Donnerstag, 24. März 2016

Dorfkirche Marzahn und das Tischabendmahl

Die Dorfkirche Marzahn ist umgeben von Hochhäusern und stellt einen architektonischen Kontrast zwischen Alt und Neu dar. So bedient auch der junge Pfarrer mit Gitarrenbegleitung eine betagte Gemeinde. Die Dorfkirche Marzahn betreibt einen Kindergarten und engagiert sich für den Kiez.



Gründonnerstag:

An diesem Tag traf sich Jesus vor der Kreuzigung ein letztes Mal mit seinen Freunden zum Abendessen. Er zerbrach ein Brot und gab die Teile an die Anwesenden weiter als Symbol, dass alle Menschen, die an ihn glauben, ein Teil seines Körpers sind. Auch einen Becher mit Wein gab er herum und setzte damit das Gedenken an sein vergossenes Blut ein (siehe 1. Korinther 11, 23-26).

Meine Schwiegermutter fragte uns, ob wir mit ihr zum Tischabendmahl in die Dorfkirche Marzahn gehen. Was für eine Gelegenheit, endlich mal wieder dort vorbei zu schauen und den neuen Pfarrer kennen zu lernen. Pfarrer Frederik Spiegelberg ist um die Dreißig und Hoffnungsträger für eine generelle Verjüngung der Gemeinde, zumindest was die Wahrnehmung der Programme betrifft.

Im Obergemach des Gemeindehauses war ein langer Tisch eingedeckt. Wir waren keinem Mann mit Krug gefolgt (Lukas 22, 10), dafür aber der Schwiegermutter, die uns einen bisher unbekannten Schleichpfad durch den Rudolf-Filter-Weg zeigte. Wir waren so pünktlich, dass wir uns weiträumig um die Tafel verteilen konnten. Bis 19:30 Uhr wurde der Saal jedoch so gut besucht, dass weitere Stühle herangeschafft werden mussten. Alle sechsundzwanzig Gäste sollten direkten Zugang zum Tisch haben.

Die gesamte Liturgie inklusive aller Lieder und Textlesungen war in einem achtseitigen Begleitheftchen abgedruckt, so dass wir gut folgen konnten. Frederik Spiegelberg begleitete den Gesang auf der Gitarre. Das Tischabendmahl stellte den Höhepunkt des Abends dar. Selbstgebackenes Brot wurde in Körben herumgereicht und sollte bis zur Sättigung in der Runde kreisen. Wohl dem, der noch kein Abendbrot gegessen hatte. Bei der Weitergabe wurden Segensworte gesprochen. Gleiches galt für den Becher mit dem Traubensaft.

Während des Herumreichens wurden wir aufgefordert, über die persönliche Beziehung zum Abendmahl zu reden. Neben der Wiederholung des symbolischen Charakters der Einheit als Gemeinde Jesu über alle sozialen und altersstrukturellen Unterschiede hinweg wurde mehrfach die besondere Art des Tischabendmahls gelobt. Das sei genau der Rahmen, den man sich für ein Abendmahl wünsche.

Anschließend war meine Schwiegermutter sofort von Leuten umringt. "Klar, Familie Lampe kennt man in Marzahn", erklärte sie uns und kehrte in ihr Gespräch über die Jugendstreiche ihrer Brüder und die Erlebnisse mit ihren Eltern zurück. Ich war beeindruckt.

Über den Rudolf-Filter-Weg gingen wir nach Hause - nicht nach Gethsemane. Dort war ja Jesus für uns hingegangen.

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