Mittwoch, 18. April 2018

Moskau Teil 1: Vorbereitung

Heute gegen acht brachte ich meine Frau zum Flughafen Schönefeld: Moskau-Reise mit drei weiteren Leuten von Saddleback Berlin. Nachfolgend Teil 1 des Reiseberichtes von Gastautorin Martina, in dem es um die Vorbereitungen geht.



Moskau, Moskau - diese Stadt hatte bereits Dschinghis Khan entdeckt: musikalisch und eventuell auch auf einem Feldzug. Nun wollte ich selbst einmal auf Entdeckungstour gehen.

Zu Russland hatte ich als gebürtiger Ossi schon aus geopolitischen Gründen einen Bezug. Hinzu kam der Besuch einer Schule mit erweitertem Russisch-Unterricht. Ich schlug mich mal mehr, mal weniger gut durch die russisch geprägte Schulzeit. Vor allem der Erdkunde-Unterricht auf Russisch über das damals noch Sowjetunion genannte Land erforderte mehr Sprachkenntnisse, als ich mir aneignen wollte. Später in West-Berlin spielte ich kurzzeitig mit dem Gedanken, Russisch als Abiturfach zu wählen. Mit den Muttersprachlern konnte ich jedoch nicht mithalten.

Theorie wird zur Praxis

Was mir nach zehn Jahren Schul-Russisch noch fehlte, war ein Besuch in Russland. Da die Schulzeit nun schon zwei bis drei Jahre zurückliegt, überraschte mich mein starkes Interesse selbst. Dave Schnitter, Pastor bei Saddleback Berlin, erwähnte in einem Gottesdienst Anfang März eine geplante Reise nach Moskau. Er wolle dort eine Gemeinde besuchen, die eine Pastorenkonferenz ausrichte. Dave würde sich freuen, wenn ihn jemand begleite, um die Gemeinde vor Ort zu unterstützen.

Nach kurzem Überlegen, Ermutigung durch die Familie - "Da wolltest Du doch schon immer mal hin“ - und einigen Details zur Reise, entschloss ich mich zur Fahrt gen Osten. Urlaub war schnell verlegt, Flug gebucht und Visum mit einer Unmenge an Papierkram beantragt. Es war erstaunlich, was der russische Staat für das Visum alles haben wollte: Passbild und Krankenversicherung leuchteten ja ein, aber bei Adresse und Lohnnachweis des Arbeitgebers und einem Einladungsschreiben, das man als Tourist auch für 15 Euro bei irgendeiner dubiosen Internet-Firma erwerben konnte, erschloss sich mir der Sinn nicht wirklich.

Schließlich musste der Reisepass für eine Woche beim Konsulat abgegeben werden. Wobei man beim Konsulat gar keinen Termin bekam, sondern in jedem Fall über das Russische Visa-Zentrum oder einen anderen kommerziellen Anbieter den Antrag stellen musste. Arbeitsbeschaffung auf Russisch.

Casper, Dave, Ayanna

Schnell gesellte sich Ayanna dazu. Sie kommt ursprünglich aus Trinidad und Tobago und macht in Berlin ihren Doktor in Energietechnik. Ihre Euphorie war ansteckend und ihre Organisationskünste stellten alle deutschen Bürokraten in den Schatten. Wenn ich etwas über Visa-Angelegenheiten oder Geldautomaten wissen wollte, antwortete Dave mit einem 1-Zeiler und Ayanna schickte fünf Minuten später eine wissenschaftliche, selbst recherchierte Abhandlung zum Thema. Der vierte im Bunde war Casper. Er ist gebürtiger Holländer, der inzwischen seit zehn Jahren in Berlin lebt. Er bekam kurzentschlossen noch Visum und Flugtickets.

Drei Tage vor der Abreise wurden wir im Gottesdienst bei Saddleback Berlin gesegnet. Ayanna und ich trafen Casper bei diesem Anlass zum ersten Mal. Welche Aufgaben wir erledigen sollten, ließ sich vor der Abreise nicht herausfinden. Überraschung!

Ich spreche Russisch.

Wenigstens fand ich das Buch "Ich spreche Russisch" im Bücherregal und begann, meine Sprachkenntnisse aufzutauen. Das ging besser als gedacht. Lesen fließend, verstehen Vieles. Aber beim Reden haperte es ganz schön - mir fehlte der passende Gesprächspartner. Meine Tochter ließ es mit viel Geduld über sich ergehen.

Apropos Sprache. Natürlich gab es eine Gruppe mit der Bezeichnung "We are going to Moscow" bei WhatsApp. Chatsprache war Englisch. Wie sich später herausstellte, hatten alle anderen Beteiligten bereits einen Teil ihres Lebens im englischsprachigen Ausland verbracht oder dies gar als Muttersprache. So musste ich also nicht nur Russisch wiederholen, sondern konnte auch noch mein Englisch-Wörterbuch zur Bildung von sinnvollen Sätzen nutzen.

Autorin: Martina Baumann (redaktionell bearbeitet von Matthias Baumann)

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