Samstag, 21. Oktober 2017

1. Samuel - ein Leiterhandbuch

In der fortlaufenden Bibellese bin ich mal wieder am 1. Samuel vorbei gekommen. Diesmal fielen mir im Vorbeilesen fast auf jeder Seite wertvolle Leitungsprinzipien auf.



Wie schon im Artikel über Toxic Leadership geschrieben, habe ich zurzeit keinen bewussten Fokus auf das Thema Leitung. Dennoch rasteten beim 1. Samuel - fast beiläufig - wichtige Hinweise auf Leitungsmethoden und Persönlichkeit von Führungskräften ein. Aber der Reihe nach:

Eli und seine Söhne

Das erste Samuel-Buch beginnt mit einem Leiter, einem Hohepriester, der von Geburt an zu diesem Amt bestimmt war. Er saß am Eingang des Zeltes, das als Tempel fungierte. Dort richtete und unter-richtete er das Volk. Er war der zentrale Ansprechpartner, da es "in jenen Tagen keinen König in Israel gab und jeder machte, was er für richtig hielt" (siehe Richter 17,6 und 21,24).

Der Mann hieß Eli und seine Söhne machten auch, was sie für richtig hielten. Das war weder aus Sicht des Volkes richtig noch aus Sicht Gottes. Eli wurde von Gott her ermahnt, auf seine Söhne einzuwirken, da sie das Priesteramt in Verruf brachten und damit die gewünschte Vorbildfunktion untergruben. Eli wurde klar für das Fehlverhalten seiner Söhne in die Verantwortung gezogen. Mit einem kurzen "Du, Du, so geht das aber nicht!" kam er seiner Verpflichtung nach und ging dann zum Tagesgeschäft über.

Daraufhin griff Gott selbst ein: Eli wurde in den Kapiteln 2 und 3 mehrfach gewarnt. Abschließend lesen wir in Kapitel 4 von einer Kettenreaktion, die Gott selbst initiiert hatte, um die Zustände zu beenden.

Parallel-Handlung Samuel

Parallel-Schauplatz zu Eli ist die Geschichte von Samuel. Samuel war das Geschenk Gottes an eine unfruchtbare Frau: Hanna. Deshalb schenkte sie den Samuel an Gott zurück, nachdem er abgestillt war. Samuel wird der Diener Elis und hält sich permanent im heiligen Zelt auf. Dort lernt er die Stimme Gottes kennen und bestätigte aus höchster Quelle, was schon ein anderer "Mann Gottes" bezüglich der Söhne von Eli angekündigt hatte.

Aber auch Samuel hatte Söhne, die auffällig wurden. Sie nahmen Bestechungsgelder an. Deshalb kam das Volk in 1. Samuel 8, 3-4 zu ihm, beschwerte sich und bat um die Einsetzung eines Königs. Wobei Könige damals ja auch von ihren Söhnen abgelöst wurden.

König Saul

Saul war zunächst sehr schüchtern, obwohl er optisch keinen Grund dazu gehabt hätte. Samuel war von diesem stattlichen jungen Mann begeistert und salbte ihn zum König. Auch das Volk war von der Aura des ersten Königs geblendet und folgte ihm gerne in die ersten Kämpfe.

Saul muss mit Selbstwert-Defiziten gekämpft haben, so dass er sich als Führungskraft nicht konsequent durchsetzen wollte. Er ließ seinen Soldaten freie Hand und nahm dafür die Trennung von Gott in Kauf. Letztlich redete er im Dialog mit Samuel mehrfach von "dein Gott". Sauls Beziehung zu Gott war wohl erloschen und die Übergabe des Königtums an jemand anderen beschlossen.

Der kleine David

Schon beim nächsten Salbungsauftrag wurde klar, dass auch Samuel sich stark von Äußerlichkeiten beeindrucken ließ. So klärte ihn Gott bei Begutachtung des ältesten Sohnes Isais auf: "Ich habe ihn verworfen". Darauf folgt der berühmte Satz: "Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an". Die anderen Brüder waren zwar nicht verworfen, jedoch auch nicht erwählt. David musste erst vom Feld geholt werden, da niemand damit gerechnet hatte, dass der große Samuel ausgerechnet zum kleinen David geschickt worden war.

Spannend ist auch die Herangehensweise Davids an die Situation mit Goliath in Kapitel 17. Während seine Brüder Angst hatten und den kleinen David am liebsten nach Hause geschickt hätten, ließ sich David nicht von der Optik des Palästinensers blenden. Er sah dessen überhebliches Herz an und erkannte, dass Gott ihn verworfen hatte.

König Saul wollte David für den Kampf ausrüsten und verpasste ihm seine Rüstung. Das war nichts für ihn. Damit hätte er den Kampf nie gewonnen. Er nutzte seine eigenen Erfahrungen und persönlichen Kennziffern und war damit erfolgreich. Das 17. Kapitel ist ein Genuss, wenn man es sich Vers für Vers auf der Zunge zergehen lässt. Daraus ist übrigens auch der 151. Psalm entstanden, der nur in der Vulgata zu finden ist.

Saul und David

Bereits im nächsten Kapitel kippt die Situation. Die wachsende Beliebtheit und der Erfolg von David wurden Saul zuwider. Wie oben festgestellt, hatte Saul ja ein Problem mit seinem Selbstwert. Deshalb konnte er in seiner Umgebung niemanden ertragen, der etwas besser konnte. Zudem fehlte ihm der Mut, einen Prozess der Selbstoptimierung zu beginnen. Dann hätte es sicher eine gute Lösung gegeben.

Im weiteren Verlauf fällt noch ein elementarer Unterschied auf: David war ein Beziehungstyp und übernahm zum Beispiel Verantwortung für seine Familie (Kapitel 22, 1-3). Saul hingegen waren Menschen egal. Im selben Kapitel löschte er 85 Männer einer Priester-Familie und deren ganze Stadt aus (Verse 18-19). Dabei war er so gründlich, wie er es in Kapitel 15 gegen die Amalekiter hätte sein sollen.

Auch bei den Begegnungen mit dem schlafenden Saul zeigte David, dass er erstens seine Leute im Griff hat und zweitens dem Zeitplan Gottes nicht vorgreifen wollte. Generell stellt er vielen seiner Entscheidungen die Befragung Gottes voran (zum Beispiel Kapitel 23 Verse 4 und 10-12). Bemerkenswert sind auch Davids Aussagen über das Antasten des Gesalbten - gemeint war in diesem Zusammenhang Saul.

Jonathan

Abschließend lohnt sich noch eine Betrachtung von Sauls Sohn Jonathan. Er reihte sich in das Vater-Sohn-Verhältnis von Eli und Samuel ein - nur umgekehrt. Jonathan hatte die Pläne Gottes verstanden und drückte das in Kapitel 23 Vers 17 gegenüber David so aus: "Du regierst über Israel und ich bin dir der Zweite, aber auch mein Vater Saul weiß das." Saul wusste und hielt krampfhaft fest. Jonathan sprach nicht wie sein Vater von deinem Gott, sondern immer vom Herrn oder von Gott. Jonathan hatte mit David eine gemeinsame Basis der Gottes-Beziehung und konnte somit die Kompetenz-Verteilung gemäß Gottes Willen akzeptieren.

Selber lesen!

Das erste Samuel-Buch gibt jede Menge Anregungen zum Weiterdenken. Die oben skizzierten Situationen und Handlungsmuster können sicher in der Tiefe erforscht und analysiert werden. Interessant wäre auch die Frage nach dem "Was wäre wenn?", um mögliche Auswege aus den verfahren scheinenden Situationen zu finden.

Viel Spaß bei der Lektüre!

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