Sonntag, 27. August 2017

Gebet, Cola-Automat und Bundeswehr

Wann immer ich nach meiner Entscheidung für Jesus gefragt werde, spielt auch der Cola-Automat eine Rolle. Beim gestrigen Tag der offenen Tür im Bendlerblock tauchte der Automat in der Andacht des katholischen Militärdekans auf.



Die Sonne schien durch die ausgestanzten Erkennungsmarken im Dach des Ehrenmals der Bundeswehr. An der goldenen Wand hinter den beiden Militär-Dekanen zeichnete sich ein interessantes Schattenbild. Schwarz und weiß bildeten den Kontrast zwischen evangelisch und katholisch. Der Reformationsfreund in Schwarz führte durch das Programm und las aus Psalm 139 vor. Der weiße Dekan mit dem goldbestickten Schal war für die Predigt zuständig.

Ehrenmal der Bundeswehr Andacht Tag der offenen Tür
Ehrenmal der Bundeswehr - Andacht am Tag der offenen Tür
Es ging um Gebet. Gebet sei für viele Situationen des Lebens wichtig und stelle die Verbindung zu Gott her. Gerade in Herausforderungen, bei denen es um Leben und Tod geht, seien die richtigen Entscheidungen wichtig. Zur Findung der richtigen Entscheidung sei ein Pausieren mit inkludiertem Gebet sehr wirkungsvoll. Gebet sei kein Kaufvorgang am Automaten, wo das Gebet reingesteckt werde und die gewünschte Antwort herauskomme. Gebet sei Dialog mit Gott, bedarf auch der Stille zum Hören und habe im Ergebnis den Effekt, bessere Entscheidungen treffen zu können.

Beten, hören und entscheiden

Das hörte auch der Inspekteur des Heeres, ein 3-Sterne-General mit gepflegtem Bart. Auch seine unzähligen Personenschützer lauschten der Predigt, während ihre Blicke unentwegt meine Kamera mit dem plüschigen Mikrofon scannten.

Nach dem Vaterunser, geleitet durch den Herrn in Schwarz, sprach der Herr in Weiß den Abschlusssegen. Schwarz und Weiß ergeben Grau. So wurde der in Grau uniformierte Inspekteur des Heeres in die Mitte genommen. Er nahm einen Kranz in die Hand und lief mit den beiden Militär-Dekanen in den südlichen Teil des Ehrenmals. Dort wurde der Kranz niedergelegt.

Ehrenmal der Bundeswehr Andacht Tag der offenen Tür
Ehrenmal der Bundeswehr - Andacht und Kranzniederlegung am Tag der offenen Tür
Das Thema Christ und Soldat ist ja in der christlichen Szene Deutschlands sehr umstritten. Dabei gibt es in der Bibel immer wieder Berührungspunkte mit Menschen, die diesen Beruf ausgeübt hatten und dennoch eine Beziehung zu Jesus leben konnten: Hauptmann von Kapernaum, Hauptmann Cornelius als erster getaufter Heiden-Christ, Gefängnis-Chef von Philippi, Tribun von Jerusalem in Interaktion mit Paulus. Ganz abgesehen von wichtigen biblischen Personen wie David, der einer der bedeutendsten Kämpfer Israels war.

Zwei Regimenter

Zu Zeiten Konstantins und der Kreuzzüge war das wohl kein strittiges Thema. Mit der Reformation wurde Luther explizit auf den Kriegsdienst angesprochen. Er setzte sich damit auseinander und verfasste 1526 die Schrift "Ob Kriegsleute auch im seeligen Stande sein können".

Luther differenziert zwischen zwei Regimentern. Das hat nichts mit dem Regiment als militärische Einheit zu tun, sondern mit Regierung. Da ist zuerst das geistliche Regiment Gottes, dessen Grundlagen aus der Bibel abzuleiten sind. Das zweite Regiment ist der Staat, der für Recht, Ordnung und Frieden sorgen soll. Weder Paulus in Römer 13, noch Petrus im zweiten Kapitel seines ersten Briefes haben ein Problem damit, dass Straftäter mithilfe des Schwertes durch das weltliche Regiment, die Regierung also, zur Rechenschaft gezogen werden.

Was aber, wenn ein Mitstreiter des weltlichen Regimentes eine Beziehung zu Jesus aufbaut? Wäre nicht das erste Regiment ein guter Rahmen für die Ausübung des zweiten Regimentes? An der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg wird beispielsweise "evangelische Sozialethik" gelehrt. Überhaupt ist eine ausgeprägte Frömmigkeit bei den Offizieren der Bundeswehr festzustellen. Das war mir bis vor einigen Monaten in diesem Maße noch nicht bekannt.

Luther differenziert zwischen den Personen des zweiten Regiments, die ihre Aufgabe im Sinne von Römer 13 oder 1. Petrus 2 ausführen und solchen, die marodierend durch die Gegend ziehen und aus Spaß am Morden, Vergewaltigen und Rauben diesen Beruf ergriffen hatten und damit aus dem ethischen Raster des zweiten Regimentes fallen.

Immerhin gibt es ja auch im ersten Regiment schwarze Schafe, die für Geld und Anerkennung einen Job als Schauspieler erledigen.

Tag der offenen Tür und der zweite Besuch

Während der 20-minütigen Andacht im Ehrenmal der Bundeswehr war meine Familie durch die umliegenden Infozelte geschlendert. Am Tag der offenen Tür der Bundesregierung, von Insidern auch TdoT BReg genannt,  gab es viel zu sehen und anzufassen. "Wir sind bei den Panzern", wurde mir per WhatsApp mitgeteilt. Ich sondierte die Lage, schlug mich in den Nordteil des Areals durch und fand meine Frau, die mit Jute-Beuteln in Tarnfarbe und Nahrungskonzentrat für Soldaten im Einsatz bepackt war. Die Kinder kamen hinter einem hellbraunen Panzer hervor.

Es gab so viel zu sehen, dass die geplanten vier Stunden nicht ausreichten. Deshalb fuhr ich heute noch einmal mit meiner Frau dorthin. In den Infozelten sprachen wir die Dekane der gestrigen Andacht an. Dabei wurden wir Zeugen dessen, dass die Männer bei der Truppe nachgefragt werden und wichtige seelsorgerliche Aufgaben zu erfüllen haben. Die Soldaten im Einsatz müssen nicht nur mit dem Elend an ihrem verletzten Kameraden klarkommen, sondern auch mit dem Elend, das sie nach dem Schuss durch ihr Zielfernrohr sehen.

Soldaten und Dekane

Soldaten sind ganz normale Menschen und haben nahezu die gleichen Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Dabei helfen die Militärseelsorger, öffnen ein kühles Getränk und lassen den Soldaten erst einmal reden.

Soldaten leben ihre Beziehung zu Jesus oft in einer Parallelwelt zur zivilen Gemeinde-Landschaft. Es gibt Soldaten-Gottesdienste, evangelische und katholische Soldaten-Magazine und große Infobereiche auf der Webseite der Bundeswehr. In Gemeinden wird den militärischen Geschwistern gelegentlich aus dem Weg gegangen. Es herrscht Unsicherheit im Umgang mit den zwei Regimentern. Dabei können Soldaten und Offiziere jede Menge Knowhow, Sozialkompetenz, Teamdenken und Leitungsqualität einbringen.

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