Sonntag, 6. Mai 2018

Bullets, Warriors, Katholiken und die Gottesdienste in Eberswalde

Das erste Football-Spiel unseres Sohnes fand heute in Eberswalde statt. Die Zeit zwischen Abliefern des Kindes und Spielbeginn nutzten wir zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes im Ortsteil Eberswalde-Finow.



"Warum wohnen wir nicht in Eberswalde?", fragte unsere Tochter nachdem wir unseren Sohn am Wasserturm rausgelassen hatten. Rechts und links saftige Wiesen, kleine Wäldchen, flache Häuser, gepflegte Altbausubstanz, hier noch ein See und dort neues Kopfsteinpflaster. Warum eigentlich nicht? Das sah hier ganz nett aus.

Im Vorfeld hatte ich bei Google nach Kirchen in Eberswalde gesucht. Die Ergebnisse waren übersichtlich: Baptisten, eine evangelische Kirche, eine freie Christus Gemeinde Eberswalde, eine neuapostolische Gemeinde, eine methodistische Gemeinde und zwei katholische Gemeinden. Neuapostolisch hatten wir bisher nicht auf dem Radar. Die Webseiten der Methodisten, Baptisten und Evangelischen Kirche waren so altbacken oder rudimentär, dass ein Besuch ebenfalls ausschied.

Christus Gemeinde Eberswalde und das erste Spiel der Berlin Bullets

Den interessantesten Eindruck vermittelte die CGE Christus Gemeinde Eberswalde. Deren Gottesdienst sollte von zehn bis zwölf gehen. Das kollidierte jedoch mit dem Spielbeginn der Berlin Bullets gegen die Eberswalde Warriors um elf.

Ein halbes Jahr hatte unser Sohn auf dieses erste echte Spiel hintrainiert: American Football. American Football hat mit Fußball so gut wie gar nichts zu tun und ist eine Sportart mit Schubserei, Festhalten, Umrennen, vielen blauen Flecken und undurchsichtigen Regeln. Die Amis stehen darauf. Deshalb läuft alles auf Englisch mit Quarterback, O-Line, Defense und ähnlichen Begriffen, die unser Sohn inzwischen komplett beherrscht.

St. Theresia zum Kinde Jesu

Blieb also noch die katholische Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu, wo der Gottesdienst um 8:30 Uhr begann. Oh, war das früh! Um diese Zeit mussten wir aber unseren Sohn abgegeben haben und hatten dann noch zweieinhalb Stunden Zeit.

St. Theresia ist eine kleine Backsteinkirche auf einem Eckgrundstück. Der Innenraum ist hell und freundlich. An den Wänden sind Reliefs mit dem Kreuzweg eingelassen. Der Altarbereich dieses schlichten Raumes freute mich besonders - endlich mal wieder Latein: "Agnus Dei qui tollit peccatum mundi". Das steht in Johannes 1 Vers 29 und bedeutet: "Das Lamm Gottes, das wegnimmt die Sünde der Welt". Meine Tochter schaute skeptisch, da sie Wörter wie peccatum (Sünde) in der Schule nicht gelernt hatte.

Der Saal füllte sich, so dass letztlich etwa 30 Personen auf den Holzbänken saßen. Das Durchschnittsalter lag bei 70. Eigentlich schade, denn die Ansagen des Pfarrers und dessen Predigt waren wirklich kurzweilig und gut. Er sprach frei, hielt Blickkontakt zu den Besuchern und redete wie ein Mann, der die Alltagssprache und die Herausforderungen seiner Nachbarn kennt. Unterstützt wurde er von zwei Messdienern im Teenager-Alter. Diese beäugten uns unentwegt, da wir den Altersdurchschnitt so signifikant nach unten korrigierten.

Katholisch heißt "für alle da"

In der Predigt zu Apostelgeschichte 10 - der heidnische Hauptmann Cornelius wird getauft - machte der Referent klar, dass auch Cornelius katholisch wurde. Katholisch im Sinne von "für alle da". Mir kam dabei ständig in den Sinn, dass auch Luther katholisch gewesen sei, obwohl man ihn heute in einer anderen Ecke einordnet. Die Predigt ermutigte, dass auch eine katholische Gemeinde wieder praktisch für alle da sein sollte. Dass sich der biologische Nachwuchs ausgedünnt hatte, war ja deutlich zu erkennen.

Übrigens war ich bei Recherchen zum Nuntius des Heiligen Stuhls - also dem Botschafter des Vatikans - darauf gestoßen, dass Erzbischof Eterovic (Chef des Diplomatischen Korps in Deutschland) seit 2011 als Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung fungiert. Dieser Rat zur Förderung der Neuevangelisierung wirkt gerade in Ländern, wo das Christentum schon lange beheimatet ist, jedoch durch die Säkularisierung an Bedeutung verloren hat. Genau in diesen Tenor stimmte die heutige Predigt bei St. Theresia ein.

Gesang ohne Instrumente

Bemerkenswert war auch die Musik. Der Gesang kam komplett ohne Instrumental-Begleitung aus und füllte das Volumen des Kirchenschiffs. Wegen der guten Beschilderung konnten wir fast alle Elemente der Liturgie mitsingen und schauten uns den Rest von den Leuten ab, die um uns herumsaßen. Es gab auch Abendmahl und den üblichen Friedensgruß mit Körperkontakt: Hände schütteln.

Nach dem Gottesdienst brachten wir die Gesangsbücher weg und traten in die gleißende Sonne. Über Kopfsteinpflaster rumpelten wir zum Wasserturm zurück.

Bullets versus Warriors

Die Berlin Bullets waren umgezogen und machten sich auf dem Platz warm. Die Warriors hatten zwei Hüpfburgen aufgeblasen und ein großes WARRIORS auf den Platz gepinselt. Warriors heißt Krieger, während Bullets die Patronen sind. Nach der ersten Halbzeit stand es 40 zu Null für die Eberswalder. Unentwegt war ich unterwegs, um Kuchen, Würstchen, Salat, Grillfleisch, Kaffee, Schirme oder Decken zu holen. Bei den Regeln sah ich ohnehin nicht durch. Ich wusste nur, dass mein Sohn die weiß-grüne 53 war. Den Rest konnte man unter Helm und dem Brustpanzer nicht erkennen. Meine Tochter hatte noch dafür gesorgt, dass er gelbe Turnschuhe trug. Das fiel auf.

Es war das erste Spiel dieser Mannschaft überhaupt. Deshalb waren die 40 zu Null zu verkraften. Insbesondere deshalb, weil in der zweiten Halbzeit keine weitere Veränderung des Spielstandes eintrat. Die erste Halbzeit war zum Üben, die zweite zum Bewähren. Wir sind gespannt auf das nächste Spiel.

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