kerzen auf den Altar.

Das gemeinsame Eingangslied "Von guten Mächten wunderbar geborgen" hatte heute eine ganz besondere Bedeutung. Dietrich Bonhoeffer hatte den Text 1944 geschrieben und erlebte den darauf folgenden Jahreswechsel nicht mehr. Beim Jahresschlussgottesdienst der Schausteller im letzten Jahr hätte wohl niemand damit gerechnet, dass wenige Meter neben der Gedächtniskirche zwölf Menschen aus dem Leben gerissen werden. Sie konnten den Heiligabend 2016 nicht mehr erleben.

Jahresschlussgottesdienst Schausteller Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche
Jahresschlussgottesdienst der Schausteller in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche


Auch der Predigttext zur Jahreslosung 2016 "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet" aus Jes 66,13 bekam angesichts der vorweihnachtlichen Ereignisse eine ganz neue Bedeutung. Gedächtniskirchen-Pfarrer Martin Germer nahm die Zuhörer emotional in den Text hinein und ermutigte auch die harten Männer des Schaustellergewerbes, Tränen zuzulassen und professionelle Hilfe bei der Bewältigung von Trauer, Schlaflosigkeit und Angst zu suchen. Martin Germer ging aber auch auf die Ursprünge des Textes und die damalige Situation des Volkes Israel ein.

Besonders beeindruckend war die Instrumentalbegleitung von Andreas Uhle, der bei einem der Orgelstücke mit einer Aida-Trompete vor dem Altar stand. Warum nur musste ich unentwegt an die sieben Engel mit den Posaunen aus Off 8,2 denken, die in den Offenbarungskapiteln acht bis elf zum Einsatz kommen?

Nach dem Abendmahl, übrigens mit Weißwein, kam Circus- und Schaustellerseelsorger Torsten Heinrich (EKD) zum Einsatz. Er gab einen Ausblick auf die Jahreslosung für 2017: "Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch". Der Vers steht in Hesekiel 36,26 und wurde in einer Zeit verfasst, die die Israeliten in der babylonischen Verbannung zubrachten, die sie sich maßgeblich durch ihr Desinteresse an Gott eingebrockt hatten.

Jahresschlussgottesdienst Schausteller Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche
Jahresschlussgottesdienst der Schausteller in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche


Der Segen wurde gemeinschaftlich evangelisch und katholisch gesprochen. Die Kollekte war für die Konfirmanden der Circus- und Schaustellerseelsorge gedacht. Die Kinder und Jugendlichen von Eltern dieser Branche sind ja besonders durch ständige Wohnortwechsel herausgefordert. Mein Sohn flüsterte mir zu, dass das ja gar nicht so dramatisch sei, wie man an unserer guten geistlichen Versorgung durch divergente Gottesdienstbesuche sehe.

Am Ausgang gab es Kerzen mit der Jahreslosung. Einige dieser Kerzen fanden sich anschließend im Meer der Kerzen an der provisorischen Gedenkstätte zwischen den Weihnachtsmarkt-Buden wieder.

Dienstag, 22. März 2016

Angela Merkel im Don-Bosco-Zentrum Marzahn

Das Don-Bosco-Zentrum engagiert sich in Marzahn für Jugendliche, die normalerweise keine Chancen am Arbeitsmarkt hätten. Heute besuchten Angela Merkel, Petra Pau und Monika Grütters das Manege-Projekt.



Wenn die Kanzlerin kommt, ist die Aufregung groß. Das beginnt bei den großzügigen Absperrungen um das Don-Bosco-Zentrum und endet bei den Jugendlichen des Manege-Projektes, die selten die Gelegenheit haben, so nah an den Menschen zu sein, die sie sonst nur aus dem Fernsehen kennen.

Gut, Petra Pau ist in Marzahn präsent, insbesondere wenn es um Flüchtlinge geht. Monika Grütters sieht man in ihrem Wahlkreis seltener, da sie mit der Verleihung diverser Film- und Kulturpreise beschäftigt ist. Und Angela Merkel ist weltweit gefragt, so dass ihr heutiger Besuch eine besondere Ehre ist.

Dieser Ehre sind sich auch die Betreiber des Manege-Projektes bewusst. Schwester Margareta läuft aufgeregt durch die Reihen der Jugendlichen, gibt letzte Anweisungen an die Mitarbeiter und wartet auf das Eintreffen der Gäste.

Petra Pau erscheint zuerst. Sie entsteigt einem kleinen silbernen BMW. Sie wird herzlich von Schwester Margareta begrüßt. Monika Grütters erscheint mit einem schwarzen Audi. Alex, ein Manege-Schüler, stürmt auf sie zu und umarmt sie zur Begrüßung. Die Linke und die CDU unterhalten sich recht entspannt, bis die Kanzlerin eintrifft.

Don Bosco Manege Angela Merkel Marzahn
Angela Merkel beim Manege-Projekt im Don-Bosco-Zentrum Marzahn
Angela Merkel wird durch Dauerapplaus begrüßt und schreitet die lange Reihe der Jugendlichen ab. Hände schütteln, Selfies und Platzieren vor dem grünen Manege-Bus zum Gruppenfoto. Ein Mann verdeckt den Fotografen ständig den Blick auf die Kanzlerin.

"Schön, dass du da bist", steht auf dem Bus. Er zeigt die Silhouette von Marzahn.

Die "Manege" ist ein Pilotprojekt für Jugendliche, die aufgrund von Behinderungen oder ihrer sozialen Herkunft kaum Chancen auf dem allgemeinen Ausbildungsmarkt hätten. Der Bund unterstützt achtzehn solcher Projekte als Arbeitsmarktinstrument. Angela Merkel informiert sich heute über die praktische Umsetzung und die Ergebnisse. Auf dem Programm stehen die Holzwerkstatt und der Friseur-Salon. Letzteren hatte sie offensichtlich nicht selbst in Anspruch genommen, was die Vorher-Nachher-Fotos dokumentieren.

Während des Rundganges stehen Kekse und Getränke für die Pressevertreter bereit. "Heute ist alles kostenlos", sagt die Dame hinter dem Tresen und löst eine Welle der Getränkebestellungen bei Jugendlichen und Kameramännern aus. Einige verdrücken sich in die Nachbarräume und essen Kekse. Andere sichern ihre Poleposition für die geplante Presseerklärung.

Als Angela Merkel mit zwanzig Minuten Verspätung zum Pressestatement erscheint, ist sie sichtlich gerührt vom Engagement der angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiter sowie den Ergebnissen, die dieses Projekt bei den Jugendlichen erzielt.

Dann wechselt sie noch einige Worte mit Bezirksstadträtin Dagmar Pohle, erfährt die Einwohnerzahl von Marzahn, freut sich über den deutlichen Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit und verlässt das Don-Bosco-Zentrum durch eine Menge applaudierender Jugendlicher. Jemand hat eine Deutschlandfahne mitgebracht und am Zaun ausgerollt.

"Wir denken an Sie", verabschiedet Schwester Margareta die Kanzlerin.

Hier noch ein Video: Angela Merkelbesucht das Don-Bosco-Zentrum in Marzahn

Sonntag, 13. März 2016

CVJM Kaulsdorf in Zinnowitz

Wie viele Menschen sich dem CVJM zugehörig fühlen, sieht man erst bei einer Freizeit. In einer sehr entspannten Atmosphäre lief die Zinnowitz-Freizeit des CVJM Kaulsdorf ab. Es gab biblischen Input, gute Gemeinschaft, neue Freundschaften und viel Freizeit im wahrsten Sinne des Wortes. Das Wochenende war sehr erholsam.



"Zinnowitz - Zinnowitz - Zinnowitz" schallt es durch den Gemeinschaftsraum der Familienferien- und Begegnungsstätte St. Otto in Zinnowitz. Das katholische Ferienobjekt ist nur etwa zweihundert Meter durch Wald und Dünen von der Ostsee entfernt. Eine kühle Brise umweht die Nasen. Nur wenige Mutige wagen einen Schritt ins kalte Wasser. Eine Reitergruppe trabt am Strand entlang und hinterlässt markante Zeugnisse ihres Ausrittes.

"Zinnowitz - Zinnowitz - Zinnowitz" erschallt es auch nach der zweiten Strophe im Gemeinschaftsraum. Alle haben ihren Spaß an diesem selbst gedichteten Lied zur wiederholten CVJM-Freizeit in Zinnowitz.

Bereits die Einladung klang so entspannt und passte trotz differenzierter Zimmereinteilung auf eine A4-Seite. Etwa dreißig Personen hatten sich angemeldet und waren am Freitag angereist. Zinnowitz ist von Berlin aus in etwas mehr als zwei Stunden zu erreichen. Die Fastfood-Kette mit dem gelben Buchstaben gibt es erst wieder kurz vor dem Ziel, so dass ein zeitaufwendiger "Nothalt" für die lieben Kleinen nicht eingelegt werden muss. Das Essen bei St. Otto ist ohnehin reichlich und trifft jeden Geschmack.

Zinnowitz CVJM Kaulsdorf
CVJM Kaulsdorf in Zinnowitz - Gruppenfoto mit Teenagern
Nach dem Abendessen - freitags nur Fisch und Käse - sangen wir erstmalig den neuen Zinnowitz-Song. Alle stimmten in die eingängige Melodie ein und waren somit gut erwärmt für den Rest des Abends. Schauspieler Rolf-Dieter Degen leitete professionell und mit viel Witz durch die Kennenlernrunde. Danach gab es einen längeren guten Input über die Beziehung zu Jesus. Dass wir zu wenige Chips und zu viel Wein dabei hatten, merkten wir beim anschließenden Get-together. Mehrere lustige Runden saßen zusammen und spielten oder unterhielten sich. Neue Freundschaften wurden geknüpft.

Der Samstag begann mit einem schlaftrunken absolvierten Frühstück. Gegen 10:00 Uhr erschallten Lieder durch den Gemeinschaftssaal und ein weiterer Input von Sebastian Kapteina folgte. Er nutzte einen Text aus dem Kolosserbrief und sprach über Jesus, Jesus, Jesus. Christus und unsere Beziehung zu ihm standen im Mittelpunkt. Danach war frei: Mittagessen, Strandwanderung, Mittagschlaf, Volleyball, Gespräche, Off-Road-Fahrt durch die schlammige Umgebung von Zinnowitz. Es war also für jeden etwas dabei.

Am Abend war etwas mehr Knabberzeug aufgetaucht. Dafür öffneten wir weniger Wein und Sekt. Das wäre ohnehin ungünstig für die Spielefraktion gewesen, die sich nach wenigen Runden Brettspiel in einen Kreis setzte und kriminelle Phänomene in einem Dorf aufzuklären versuchte. Dem fielen wohl so einige harmlose Dorfbewohner zum Opfer. An der Bar hatten wir andere Themen. Es ging um theologischen Fragen zu Liedtexten, die geistliche und personelle Entwicklung in der EKBO, das 97-Prozent-Buch von Robert Fraser und YouTube-Filme mit besonderen Grenzsituationen des Autofahrens.

"Zinnowitz - Zinnowitz - Zinnowitz" sangen wir auch am Sonntagmorgen bevor Sebastian den dritten Input zur Gott-Mensch-Beziehung anhand des Hebräerbriefes entfaltete. Gastfreundschaft und das gesunde Zusammenspiel zwischen Mitmenschen, Gott und uns selbst prägten seine Ausführungen. Anschließend gab es eine Nachdenkzeit und das Abendmahl. Wir waren sehr bewegt und gingen mit diesen Gedanken zum Mittagessen: Braten, Klöße und Rotkohl.

An der langen Tafel saßen wir Sebastian gegenüber und erfuhren sehr viel über das Konzept von Vineyard. Hauskreise entstehen, wachsen und treffen sich einmal im Monat zum Gottesdienst. Es gibt auch Hauskreise, die wegen ihrer Größe inzwischen sogar eigene Gottesdienste durchführen. Die Leitung ist breit aufgestellt, so dass sich keine hierarchischen Herrschaftsstrukturen herausbilden können. Die monatlichen Gottesdienste werden im Rotationsprinzip von den Kiez-Gruppen gestaltet. Mitarbeiter werden nicht krampfhaft für vorhandene Dienstbereiche gesucht, sondern es wird nach förderungswürdigen Begabungen geschaut und die Leute zum Leben in ihrer Berufung ermutigt. Das ist ganz im Sinne des oben bereits thematisierten Buches von Robert Fraser.

Das macht auch die Gemeinschaft beim CVJM so entspannt. Jeder bringt sich gemäß seiner Begabungen ein. Notwendige Arbeiten werden gesehen und einfach erledigt. Leitung erfolgt durch ermutigende Anwesenheit und stilles Vorbild. So stellt man sich Leib Christi im biblischen Sinne vor.

Nachdem sich diese organische Gemeinschaft zu einem Gruppenfoto formiert hatte, gab es einen weiteren Spaziergang zum Strand. Immer wieder folgten herzliche Verabschiedungen und dann verließen auch wir St. Otto.

In unseren Gedanken klang ein Refrain: "Zinnowitz - Zinnowitz - Zinnowitz".

Sonntag, 8. November 2015

Katholische Kirche "Von der Verklärung des Herrn"

Die katholische Kirche "Von der Verklärung des Herrn" ist eine von mehreren katholischen Kirchen zwischen Weißensee und Köpenick. Von hier aus startet das jährliche Martinsfest und von hier aus starteten evangelische Gemeinden ihre Aktivitäten im Plattenbaubezirk. Diese guten Beziehungen bestehen auch heute noch.



Pater Albert ist über unser Erscheinen informiert. Wir erscheinen mit der biblischen Zahl von sieben Personen. Da wir wegen der Fußnähe mal wieder sehr knapp an der Kirche eintreffen, freuen wir uns über die freigehaltenen Plätze in einer der vorderen Sitzreihen.

Aufmerksam beachten wir die Liturgie und die Bewegungen unserer Nachbarn. Es ist für uns ein ungewohntes Umfeld. Wir möchten nicht negativ auffallen. Das Entscheidende ist jedoch die gemeinsame Schnittmenge: Jesus!

Jesus ist im gesamten Gottesdienst präsent: In den Liedern, in den liturgischen Texten und in der Predigt, die Pater Albert hält. Pater Albert ist ein bescheidener Mann mit schweizerischem Akzent und einer äußerst gütigen Ausstrahlung. Die Kirche ist fast bis auf den letzten Platz besetzt. Neben uns sitzt eine asiatische Familie. Asiaten waren uns auch schon bei den Katholiken in Biesdorf aufgefallen. Mit deren Konfessionspräferenzen hatten wir uns bisher noch gar nicht beschäftigt.

Nach dem Gottesdienst führt uns Pater Albert durch den Hauptsaal der Kirche und erklärt uns sämtliche Details. Er beginnt mit der beeindruckenden Christusfigur über dem Altar, welche je nach Blickwinkel verschiedene Aussagen an den Betrachter richtet.

An der linken Seite des Raumes erklärt er uns ein ineinander verwobenes Relief mit den Kreuzweg-Stationen. Es war von einem erklärtermaßen ungläubigen Künstler geschaffen worden. Er hatte sich dem Leidensweg Jesu ohne gemeindepädagogische Vorprägung genähert und verblüffende Aussagen in die Darstellung eingearbeitet. Leider ist der Künstler inzwischen verstorben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Beschäftigung mit dem Relief auch in seinem Leben und Denken einiges verändert hatte.

Die katholische Kirche "Von der Verklärung des Herrn" ist für ihre gute Zusammenarbeit mit den anderen Kirchen und Gemeinden in Marzahn bekannt. Vor dem Mauerfall konnten die Räume auch von der evangelischen Kirche genutzt werden. Einmal im Jahr gehen von hier die Marzahner Feierlichkeiten zum Martinstag aus.

Zum Abschluss trinken wir noch einen Kaffee und Pater Albert schenkt uns einen Kalender für 2016. Herzlichen Dank!

Freitag, 17. Juli 2015

Gottesdienst-Marathon von Marzahn bis Friedrichshain

Einen wahren Gottesdienst-Marathon hatten wir bereits im Mai absolviert. Drei Gottesdienste an einem Tag und so unterschiedlich, wie man es sich nur vorstellen kann:



Es begann um 10:00 Uhr in der katholischen Kirche "Maria, Königin des Friedens" in der Biesdorfer Oberfeldstraße. Bereits an der Parkplatzsituation war festzustellen, dass es voll werden könnte. Diese Kirche war uns kurz vorher von einem evangelischen Gemeindepädagogen empfohlen worden, der mit seiner katholischen Frau öfter mal hier zu Gast ist. Als wir den großen Saal betraten, waren schon fast alle Plätze besetzt - geschätzt 200 Menschen. Die Besucher deckten alle Altersgruppen ab und bewegten sich zwischen alteingesessenem Biesdorfer bis hin zum Wahlmarzahner aus Vietnam.

Die Predigt war kurz und sehr auf den Alltag bezogen, ohne jedoch den klaren Blick auf Jesus zu verlieren. Da wir in der letzten Bank saßen, konnten wir uns während der umfangreichen Liturgie an den Handlungen der anderen Besucher orientieren und fielen deshalb nicht weiter auf.

Der Priester mit polnischen Wurzeln hatte offensichtlich einen sehr guten Draht zur Gemeinde. Jugendliche schenkten ihm zum Geburtstag eine Volxbibel und auch Erwachsene dankten ihm in diesem Gottesdienst. Er selbst wurde bei den Ansagen gar nicht mehr fertig mit Dankesworten für jeden noch so unbeachteten Dienst, die im Dank an den Elektriker für die Reparatur der Lampen gipfelte. Das gefiel uns sehr gut! Anschließend lud er die Gemeinde zur gemeinsamen Geburtstagsfeier im Kirchengarten ein. Der Priester und seine Gemeinde - ein starkes Team!

Vor dem nächsten Gottesdienst hatten wir noch etwas Zeit, die wir bei McDonalds verbrachten.

Punkt 14:00 Uhr trafen wir dann im Gewerbegebiet nahe des UKB (Unfallkrankenhaus Berlin) ein. "Wir haben die Uhr. Afrikaner haben die Zeit", war mein Spruch in dem Bewusstsein, dass der Gottesdienst der CFT Berlin-Marzahn (Christ Faith Tabernacle) nicht wirklich Punkt Zwei anfangen wird. Und tatsächlich: In der unteren Etage saßen einige Schwarze mit Krawatte um einen Tisch und beschäftigten sich offensichtlich mit Bibel und Gebet. Im Obergeschoss liefen einige Frauen mit Kindern umher. Wir wurden sehr freundlich begrüßt und zu eleganten Stühlen begleitet. Dort setzten wir uns und warteten. Immer wieder kamen äußerst herzlich grüßende Menschen mit afrikanischer Zuwanderungsgeschichte an unsere Stuhlreihe und grüßten oder fragten nach unserem Wohlergehen. Wir bekamen ein Blatt zur Kontaktaufnahme und umfangreiches Informationsmaterial in die Hand gedrückt.

Nach etwa einer halben Stunde begann der Gottesdienst mit starkem Lobpreis, wie man ihn von Gospelchören her kennt. Danach trat ein Pastor auf und redete soweit ich mich erinnere über den Hebräerbrief und Liebe. Nach gefühlten neunzig Minuten erregt und mit hoher Lautstärke ins Mikrofon gesprochener Predigt auf Englisch mit afrikanischem Akzent, war unsere Auffassungsfähigkeit sehr erschöpft. Umso mehr freuten wir uns dann über den getanzten Lobpreis mit Segnungszeit. Jakobus 5, 14 (Salbung mit Öl durch die Ältesten) wurde dabei sehr überschwänglich eingesetzt und verfehlte seine Wirkung nicht. Die Gottesdienstbesucher tanzten in Scharen nach vorne und wurden in einer besonderen Weise berührt. Auch wir hatten in dieser Zeit bei geschlossenen Augen interessante Eingebungen.

Am Ende wurden wir wieder von mehreren Gemeindemitgliedern begrüßt und gesegnet. Der Pastor reichte uns die komplett ölige Hand (Jakobus 5,14). Dann gingen wir tief bewegt nach draußen.

Es blieb wenig Zeit, um bis 18:00 Uhr bei ICF Friedrichshain zu sein. Als wir dort eintrafen, war schon alles dunkel. Ja, dunkel - wegen der besonderen Atmosphäre. Weil es so dunkel war, hatten wir etwas die Orientierung verloren, wurden jedoch von einer freundlichen jungen Dame abgefangen und in den Gottesdienstsaal gelotst. Auf der linken Seite konnten wir die Umrisse zusammengeklappter Stühle entdecken und griffen uns diese. Wir pirschten uns an der Theke vorbei und fanden sogar noch die vier benötigten Plätze. Im Rampenlicht stand Pastor Tino Dross. Seine Predigt war modern, locker, nicht ganz kurz und theologisch an einigen Stellen nachjustierbar. Das muss an seiner frischen Ausbildung gelegen haben.

Der Lobpreis war super! Nach dem Gottesdienst wurden wir interessiert angesprochen und nach unseren Gemeindeerfahrungen und unserem Anliegen des Besuches gefragt. Was die Integrationsfähigkeit von ICF Friedrichshain betrifft: 100 Punkte! Nur dass eine so hohe Konzentration von alleinstehenden jungen Erwachsenen zu verzeichnen war, dass man sich als Teenager oder Erwachsener ab 35 etwas exotisch vorkam.

Dieser Tag hatte gezeigt, welche Vielfalt in der christlichen Szene der Stadt herrscht. Für jeden Geschmack und Bedarf ist etwas dabei.