Sonntag, 18. September 2016

Dorfkirche Marzahn mit Taufe und Wahl

Die Dorfkirche Marzahn ist eine der bekanntesten Kirchen im Stadtbezirk. Zusammen mit der Marzahner Mühle dominiert sie den historischen Ortskern, welcher auch als Alt-Marzahn bekannt ist. Der Pfarrer der Dorfkirche war zu einer Zeit geboren, als die ersten Plattenbauten in Marzahn zusammen gesetzt wurden. Der Gottesdienst findet sonntags um 9:00 Uhr statt.



Aus Zeitgründen hatten wir heute einen frühen Gottesdienst in der Nähe gesucht und waren dabei auf einen Taufgottesdienst in der Dorfkirche Marzahn gestoßen. Taufe ist immer gut und stellt nach Römer 6,1-14 einen geistlichen Geburtstag dar.

Da wir die Effizienz von zwei möglichen Fußwegen testen wollten, teilte sich unsere Familie auf und eilte über Hauptverkehrs- und Kopfsteinpflasterstraßen. An den Laternen hingen Wahlplakate. Das Ergebnis war, dass beide Wege gleich schnell zum Ziel führten. So trafen wir etwa fünf Minuten vor Beginn an der Kirche ein und setzten uns in eine der vorderen Bankreihen.

Eine Minute vor Beginn strebte ein älteres Ehepaar auf unsere Bankreihe zu und durchbohrte Frau und Kinder mit einem nicht ganz bibelkonformen Blick: Hier gibt es Stammplätze! Das hatten wir zwar geahnt, aber nicht eindeutig erkennen können, da weder Namensschilder noch Badehandtücher ausgelegt waren. Badehandtücher mit gesticktem Gemeindelogo und Namenszug wären eine Marktlücke für christliche Versandhäuser und Büchertische.

Punkt neun dröhnte der erste Orgelton durch die Kirche. Wir zuckten zusammen. Die Frau neben mir justierte ihr Hörgerät nach. Der Gottesdienst hatte begonnen. Mit Orgelbegleitung wurden viele altbekannte Gemeindelieder gesungen. Im Wechsel dazu lief die übliche Liturgie mit Epistel, Predigttext und Gebeten ab.

In der Predigt ging es um Römer 10,9-15 mit dem Fokus auf Glauben und dem Reden darüber. Die Wahrnehmung der auf die Existenz Gottes hinweisenden Umwelt war einer der Punkte. Es ging um Glauben im Sinne von unrealistischer Vermutung versus Vertrauen und um Prediger, die einen kleinen geistlichen Samen ausstreuen, der Jahre später Frucht trägt.

Der Gottesdienst war nach weniger als einer Stunde zu Ende. Am Ende erfuhren wir auch, dass die Taufe abgesagt worden war. Schade!

Also spazierten wir durch Alt-Marzahn und liefen an den bunten Plakaten vorbei zum Wahllokal. Auf den Fußweg war "NO AFD" oder "SPD", "SPD", "SPD" gesprüht worden. Als ich an einen der Spitzenkandidaten dachte, den ich aus dem beruflichen Zusammenhang kannte, fiel mir ein neues Wort ein: Rudimentärkompetenz. Meinem Alter entsprechend wären jetzt eigentlich schon fast die "Grauen Panther" zu wählen. Aber nur fast, lieber wähle ich vorher noch einen schwarzen oder silbernen Jaguar.

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